Alles Wichtige zur US-Wahl


TV-Duelle, in denen sich die Kandidaten gegenseitig mit Dreck bewerfen, Missbrauchsvorwürfe, E-Mail-Affäre, historisch niedrige Beliebtheitswerte: Der Wahlkampf um den Posten des 45. Präsidenten der USA hat viel Zündstoff geliefert. Jetzt geht es um den Sieg. In der Nacht auf Mittwoch entscheidet sich, ob die Demokratin Hillary Clinton oder der Republikaner Donald Trump ins Weiße Haus einziehen wird. Hier lesen Sie alles Wichtige zur anstehenden US-Wahl.

Umfragewerte für Trump und Clinton seit Januar

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Umfragewerte für Trump und Clinton seit Januar 2016. Grafik: C. Goldammer/J. Reschke, Redaktion: S. Tanke/K. Pepping, Stand 07.11.16

Hillary Clinton im Wahlkampf: Ehemann Bill applaudiert. Foto: dpa

Stonger Together: Die Clintons

Hillary Diane Clinton ist Politikerin, Ex-First-Lady, Rechtsanwältin und Hochschullehrerin. Sie wurde vor 69 Jahren in Chicago geboren. Im Jura-Studium lernte sie Bill Clinton kennen, der später US-Präsident wurde. Die gemeinsame Tochter heißt Chelsea.

Ihre Entscheidung, nach Bill Clintons Seitensprung mit der Praktikantin Monica Lewinsky weiterhin zu ihrem Ehemann zu stehen, bezeichnet Hillary Clinton in ihren Memoiren als eine der schwierigsten Entscheidungen ihres Lebens.

„Wenn sie die Gelegenheit bekommt, würde sie das Oval Office zum Verkauf anbieten.“ Donald Trump über Hillary Clinton

„Stronger Together“ lautet das Motto des Wahlkampfes der vielleicht ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten. Bill Clinton wäre im Fall eines Sieges seiner Ehefrau Amerikas erster „First Gentleman“.

In ihrer Jugend hatte sich die demokratische Präsidentschaftskandidatin bei den Republikanern engagiert. Aber während der Zeit des Vietnamkriegs orientierte sie sich politisch nach links und wurde zur Friedensaktivistin.

Ihre politische Karriere startete Hillary Clinton nach dem Auszug aus dem Weißen Haus als Senatorin für den Bundesstaat New York. Nun versucht sie zum zweiten Mal, Präsidentin zu werden. Beim ersten Mal unterlag sie Barack Obama in den Vorwahlen zum Kandidaten der Demokraten. Clinton war von 2009 bis 2013 Obamas Außenministerin.

Im letzten Moment entschärft

Gut 36 Stunden vor Öffnung der ersten Wahllokale hat das FBI Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre entlastet. Die Ermittler fanden keine Hinweise auf strafbare Handlungen.

Weil sie während ihrer Zeit als Außenministerin dienstliche E-Mails über private Server verschickt hat, stand Clinton heftig in der Kritik. Ihr Verhalten ist ein Verstoß gegen Sicherheitsregeln.

Die Vorwürfe lauten weiter, dass Clinton möglicherweise etwas zu verbergen hatte – die Bundespolizei FBI sieht das nun nicht mehr so. Kontrahent Donald Trump ist verärgert: „Sie ist schuldig, schuldig, schuldig.“

Pikant ist, dass im Fall von rund 40 Millionen Amerikanern Clintons Entlastung keine Auswirkung mehr auf die Abstimmung hat: Denn sie haben in den sogenannten „Early Votes“ ihre Entscheidung bereits getroffen.

Donald Trump mit Ehefrau Melania. Foto: dpa

Make America Great Again

Der Unternehmer, Entertainer und Schauspieler Donald John Trump wurde vor 70 Jahren in New York geboren. Er ist in dritter Ehe mit dem ehemaligen Model Melania Trump verheiratet – der gemeinsame Sohn Barron ist eines der fünf Kinder des Präsidentschaftskandidaten.

Mit dem Motto „Make America Great Again“ bestritt Trump den Wahlkampf.

„Mir ist nie ein Mensch begegnet, der so gleichbleibend arrogant ist.“ Trumps Biograf Michael D'Antonio

Der Immobilienmilliardär polarisiert. Um die 40 Prozent der Amerikaner finden es gut, dass der Präsidentschaftskandidat pöbelt, beleidigt und große Reden schwingt. Unter anderem kündigte er an, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen zu wollen und bezeichnete den Klimawandel als Erfindung der Chinesen. Obwohl er die Grenzen zu Rassismus und Sexismus in seinen Kommentaren regelmäßig überschreitet, fielen seine Zustimmungswerte seit Januar im Durchschnitt nie unter 38 Prozent.

Als bekannt wurde, dass mehrere Frauen Trump beschuldigen, sie sexuell belästigt zu haben, tut er diese Vorwürfe als „Schmutzkampagne“ ab. Er geht sogar so weit, sich über die Frauen lustig zu machen. Die „Washington Post“ veröffentlichte Anfang Oktober eine Aufzeichnung aus dem Jahr 2005, in der Trump mit Übergriffen gegen Frauen prahlt.

Wie erfolgreich Trump als Unternehmer wirklich ist, steht nicht fest. Entgegen der Tradition weigert sich der Präsidentschaftskandidat, seine Steuererklärung offen zu legen. Immer wieder werden Vorwürfe laut, er habe Steuern im Millionenbereich hinterzogen.

Digitaler Maulkorb für Trump

Angeblich haben Donald Trumps Berater dem Präsidentschaftskandidaten kurz vor dem Wahltag verboten, zu twittern. Das berichtet die „New York Times“. Man wolle wohl verhindern, dass Trump seine Chancen bei der Wahl durch unpassende Tweets verschlechtert.

Bei einem Wahlkampfauftritt für Hillary Clinton machte sich Barack Obama über das Twitter-Verbot lustig. „Wenn jemand nicht mit einem Twitter-Konto umgehen kann, kann er nicht mit Atomcodes umgehen“, sagte der US-Präsident.

„Ich bin die am wenigsten rassistische Person, die es gibt.“ Donald Trump auf Twitter

Donald Trump ist dafür bekannt, über den Kurznachrichtendienst regelmäßig Beleidigungen und wahnwitzige Kommentare zu verbreiten. Die Seite Trump Twitter Archive hat seine Tweets nach Themen sortiert und listet beispielsweise auf, was der Präsidentschaftskandidat schon alles zum Klimawandel gepostet hat. Er bezeichnete die globale Erwärmung bereits als „hoax“, „mythical“, „fictional“, „bullshit“ und als „created by and for the Chinese“.

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Foto: dpa

Wie die Swing States das Rennen entscheiden

Wenn die ersten Wahllokale in den USA schließen, ist es nach Mitteleuropäischer Zeit schon Mitternacht – die letzten Wahllokale an der Westküste und in Alaska folgen erst um 7 Uhr unserer Zeit. Der Sieger könnte aber schon früher feststehen, je nachdem, wie viele Staaten Clinton und Trump bis dahin für sich gewinnen können.

Für 40 Millionen Amerikaner ist die Entscheidung ohnehin schon lange vorher gefallen: Sie nutzen das „Early Voting“, bei dem die Bürger persönlich oder per Briefwahl vor dem gesetzlich festgelegten Wahltag ihre Stimme abgeben können.

Die amerikanischen Medien streiten sich derzeit darüber, ob die Ergebnisse der frühzeitigen Stimmabgabe für Clinton sprechen. Während manche einen Vorteil für sie sehen, weist die „Washington Post“ darauf hin, dass die Early Votings nicht besonders gut für Prognosen taugen.

Der Präsident wird in den USA nicht direkt gewählt, sondern über Wahlmänner und -frauen.

In den 50 Bundesstaaten gibt es insgesamt 538 solche Stellvertreter. Für den Sieg müssen Clinton oder Trump mindestens 270 ihrer Stimmen erringen.

Wenn ein Kandidat in einem Bundesstaat die Mehrheit hat, bekommt er automatisch alle Wahlmänner und -frauen zugeteilt – außer in Maine und Nebraska. Dort werden die Wahlleute proportional verteilt. Das Gremium dieser stellvertretenden Wähler, das sogenannte „Electoral College“ kürt dann am 19. Dezember den Präsidenten oder die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten.

Je nach Bevölkerungsstärke kommen unterschiedlich viele Wahlleute auf einen Bundesstaat. Das sorgt dafür, dass manche Staaten für den Sieg entscheidender sind als andere. In einigen Staaten dominieren traditionell eher die Demokraten oder die Republikaner – spannend wird es in Bundesstaaten, deren Gefolgschaft noch unklar sind, die aber gleichzeitig viele Wahlleute auf sich vereinen: Sie werden „Swing States“ oder auch „Battleground States“ genannt – hier entscheidet sich der Sieg.

Das könnte heuer auf etwa 15 Bundesstaaten zutreffen. Florida hat alleine 29 Wahlleute zu bieten. Auch Pennsylvania mit 20, Ohio mit 18 oder North Carolina mit 15 Wahlmännern oder -frauen können eine große Rolle bei der Entscheidung spielen.

Todesstrafe, Marihuana und Porno

Neben der Abstimmung über die Wahlmänner, die wiederum am 19. Dezember den Präsidenten der Vereinigten Staaten wählen werden, sind in vielen Bundesstaaten am Wahltag noch andere Dinge zu entscheiden.

Gewählt werden außerdem sämtliche 435 Abgeordnete des Repräsentantenhauses und etwa ein Drittel der Mitglieder im Senat. Außerdem geht es in einigen Staaten um die Posten von Gouverneuren, Gemeinderäten, Richtern, Staatsanwälten und Sheriffs.

Die Wähler müssen außerdem ihre Stimme bei Referenden abgeben. In Kalifornien geht es um die Abschaffung der Todesstrafe. Außerdem entscheiden die US-Bürger darüber, ob Marihuana legalisiert werden soll – für die „Freizeitnutzung“. Für den medizinischen Gebrauch ist es bereits in mehreren Bundesstaaten freigegeben. Eine weitere Abstimmung dreht sich um die Porno-Industrie: Es geht um die Frage, ob Darsteller in den Filmen Kondome verwenden müssen.

Katrin Poese
Veröffentlicht von Katrin Poese
Volontärin beim DONAUKURIER