Volkstanz V: Zwiefaches Finale

„Der Zwiefache muss am Hirn vorbei“, sagt Anna Pröll. Wer nachdenkt, hat verloren. „Bis des bei de Fiaß o’kummt, is scho z’spät.“ Also: Ob man Walzer-Walzer-Dreher-Dreher oder Walzer-Dreher-Dreher-Walzer-Walzer oder auch Dreher-Dreher-Dreher-Dreher-Walzer-Walzer tanzt, hat man im Gefühl. Irgendwann. „De Herausforderung beim Zwiefachen is, dass ma den Wechsel hört“, erklärt unsere Tanzleiterin weiter. Eine Aufgabe, die sie und ihr Mann Hans Pröll sich für den letzten Abend des Volkstanzkurses in Jachenhausen aufgehoben haben.

Ob das gutgeht? Mein Herzblatt und ich haben das mit dem Wechsel aus Walzern und Drehern an den vorigen Abenden schon das eine oder andere Mal ausprobiert – mit eher unelegantem Ausgang. Verzwickte Sache. Die Ansage in der Vorwoche – „Das nächste Mal machen wir schwerpunktmäßig Zwiefache“, hatte Anna Pröll verkündet – hat wohl nicht nur bei uns für leichte Panik gesorgt. Und nun stehen wir da und lauschen, bevor wir die erste Runde auf dem Tanzboden drehen. Anna Höcker – Anna Prölls Mutter und früher selbst fleißige Volkstänzerin – drückt auf den Startknopf, die Anlage dudelt: Unsa oide Kath. „Des is ein regelmäßiger“, ruft sie uns zu und zählt die Schritte an den Fingern ab.

Zwei Walzer, zwei Dreher. „Habt ihrs g’hört?“, fragt Josef Pröll. Die meisten nicken. „I ned“, sagt eine Teilnehmerin. Macht nix. „Einfach mal ausprobieren“, sagt der Tanzleiter. Es geht los. Die Spannung steigt bei meinem Herzblatt und mir. Aber schau an: es haut auf Anhieb hin. Vielleicht hat die eine Woche gedankliche Vorbereitung doch etwas gebracht. Wir sind erleichtert.

Bei den anderen sieht die Sache auch ganz gut aus. Wie immer beruhigen die Prölls, wenn es zunächst mehr holpert als rund läuft. „Wir ham koa Sackl, wo ma as Hörn austeil’n kannt’n“, sagt Anna Pröll und grinst. Auch bei ihr habe das einfach eine Zeit gedauert. Beim Autofahren hat sie sich hunderte Zwiefache angehört, erzählt sie mir in einer Pause. Der Blinker hat dann von einem Augenblick auf den anderen nicht mehr zum Rhythmus der Musik gepasst. „Des hat mich dann g’nervt. Und da hab i g’wusst: Jetzt her ich’s.“ Anna Pröll lacht.

Nach der oidn Kath kommen der Zipfemiche (vier Dreher, zwei Walzer) und der Wampert Gust (zwei Walzer, vier Dreher). Wir hören erst zu, dann tanzen wir. Anna Höcker zählt an den Fingern ab, schaut aufmerksam den tanzenden Paaren zu. Die Anfänger drehen sich langsam, die alten Hasen kreiseln regelrecht. Auch das kommt mit der Zeit, versichert uns ein Volkstanzfreund zwischen zwei Zwiefachen. Überhaupt kriegt jeder die Kurve anders, erzählt uns seine Frau: „Ich hör den Wechsel, er kennt einfach vui Schrittmuster.“

Den einen wahrhaftigen Zwiefachen, den gibt’s sowieso nicht, sagt Josef Pröll. „Es hat no nie oan geb’n, der den Zwiefachen schlechthin kann.“ Weil wenn es regelmäßige gibt, dann gibt es auch unregelmäßige. So wie die Bäurin von da Hoi: ein Walzer, zwei Dreher, zwei Walzer. Plus Zwischenteil. Es gibt rund 500 überlieferte Zwiefache, und jeder ist anders. Gerade, wenn wir denken, wir haben’s raus, geht der nächste Schritt daneben. Aber sei’s drum: es macht unheimlichen Spaß.

Der Spaß an der Freud am Tanzn war das, was die Volkstanzfreunde Riedenburg uns Neulingen mitgeben wollten. Das haben sie geschafft. „Es is zwar etz no ned perfekt, aber den Anfang habt’s g’macht“, fasst Josef Pröll am Ende die fünf Abende zusammen. „Wichtig is: weitertanzen!“ Zum Beispiel beim Abschlussball am 1. April. Mit einem nachdrücklichen „Kemmts fei wida!“ entlässt uns Anna Höcker bis dahin nach Hause.

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Kathrin Schmied
Veröffentlicht von Kathrin Schmied