Volkstanz IV: Sautanz? Gestrichen!

Der Sautanz ist gestrichen. Kikeriki? Marschierpolka? Salzburger Dreher? Auch. Weil erstens sind das relativ einfache Tänze („Wir beherrschen scho viel, die könnt’s ihr locker so nachtanzen.“), und zweitens strecken wir an dieser Stelle das Programm. „Heute mach ma noch a paar Figurentänze, as nächste Mal schwerpunktmäßig Zwiefache“, schlägt Anna Pröll uns beim vierten Übungsabend des Volkstanzkurses in Jachenhausen vor.

Mein Herzblatt und ich und die anderen Teilnehmer sind damit natürlich einverstanden. Schließlich birgt gerade der wilde Wechsel aus Walzerschritten und Drehern so seine Tücken – das haben wir schon beim ersten Tanzabend festgestellt. „Wir erklär’n euch dann genau, worauf man speziell beim Zwiefachen aufpass’n muss“, verspricht Tanzleiter Josef Pröll. Und dieser zwiefachen Offensive fallen nun einige Volkstänze zum Opfer, die Pröll und seine Frau Anna eigentlich auf ihrer Liste stehen hatten.

Macht nichts. Wenn wir heute Abend nach Hause fahren, haben wir insgesamt 18 Tänze gelernt. Für alle, denen dass noch nicht reichen sollte, hat einer der Volkstanzfreunde einen Tanzzettel mit genauen Anleitungen zusammengestellt. Dörfler Masur, Fuchsschwanz oder Rediwa stehen drauf. „Danke, Bernhard!“, sagt Josef Pröll. Zustimmendes Nicken aus der Runde.

Hans Wax, stellvertretender Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, veranstaltet jeden Monat ein offenes Tanztreffen. Im DK-Interview erklärt er, was es mit Volkstanz auf sich hat.

Die Beschreibungen der vielen Figuren, die man beim Rheinländer tanzen kann, füllen vermutlich viele viele Seiten. „Es gibt so zwei, drei, hundert“, sagt Anna Pröll und lacht. „Das Schöne an dem Tanz ist, dass jedes Paar auf dem Tanzboden selbst entscheiden kann, welche Figur als nächstes kommt.“ Wir lernen heute vier verschiedene Varianten. Einen Grundstock, sozusagen. Zwei davon kennen wir schon vom Woaf, diesem höfisch anmutenden Tanz, bei dem der Herr, ihre Hände auf halber Höhe haltend, hinter seiner Dame herschreitet. Das sind Figur 1: Die Dame wirft verliebte Blicke über beide Schultern („Nur dem eigenen Partner schöne Augen macha!“, sagt Josef Pröll), dann Dirndldrehn. Und Figur 2: Rum um den Mann. Beim Rheinländer nicht einmal ganz in acht, sondern jeweils halbrum in zweimal vier Schritten.

Auf züchtig folgt wild. Wir tanzen die Zigeunerpolka. „Das ist wieder ein Wechseltanz“, erklärt Josef Pröll. Sprich: Nach einem Zwischenteil mit Klatschen, bei der sich Frauen- und Männerkreis in entgegengesetzte Richtungen bewegen, wird mit der Person getanzt, die vor einem steht. „Do ko selbst mei Frau ned bremsen, da staut sa se vo selber“, witzelt der Tanzleiter. Anna Pröll lacht. Bei der Sternpolka habe sie mit Absicht getrödelt, damit sich das Tanzvolk durchmischt, verrät sie mit einem Grinsen.

Ganz absichtlich gemischt läuft der letzte Figurentanz des Kurses ab. Topporzer Kreuzpolka heißt er. Zwei Paare tanzen ihn miteinander. Wir tippen mit den Füßen, wir klatschen in die Hände, wir haken uns gegenseitig unter und drehen uns, wir fangen von vorn an. Die Musik wird schneller. Die Schritte auch. Mein Herzblatt und ich hüpfen immer mehr. Alles um uns herum dreht sich. Taktwechsel. Alles auf Anfang. Es geht wieder langsam. „Hat doch recht gut hing’haut“, sagt der Volkstanzfreund, der mit seiner Partnerin mit uns getanzt hat. Das schon. Schwindelig ist uns trotzdem. Die Stimmung ist ausgelassen.

Das ist der Zeitpunkt, an dem der Tanzleiter und seine Frau gleich den Auftanz für den Abschlussball am 1. April ausprobieren wollen. Denn tatsächlich ist der Volkstanzkurs schon fast wieder vorbei. Einmal noch. „Zweimal“, tröstet Josef Pröll. „Der Abschlussball gehört ja auch dazu.“

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Kathrin Schmied
Veröffentlicht von Kathrin Schmied