Volkstanz III: Partnertausch auf Bayerisch

Samma scho soweit. Wir tanzen eine Polka, die keine Polka ist. Zumindest nicht die Polka, die wir beim Volkstanzkurs als Polka gelernt haben. Nein. Bei der Sternpolka tanzen wir die Polka wie einen Schottisch. Nur Wechselschritte, gedreht getanzt. Da ist sie also, die polka-schottische Differenz, mitten auf dem Tanzboden in Jachenhausen.

„Ihr macht’s es so, wie wir’s hier lernen“ sagt Tanzleiter Josef Pröll. „Dann seid’s auf der sicheren Seite.“ Alles klar. Das kriegen mein Herzblatt und ich und die anderen Paare locker hin. Die alten Hasen sowieso. Das Spannende – und vor allem Neue – an der Sternpolka ist eh nicht die schottische Polka, sondern der Stern: Der Herr schlingt seinen rechten Arm um die Hüfte der Dame und legt die linke Hand auf die Schulter seines Vordermannes. Ein paar Takte gehen. Dann verabschiedet man sich von seinem Partner. „Weil man woaß ned, ob man’ wiedersieht“, sagt Josef Pröll mit einem breiten Grinsen.

Maria und Bernhard sind alte Hasen beim Volkstanzkurs in Jachenhausen.

Nach dem kopfnickenden Servus drehen sich die Herren in den Kreis, die Frauen gehen um den Männerring herum. Wo beim letzten Tanzabend das Stampfen war („Des is nix für Damen!“), kommt jetzt saftiges Klatschen auf die Oberschenkel. Mein Herzblatt haut fleißig mit. Bei mir steigt der Adrenalinspiegel. Mit wem ich wohl als nächstes den Schottisch aufs Parkett lege? „Man tanzt mit dem Mann, der dann vor einem steht“, hat Josef Pröll uns zuvor erklärt. Und mit einem schelmischen Seitenblick auf seine Frau, Anna Pröll, die heute als Vortänzerin mit von der Partie ist, verraten: „Ihr braucht’s ned glaub’n, dass ihr bei eurem eigentlichen Partner landet’s.“ Wildes Durchmischen lautet die Devise. Partnertausch auf Bayerisch, sozusagen.

Die Sternpolka ist einer von vier Tänzen, den wir an diesem Abend lernen. Vierzehn können wir dann, mindestens zehn lernern wir noch. Temporeiche Tanztiraden (Stern- und Krebspolka) wechseln sich diesmal mit getragenen Darbietungen (Woaf und Offener Walzer) ab. „Der Woaf“, sagt Anna Pröll, „orientiert sich an eher höfischen Tänzen. Drum is er eine Spur eleganter als die anderen Volkstänze.“

Eine elegante Herausforderung ist tatsächlich der Offene Walzer. Bei den Prölls sieht’s aus, als würden sie auf Wolken schreiten. Beim Rest: Tapsen durch Nebelschwaden. Orientierung? Fehlanzeige. Die erste Runde überfordert trotz langsamer Erklärung so ziemlich jeden Volkstanzneuling im Saal. Zwei Walzerschritte vorwärts, dabei drehen, zwei Walzerschritte rückwärts, vier Walzerschritte rundrum. Dabei an den Händen halten und die Arme mitschwingen. Himmel. „Denkt’s euch nix, der Offene Walzer haut jeden erstmal aus der Bahn“, sagt Josef Pröll. Anna Pröll nickt und erklärt einfach nochmal, worauf es ankommt.

Walzer, Wiegeschritt, Woaf: Die Palette an Schritten und Tänzen ist enorm vielfältig.

Bei der zweiten Runde stolpern viele trotzdem wieder über die eigenen Füße. Die rettenden Hände im Schrittnebel kommen in Form der Volkstanzfreunde: Ein Herr nimmt mich an der Hand, seine Dame mein Herzblatt. „Dreh dich erst nach dem zweiten Walzerschritt“, erklärt er mir. Nach ein paar Anläufen klappt es. Bei der dritten Runde haut’s dann auch mit meinem Freund hin. Es ist genau, wie Josef Pröll ganz am Anfang gesagt hat: „Wenn der Walzerschritt sitzt, geht der Rest fast von alleine.“

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Kathrin Schmied
Veröffentlicht von Kathrin Schmied