Volkstanz II: Stampfende Damen, schottische Buam

Stampfen ist nichts für Damen. „Des schickt sich ned“, sagt Josef Pröll. Zu spät. Bei der ersten Runde Siebenschritt sind auch die Frauen mit Nachdruck auf dem Boden gelandet – schließlich will man seinem Tanzpartner in nichts nachstehen. Zumindest ich nicht. Also stampfe ich auch.

Der Siebenschritt wird, so hat es uns Pröll zu Beginn des zweiten Volkstanzkursabends in Jachenhausen erklärt, im Laufschritt getanzt. Acht gelaufene Schritte nach vorne, acht zurück. Dann die Schrittfolge des Boarischen. Und wieder laufen.

Mit dem ersten neuen Tanz des Abends steigt das Tempo. Danach steigt der Lärmpegel. Die Anfänger tauschen sich mit den alten Hasen von den Volkstanzfreunden Riedenburg aus, die sich unter das Tanzvolk gemischt haben. Sie geben Tipps, nehmen den Einen oder die Andere an die Hand und üben mit ihnen noch einmal trocken. „Wir können’s ja, warum sollen wir ned helfen?“, meint eine Volkstanzfreundin. Und ihr Partner ergänzt: „Wenn ihr durchwechseln wollts – jederzeit gern.“

Es geht weiter mit der Theorie. Josef Pröll muss erst für Ruhe sorgen. Und verkündet dann: „Stampfen: Nix für Damen.“ Maria Mayer, die heute mit Pröll die neuen Schrittfolgen vortanzt, steht neben ihm und grinst. Ganz ernst gemeint hat der Tanzleiter seine Ansage offenbar nicht. Beim Volkstanz gebe es halt eben Dinge, die eigentlich den Burschen vorbehalten seien, verrät er. Sich mit den Händen auf die Oberschenkel hauen zum Beispiel. „Des wollte ich nur g’sagt haben.“ Nun grinst auch Pröll. „Wenn die Dame doch stampft, dann tut sie’s halt.“

Auf den Siebenschritt folgen Kreuzpolka und Schottisch, Kuckuckspolka und Kirmstrick. Nicht nur die Schrittfolgen sind diesmal ausgefallener, auch die Handhaltungen und Figuren. Kreuzhandfassung hinten beim Siebenschritt. Kreuzhandfassung vorne und Dirndldrahn bei der Kreuzpolka. Das Rundrum hat’s in sich. In vier Schritten zweimal um die eigene Achse, während der Herr auf der Stelle tritt, um danach den Anschluss nicht zu verlieren? Hantig. Bei den erfahrenen Paaren sieht das beneidenswert beschwingt aus. Ich dagegen schaffe keine zwei Drehungen. „Des kann ma machn, wie ma lustig is“, erklärt mir Maria Mayer. „Wenn mir danach is, drah i mi zwoamal. Wenn ned, dann langt oamal a“, sagt sie und lacht. Der Druck ist weg – und schon klappt es besser.

Damit unser Schottischer runder läuft, schnappt sich Maria Mayer bei der nächsten Tanzrunde mein Herzblatt. Nur Wechselschritte, gedreht getanzt. Dass es am Anfang noch etwas steif und nicht unbedingt dynamisch ausschaut, sei ganz normal. „Des kommt alles mit der Zeit“, versichert Pröll. Und lüftet in Sachen Schottisch gleich noch ein offenes Geheimnis: Was in Oberbayern die Polka ist, tanzt man in der Oberpfalz als Schottisch und umgekehrt. „Was ihr tanzt, is egal, einig müssts ihr euch nur sein“, lautet seine Lösung für regionale Tanzdifferenzen. Eine polka-schottische Regionengrenze gebe es nämlich nicht, erzählt uns nach der letzten Tanzrunde des Abends auch ein Volkstanzfreund. „Des is ein fließender Übergang.“

Überhaupt lebt der Volkstanz von der Flexibilität. Spätestens mit dem zweiten Kursteil wird uns das klar. „Wir lernen hier rund 25 verschiedene Tänze, damit ihr möglichst viel mitnehmts“, betont Pröll auch heute wieder. Die Schritte und Figuren wiederholen sich oft, nur die Kombinationen wechseln. Wer viel kennt, kann neue Tänze leicht nachmachen. Einfach, indem er den anderen Paaren zuschaut. Eine simple Rechnung mit – zumindest für uns – eindeutigem Ergebnis: Volkstanz macht Spaß.

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Kathrin Schmied
Veröffentlicht von Kathrin Schmied