30 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl

Es war einer der bisher größten Unfälle in einem Atomkraftwerk, der sich am 26. April 1986 im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl ereignet hat. Nach dem Super-Gau ging in Europa die Angst vor der Strahlenwolke umher. Für die Bewohner in der Umgebung des Kraftwerks änderte sich damals alles.

Zeitleiste: Jessica Roch

Nach der Katastrophe: Evakuierung aus Prypjat

In Prypjat lebt heute schon lange keiner mehr, denn die Stadt wurde am Tag nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl evakuiert. Gerade einmal zwei Stunden blieben den Einwohnern, um ihre Sachen zu packen. Wie schlimm die Lage tatsächlich ist, wurde den Menschen damals nicht gesagt, um Panik zu vermeiden, wie es hieß. Damals lebten hier fast 50.000 Menschen, gut ein Drittel davon Kinder. Gegründet wurde die Stadt 1970 für Arbeiter des Kernkraftwerks. Die Mehrheit der Einwohner arbeitete im rund fünf Kilometer entfernten Kraftwerk.

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In Eile mussten die Bewohner ihr Zuhause verlassen. Foto: Gerhard Mann

Es dauerte rund 30 Stunden, bis die Behörden nach dem Unfall mit der Evakuierung der Einwohner begannen. So wurden nach und nach immer mehr Menschen auch im weiteren Umfeld des Kraftwerks evakuiert. Bis Anfang Mai waren dann auch die Bewohner in einem Umkreis von zehn Kilometer um den Reaktor betroffen. Mittlerweile gibt es eine Sperrzone um das Kraftwerk, die einen Radius von 30 Kilometern hat.

Prypjat – heute eine Geisterstadt

Heute gleicht Prypjat im Norden der Ukraine einer Geisterstadt. Verlassene Wohnungen, die den Eindruck vermitteln, dass ihre Bewohner sie schlagartig verlassen haben. Offene Schranktüren, Puppen auf dem Boden, verfallene Sofas. Klassenzimmer, in denen noch Bänke stehen und zerrissene Bücher auf dem Boden liegen.

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In Eile mussten die Bewohner ihr Zuhause verlassen. Foto: Gerhard Mann

In Prypjat sollte damals eine kleiner Vergnügungspark eröffnet werden, mit Riesenrad und Autoscooter. Eröffnet wurde der Rummel nie, wie unberührt warten die Attraktionen noch heute auf ihren eigentlichen Zweck. Auch ein Schwimmbad gab es.

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In Prypjat sollte ein Rummelplatz entstehen. Foto: Gerhard Mann

Die Folgen der Katastrophe

Heute verfällt die Stadt immer mehr, die Natur holt sich langsam aber sicher wieder Stück für Stück die Umgebung zurück. Die Gebäude werden von Büschen und Sträuchern überwuchert. Viele Häuser sind bis heute noch im Originalzustand, denn den Bewohnern wurde damals gesagt, dass sie ihr Zuhause nur für kurze Zeit verlassen müssen.

Mehr als 6000 Fälle von Schilddrüsenkrebs wurden seit 1990 in Weißrussland, Russland und der Ukraine gemeldet. Eine weit höhere Zahl, als sie statistisch gesehen zu erwarten wäre. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist abgesehen von Schilddrüsenkrebs kein Anstieg von Krebserkrankungen in den belasteten Gebieten feststellbar. Auf Basis von Modellrechnungen geht die WHO allein unter den Liquidatoren (Arbeiter direkt an der Unfallstelle) und Bewohnern der am stärksten betroffenen Zone von rund 4000 Todesfällen aufgrund Strahlenschäden bis zum Jahr 2081 aus. Einige Studien und Berichte legen auch eine weit höhere Zahl von Krebs- und Leukämie-Erkrankungen nahe, die allerdings laut WHO nicht eindeutig festzustellen sind.

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Eine zurück gelassene Puppe in Mitte von Gasmasken. Foto: Gerhard Mann

Die Fotos hat Gerhard Mann vor eineinhalb Jahren aufgenommen. Der 31-jährige Rohrbacher berichtet mit Fotos auf seinem Blog www.gmann.info von seiner Reise nach Tschernobyl.

Melissa Ludstock
Veröffentlicht von Melissa Ludstock

Hat im Oktober 2015 ihr Volontariat beim Donaukurier begonnen, ist seit April 2017 Online-Redakteurin. Dreht und schneidet am liebsten Videos, mag lokale Geschichten und ist gerne vor Ort, um zu berichten. Ihre Geschichten findet die Neu-Ingolstädterin nicht nur auf Twitter, Youtube und Co., sondern auch unterwegs.