Die Toten 2015

Sie haben uns in Film und Fernsehen begleitet, uns mit ihrer Musik und Literatur begeistert oder das Land geprägt: 2015 haben wir von vielen großen Persönlichkeiten Abschied genommen. Hier sind noch einmal einige von ihnen.

HELMUT SCHMIDT

Über alle Parteigrenzen hinweg trauerte die deutsche Politik im November um Altkanzler Helmut Schmidt. Von 1974 bis 1982 war der gebürtige Hamburger Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Ab 1983 war Schmidt außerdem Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit. Auch als Vortragsredner war Schmidt bekannt und geschätzt.

„Ich wollte dieses Amt nicht. Ich hatte Angst davor“, hat Helmut Schmidt einmal beim Blick zurück gesagt. Den Rücktritt von Willy Brandt hält Schmidt für falsch. Er zögert ein wenig, kokettiert mit seiner Zurückhaltung, lässt sich dann aber doch noch in die Pflicht nehmen: Am 16. Mai 1974 wird er mit 267 von 492 Stimmen zum fünften Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Es ist die Krönung einer steilen politischen Karriere. Die Deutschen halten ihn laut Umfragen nach wie vor für den bedeutendsten Bundeskanzler.

Eine Bildergalerie mit Momenten aus Helmut Schmidts bewegtem Leben finden Sie HIER.

Lemmy Kilmister

An Heilig Abend feierte Lemmy Kilmister seinen 70. Geburtag, zwei Tage später erfuhr er von seiner Krebserkrankung und noch einmal drei Tage später war er tot. Der Sänger der britischen Heavy-Metal-Band Motörhead ist Ende Dezember 2015 gestorben. Seit 1975 gab es Motörhead – immer an der Spitze davon: Lemmy Kilmister.

„Wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen, um unseren Schock und unsere Traurigkeit auszudrücken, uns fehlen die Worte“, schrieb die Band auf Facebook. Lemmy ist und bleibt eine Legende für alle Fans von harter Musik und der laute Beginn jedes Motörhead-Konzerts wird ihnen noch lange in den Ohren nachhallen: „Wir sind Motörhead! Wir spielen Rock and Roll!“

An die Fans gerichtet forderten die übrigen Motörhead-Mitglieder: „Spielt Motörhead laut, spielt Hawkwind laut, spielt Lemmys Musik LAUT. Habt einen Drink oder mehrere. Teilt Geschichten. Feiert das LEBEN, das dieser liebenswerte, wundervolle Mann selbst so lebhaft gefeiert hat.“

OMAR SHARIF

Doktor Schiwago starb am 10. Juli 2015 in Kairo. In dieser Rolle wird Omar Sharif den Menschen im Gedächtnis bleiben: Der russische Arzt zur Zeit des Bürgerkriegs im zaristischen Russland, hin- und hergerissen zwischen zwei Frauen. Doch auch sonst spielte der ägyptische Schauspieler in einigen Klassikern mit: Lawrence von Arabien, Dschingis Khan und Che! sind nur einige Beispiele. Mit 83 Jahren verstarb der großartige Omar Sharif an einem Herzinfarkt.

Hier ist er noch einmal in seiner Paraderolle zu sehen:

Günter Grass

Grass’ erster, 1959 erschienener Roman „Die Blechtrommel“ wurde zum Welterfolg. Er gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur und gilt als Jahrhundertwerk. 40 Jahre nach der Veröffentlichung wurde der gebürtige Danziger mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Das Nobelpreis-Komitee nannte das Buch die „Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert“.

In der Bundesrepublik profilierte sich Grass schon seit den 1960er Jahren als engagierter Gesellschaftskritiker. „Haupt- und Staatsdichter“ und „Oberlehrer der Nation“ wurde er deshalb ironisch bezeichnet. Seit den 1960er Jahren warb er in Wahlkämpfen für die SPD.

Im Alter von 87 Jahren starb Grass im April 2015 in einem Lübecker Krankenhaus im Kreise seiner Familie. Er erlag den Folgen einer Infektion. Vertreter aus Politik und Kultur würdigten ihn als literarische Instanz und streitbaren Mahner.

Ellis Kaut

Eigentlich wollte Elisabeth Kaut Schauspielerin werden. Geboren in Stuttgart, aufgewachsen in München, schrieb sie schon als Jugendliche selbst Theaterstücke und führte diese mit Freundinnen auf. Später bewarb sie sich bei einer Theaterschule. Die Schauspielerkarriere, die mit einem Engagement im Wiesbadener Residenztheater begann, endete mit Kriegsbeginn am 1. September 1939.

Der Pumuckl wurde ihr größter Erfolg als Schriftstellerin. Da war Ellis Kaut schon 42 Jahre alt. Die Welt des kleinen Kobolds war ihr persönliches „Paradies der Fantasie“. In der letzten Folge verlässt der Pumuckl seinen Meister Eder. Die Sendung schließt mit den Worten: „Vielleicht besucht ihn der Pumuckl wieder. Dann kann es sein, dass ich davon erzähle.“

Am 24. September 2015 starb die Kinderbuchautorin bei Fürstenfeldbruck.

James Horner

Titanic, Braveheart, Avatar, Apollo 13 – all diese Filme haben eines gemeinsam: Musik von James Horner. Zwei Oscars holte sich der Filmkomponist aus Los Angeles mit seinem Werk zu Titanic. Für seinen Song „Somewhere out there“ aus Feivel, der Mauswanderer, gewann er außerdem einen von drei Grammys seiner Karriere.

James Horner wurde nur 62 Jahre alt. Am 22. Juni 2015 stürzte sein einmotoriges Flugzeug in Südkalifornien ab. Der Pilot, der alleine an Bord war, konnte zwar zunächst nicht identifiziert werden, doch für Horners Anwalt stand fest: „Wir wissen, dass es sein Flugzeug ist und wir wissen ebenso, dass wir seitdem nichts von ihm gehört haben.“

Seine Musik wird sein Leben in jedem Fall überdauern:

Harry Rowohlt

Harry Rowohlt galt als Multitalent. Er war Übersetzer zahlreicher Bücher aus dem Englischen, Vorleser, Autor, Original, Botschafter des irischen Whiskeys und seit 20 Jahren der „Penner“ aus der Dauerserie „Lindenstraße“. Seine Markenzeichen waren die widerspenstige Mähne und der eindrucksvolle Bart.

Geboren wurde Harry Rowohlt am 27. März 1945 in Hamburg als Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt und der Schauspielerin Maria Pierenkämper. Mit der Übersetzung des Kinderbuches „The Last Man Alive“ von Alexander Sutherland Neill wurde er schlagartig bekannt. Unter dem Titel die „Grüne Wolke“ schaffte das Werk als erstes Kinderbuch 1971 den Sprung in die „Spiegel“-Bestsellerliste. Rowohlts Übersetzungen von „Winnie-the-Pooh“ (Pu der Bär) wurden ebenfalls hoch gelobt, wie auch seine Übertragungen amerikanischer Literatur ins Deutsche.

Helmut Dietl

Er hat der Münchner Schickeria den Spiegel vorgehalten, sich über die gefälschten Hitler-Tagebücher lustig gemacht und über das „Suchen und Finden der Liebe“ sinniert. „Die einen kriegen Kinder, die anderen machen Filme. Jeder wehrt sich auf seine Weise gegen den Tod, so gut es geht“, sagte Helmut Dietl, einer der bedeutendsten deutschen Regisseure, einmal in einem Interview. Im Alter von 70 Jahren ist er im März 2015 gestorben – im Kreise seiner Familie in seiner Münchner Wohnung.

Dietl war einer der bedeutendsten Regisseure Deutschlands und wurde in den 80er Jahren berühmt mit den Serien „Monaco Franze“ und „Kir Royal“. Ebenso wie Woody Allen deckte der im oberbayerischen Bad Wiessee geborene Dietl mit Vorliebe und Ironie menschliche Schwächen auf und beleuchtete gesellschaftliche Kuriositäten.

Pierre Brice

Er war Winnetou. Für die alte Bundesrepublik gab es nur einen wahren Apachen-Häuptling: Pierre Brice. Der Schauspieler ist im Juni 2015 im Alter von 86 Jahren in Frankreich gestorben.

In Erinnerung blieb der von Pierre Brice gespielte Indianer vor allem auch mit seinem schmerzvollen Weg in die heidnischen „ewigen Jagdgründe“. Für Millionen von Westdeutschen war die Rolle des Apachen-Häuptlings identisch mit dem französischen Schauspieler.

Seine Karriere begann in den 1950er Jahren mit kleinen Rollen für Film und Theater. Der spanische Film „Los Atracadores“ brachte ihn 1962 zur Berlinale nach Berlin. Im Publikum: Horst Wendlandt. Der deutsche Produzent hatte für die Verfilmung von Mays „Schatz im Silbersee“ bereits eine Zusage von Ex-Tarzan Lex Barker für die Rolle des Old Shatterhand. Es fehlte noch die Besetzung für den berühmten Indianer. Wendlandt soll sich gleich sicher gewesen sein: „Das ist mein Winnetou.“ Brice hatte zu diesem Zeitpunkt noch nie Karl May gelesen.

Zurückblickend erzählte der Schauspieler in einem Interview, er habe rund 80 Mal vor der Kamera gestanden. Und doch: „Elf Filme davon sind die wichtigsten.“ Es sind jene Wendlandt-Produktionen, die ihn als Winnetou auf Hengst „Iltschi“ durch die Grassteppe Kroatiens reiten ließen.

Rolf Bossi

Rolf Bossi, einer der prominentesten deutschen Strafverteidiger, ist im Dezember 2015 im Alter von 92 Jahren gestorben. Bossi stand in seiner mehr als 50-jährigen Tätigkeit zahlreichen Prominenten wie etwa der Schauspielerin Romy Schneider, dem Schlagersänger Roberto Blanco, dem Schauspieler Hardy Krüger und der Schauspielerin Ingrid van Bergen zur Seite und übernahm auch spektakuläre Kriminalfälle wie den des Kindermörders Jürgen Bartsch.

Henning Mankell

„Henning Mankell war einer der großen schwedischen Schriftsteller, geliebt und gelesen hier zu Hause und in der ganzen Welt“, teilte der Leopard Verlag in Stockholm mit. „Durch sein Schreiben ging wie ein roter Faden die Solidarität mit den Schwachen und Verletzlichen.“ Mankell hatte den Verlag 2001 gemeinsam mit Dan Israel gegründet. Im Oktober 2015 starb der Krimi-Autor mit 67 Jahren.

Seine Wallander-Krimis waren Kult und bescherten dem schwedischen Schriftsteller regelmäßig Plätze in den Bestsellerlisten. Mankell ist einer der meistgelesenen Krimiautoren weltweit. Allerdings konnte er noch mehr als seinen Wallander. Er schrieb auch Romane zu zahlreichen anderen Themen und schrieb für Fernsehen und Theater.

Kurt Masur

Der Dirigent, der von 1970 bis 1996 Kapellmeister in Leipzig war, gehörte im Herbst 1989 zu den Unterzeichnern des Aufrufes „Keine Gewalt“, mit dem Montagsdemonstranten und Staatsgewalt zum Dialog aufgefordert wurden. Bis zu seinem Tod im Dezember 2015 war er Ehrendirigent in Leipzig.

Zu Masurs bekanntesten Aufnahmen zählen Werke von Liszt, Dvořák, Mendelssohn, Tschaikowski und vielen mehr. Mit dem Gewandhausorchester spielte er mehrfach die neun Sinfonien Beethovens ein. Mit Anne-Sophie Mutter nahm er das Violinkonzert von Brahms auf. Masurs Werk wird noch lange gehört werden.

Utta Danella

Mehr als zwei Dutzend ihrer Bücher wurden für das Fernsehen verfilmt – insgesamt verkaufte Utta Danella rund 70 Millionen Bücher. Damit war die gebürtige Leipzigerin eine der kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen überhaupt.

Der Durchbruch gelang Utta Danella, die eigentlich Utta Schneider hieß, im Jahr 1960 mit ihrem vierten Roman: Stella Termogen oder Die Versuchung der Jahre.  Auch Jugendbücher und Sachbücher stammten aus ihrer Feder.

Anfang Juli 2015 starb die Schriftstellerin mit 95 Jahren in München.

Wes Craven

Scream, Nightmare on Elm Street, Hügel der blutigen Augen: Wesley Earl Craven war Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor zahlreicher Horrorfilme. In diesem Genre zählt der US-Amerikaner zu den wohl bedeutendsten Regisseuren überhaupt – sein Werk hat den Horror nachhaltig beeinflusst.

In seinen Filmen ist es meist eine Gruppe von Unschuldigen, die in einen Hinterhalt und damit in die Hände von sadistischen Mördern gerät. Gewalt in Cravens Filmen hat immer eine realistische Form, wird nicht abgeschwächt oder ins Übertriebene geführt. Anders als bei Tarantino beispielsweise.

Auch als Schauspieler war Wes Craven immer wieder zu sehen. Beispielsweise in Scream und Scream 2, aber auch in der Fernsehserie Castle und in Paris, je t’aime.

Am 30. August 2015 starb Craven mit 76 Jahren an einem Hirntumor.

Ben E. King

Der für den Klassiker „Stand By Me“ bekannte Soul-Sänger Ben E. King ist Ende April 2015 im Alter von 76 Jahren gestorben. Sein kommerziell größter Erfolg, „Stand By Me“, steht an vierter Stelle der meistgespielten Songs im US-Radio und -Fernsehen im 20. Jahrhundert.

Anita Ekberg

In den 1950er Jahren galt Anita Ekberg als Sexsymbol. Am 11. Januar 2015 ist das Fotomodell aus Schweden mit 83 Jahren gestorben.

1950 wurde Anita Ekberg zur Miss Schweden gewählt – in der Folge spielte die schöne Schwedin in mehreren Filmen mit, darunter Der gelbe Strom und Krieg und Frieden. Zu ihren großen Erfolgen gehörte auch Fellinis La Dolce Vita, in dem sie eine Badeszene im Trevi-Brunnen hat.

Zu sehen ist sie außerdem in Fellinis Intervista sowie an der Seite von Frank Sinatra und Dean Martin in der Western-Komödie Vier für Texas.

Hellmuth Karasek

Für ZDF-Kulturchef Peter Arens war Karasek süchtig: „süchtig nach Literatur und süchtig nach dem Disput, gerne kontrovers, aber immer vermittelnd, gerne auch humorvoll – ein in jeder Hinsicht engagierter Kulturvermittler eben“. Bundespräsident Joachim Gauck sagte: „Ohne ihn wäre das literarische Leben in unserem Land sehr viel ärmer – und erheblich langweiliger.“

Karasek war ein kultureller Tausendsassa: Journalist, Kritiker, Moderator, Romancier, Dramatiker. Und er liebte das Publikum. Selbst nachdem das „Literarische Quartett“ nach 77 Folgen eingestellt wurde, tauchte er immer wieder auf dem Bildschirm auf, was ihm bisweilen Kritik einbrachte.

Im September 2015 starb Hellmuth Karasek im Alter von 81 Jahren in Hamburg.

Terry Pratchett

Seine Scheibenwelt-Romane sind in 37 Sprachen übersetzt. Sir Terence David John Pratchett, kurz Terry Pratchett, war einer der bekanntesten Fantasy-Autoren überhaupt. Der Brite hat weltweit rund 85 Millionen Bücher verkauft.

Die flache Scheibenwelt, auf der Pratchetts berühmteste Romane spielen, wird von vier Elefanten getragen. Die stehen wiederum auf dem Rücken einer Riesenschildkröte, die durch das Weltall rudert. Es handelt sich, wie man schon an der Grundidee sehen kann, also nicht um reine Fantasy-Romane. Zusätzlich parodiert Pratchett darin Science-Fiction-Motive.

Mit Terry Pratchett ist ein Schriftsteller gestorben, der sich nicht in eine Schublade stecken lässt – ein humorvoller Autor mit einem ausgeprägten Interesse an Orang-Utans. Nicht nur die Fans werden ihn vermissen. Im März 2015 ist er in Buckinghamshire mit 66 Jahren gestorben.

Karl Moik

Er war der Moderator des Musikantenstadl: Karl Moik ist im März 2015 mit 76 Jahren in Salzburg gestorben.

Zuletzt war Karl Moik eher als Schauspieler zu sehen – in Tatorten beispielsweise. 2003 war er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Linz ausgezeichnet worden, außerdem erhielt er für seine Verdienste für Österreich 2004 den Berufstitel Professor verliehen. Außerdem durfte Karl Moik zweimal die Krone der Volksmusik mit nach Hause nehmen.

Leonard Nimoy

Als spitzohriger Halbvulkanier Mr. Spock in der Kult-Serie „Raumschiff Enterprise“ gelangte Leonard Nimoy zu Weltruhm – im Februar 2015 ist der US-Schauspieler im Alter von 83 Jahren gestorben.

Generationen von „Raumschiff Enterprise“-Fans (Originaltitel: „Star Trek“) behalten Nimoy vor allem als Mr. Spock im Gedächtnis. Seit 1966 schlüpfte er in zahlreichen Fernsehfolgen und Kinofilmen in die Rolle des wissenschaftlichen Offiziers auf der „USS Enterprise“. Allerdings schien es Nimoy auch zu bedrücken, dass er oft auf seine Auftritte in der Science-Fiction-Serie reduziert wurde. Eine 1977 erschienene Autobiographie nannte er „Ich bin nicht Spock“.

Trotzdem, hier ist er noch einmal in seiner bedeutendsten Rolle:

Isabel Ammer
Veröffentlicht von Isabel Ammer