Texte auf Bairisch: Mathias Kellner pflegt die Mundartmusik

Sie singen uns aus der Seele. Von Liebe und Sehnsucht. Von Freudentaumel und ganz normaler Unzulänglichkeit. Und sie tun es mit ihren ganz eigenen Worten, in ihrer Muttersprache, im Dialekt: Mundartkünstler wie Mathias Kellner. Der 31-Jährige verfasst seine Texte in breitestem Niederbairisch.

Dass Musik mit bairischen oder auch österreichischen Versen seit einiger Zeit zunehmend an Beliebtheit gewinnt, hat für den 31-Jährigen einen einfachen Grund: „Die Leute wollen etwas verstehen. Sie wollen Künstler sehen und hören, die genauso denken wie sie, die vielleicht sogar aus dem gleichen Eck kommen.“

Im Fall Kellner ist das ein kleines Örtchen nahe Straubing. Seine Kindheit und Jugend in der niederbayerischen Dorfidylle sind das Thema seiner Songs. Die Rivalität mit den halbstarken Jünglingen aus der Nachbarortschaft. Die erste Liebe, der erste Liebeskummer. Das Bushäusl, in dem mit den Kumpels alle Lebenslagen durchgekaut wurden – oder auch nicht. Männer eben. Die reden nicht viel. Und bayerische Männer sowieso nicht. Das weiß-blaue Lebensgefühl? „I kenns ned. I schatz i mogs ned“, fasst Kellner mit einem amüsierten Augenzwinkern zusammen.

Sich selbst ernst, aber nicht zu ernst nehmen. Das kommt an bei den Leuten. „Viele wollen Traditionen weiterführen. Aber nicht, indem sie an Altem festhalten, sondern indem sie die Tradition ins neue Jahrtausend transportieren“, sagt Kellner. Als Spiegel dieser Philosophie funktioniert die Musik. LaBrassBanda, die Blasmusikkombo um Trompeter Stefan Dettl, ist für den Niederbayern das beste Beispiel. „Die spielen auch in England und keiner findet das komisch.“

Seiler und Speer, Wanda, Bilderbuch: Auch die österreichische Mundartwelle erstreckt sich bis nach Bayern und findet Fans. Kaum jemand, der bei der Ehestreithymne „Ham kummst“ von Christopher Seiler und Bernhard Speer nicht mindestens den Refrain mitsummen kann. Die launige Selbstironie in Melodie und Text ist das, was Künstler dies- und jenseits der Alpen verbindet. Die neue Generation Mundartmusiker singt nicht mehr von Alpenrauschen und Bergseeidylle. Sie singt lieber von der Steuererklärung. „Die Texte sind nicht mehr so klischeebehangen, das finde ich sehr angenehm“, sagt Kellner.

Davon, dass es für seine Songs „ein Publikum gegeben hat, dass total scharf darauf war, etwas auf bairisch zu hören“, sei er dennoch überrascht gewesen. „Da war ich mir erst nicht so sicher, weil meine Musik nicht tanzbar ist, keine Partymusik.“ Und überhaupt: Mit seiner Band Kellner macht der Niederbayer eigentlich englischsprachige Rockmusik. Die Rückkehr zur Muttersprache sei eine Entwicklung gewesen, die etwas gedauert habe. „Bei meiner ersten Band – da war ich vielleicht zwölf – war es unheimlich uncool, auch nur auf Deutsch zu singen.“ Erst viel später hat Kellner einen bairischen Text geschrieben. Der wanderte allerdings für Jahre in eine Schublade. Irgendwie waren es irgendwann genug Songs für ein Album, 2014 erschien Kellners erste Mundartplatte „Hädidadiwari“.

Haindling, Fredl Fesl und die Spider Murphy Gang – „Mundartkünstler hat es früher schon gegeben. Das Interesse war nur nicht so groß wie jetzt“, meint der Niederbayer. Zwischen Neil Young und englischen Oldies kam ab und an ein Lied von STS im Radio. Das fand er dann super, sagt Kellner. „Für mich waren diese Künstler immer Paradiesvögel.“ Musikalisch beeinflusst hätten sie ihn schon. Prägend für seinen Stil seien sie aber nicht gewesen. „Beim Texten und Komponieren befreie ich mich von äußern Einflüssen und versuche, mein eigenes Ding zu machen.“

Was ist die Inspiration ist für Lieder wie „B 20“ – eine Ode an die marode Bundesstraße seiner Heimat – oder „Bushäusl“ – die besagte bayerische Kindheit verpackt in drei Minuten? „Das Leben.“ Das gehe morgens nach dem Aufstehen schon los, erzählt der 31-Jährige. „Was ich unheimlich gern tue, ist Menschen im Alltag beobachten.“ So könne denn auch ein Besuch beim Metzger ein Mannigfaches an Geschichten liefern. „Ich glaube nicht, dass mir in absehbarer Zukunft die Themen ausgehen werden.“

Kathrin Schmied
Veröffentlicht von Kathrin Schmied