„Das Erwachen der Macht“

Die Weltraum-Saga geht weiter: Am Donnerstag feiert „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ Weltpremiere.

Filmkritik von Isabel Ammer

Auch wenn manche Helden ein bisschen gealtert sind – der neue „Star Wars“-Film ist eine explosive Mischung: Komplizierte Familienbande, Spannungen zwischen Charakteren und stärkere Waffen denn je bestimmen den siebten Teil. Dazu kommt viel Nostalgie. Vielleicht sogar eine Spur zu viel Nostalgie, denn J.J. Abrams traut sich in dem Film nicht wirklich weit nach vorne. Der alte Kampf zwischen Gut und Böse flammt im „Erwachen der Macht“ wieder auf und er wird von den altbewährten, inzwischen etwas betagten Kämpfern gemeinsam mit jungen Revolutionären ausgefochten. Dabei kann alles passieren – und vor allem: Alles kann in die Luft fliegen. Weder Raumschiff noch Sanddüne sind vor spektakulären Explosionen gefeit. Hauptfigur des Films ist eigentlich ein kleiner Kugel-Droide namens BB8, der durch so gut wie jede Szene rollt, weil er sehr wertvolle Informationen mit sich trägt – nebenbei bringt er das Kinopublikum auch gerne mal zum Lachen, wenn er so manche Situation mit seinen unnachahmlich treffenden Piep- und Pfeiflauten untermalt. Begleitet wird er meist von einer jungen Schrotthändlerin, die die Männer um sie herum ganz schön alt aussehen lässt – und zwar nicht nur Harrison Ford, sondern auch die, die altersmäßig eigentlich noch jung wären. Sie ist clever, kann klettern und kennt sich besser mit Han Solos Schiff und seinen Macken aus, als Han Solo selbst. Meistens jedenfalls. So komisch manche Szene auch ist, der Film birgt Kontraste – und auch in der Pressevorführung am Dienstag sind schon einige Tränchen gerollt und Taschentücher verschneuzt worden. Warum, das soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden – aber wie so oft bei „Star Wars“ hat es etwas mit Familienbanden zu tun. In jedem Fall ist der Film ein kurzweiliger Zeitvertreib und ein Wiedersehen mit altbekannten Freunden, aber auch neuen, vielversprechenden Gesichtern. Am Ende von „Das Erwachen der Macht“ bleiben noch viele Fragen offen, wie schon nach den Trailern vorab. Es gibt also genug Spielraum für Teil acht.

Mit „Das Erwachen der Macht“ kommt jetzt aber erst einmal am 17. Dezember ein sehnsüchtig erwartetes neues Abenteuer der „Star Wars“-Reihe in die deutschen Kinos.

Ein Raumschiff feuert in dem neuen Kinofilm Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger seine Laserkanonen ab (Szenenfoto).

Hintergründe von Sebastian Hofmann

Nicht nur die Fans der bislang sechsteiligen Saga werden diesem Datum entgegenfiebern. Auch Neu-Eigner Disney, der vor drei Jahren die produzierende Firma Lucasfilm für geschätzt vier Milliarden Dollar erstanden hat, wartet darauf, dass die Gelddruckmaschine richtig anläuft. Immerhin, mit dem ersten Kartenvorverkauf hat der Hollywood-Gigant bereits 6,5 Millionen US-Dollar verdient – und das nur bei den Imax-Kinos in Nordamerika. Regie-Legende Steven Spielberg orakelte unlängst, „Star Wars VII“ werde der erfolgreichste Film aller Zeiten.

Vielen „Star Wars“-Freunden weltweit stehen wegen Disney allerdings Sorgenfalten auf der Stirn. Sie befürchten, dass der Konzern der siebten Episode um die Familie Skywalker seinen kommerziellen Stempel aufdrücken könnte. Leicht wird es das neue Abenteuer von Han Solo, Luke Skywalker und Co. ohnehin nicht haben – denn die Anhängerschaft ist gespalten. Die sogenannten Prequels, die Episoden eins bis drei, liefen zwischen 1999 und 2005 in den Kinos. Sie erzählen die Vorgeschichte zu den Klassikern „Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, die zwischen 1977 und 1983 zu sehen waren. Viele Kinozuschauer haben George Lucas, dem Schöpfer all jener Stunden in einer weit, weit entfernten Galaxie, den Vorwurf gemacht, schon mit der zweiten Trilogie vom Weg abgekommen zu sein. Während das Erstlingswerk und seine beiden Nachfolger auf handgemachte Effekte, aufwendige Kostüme und mit viel Wortwitz ausgefeilte Dialoge gesetzt hatten, kamen „Die dunkle Bedrohung“, „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“ zu großen Teilen aus dem Computer.
Es gebe zu viel Politikgeplänkel, der ursprüngliche Humor sei verloren, die Verwandlung Anakin Skywalkers zum Bösewicht Darth Vader sei nicht glaubhaft – die Liste der Vorbehalte ist lang. Gerade deshalb geht Disney seit Monaten in die Gegenoffensive. „Chewie, wir sind zu Hause“, sagt Harrison Ford in seiner Rolle als Schmuggler Han Solo in einem der bislang veröffentlichten Trailer. Es ist wohl auch der Wunsch der „Star Wars“-Fans erster Stunde, dass sie sich am Ende des Kinobesuches so fühlen – wieder zu Hause.

Inhaltlich ist über „Das Erwachen der Macht“ bislang so gut wie nichts bekannt. Der Film knüpft an Episode sechs aus dem Jahr 1983 an, „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Die Recken der alten Filme werden dabei sein, sollen aber nicht mehr die tragenden Rollen haben, sondern die Geschichte einer neuen Generation vorantreiben.

Der Mann hinter „Star Wars VII“ ist ein ausgemachter Geheimniskrämer. Er heißt Jeffrey Jacob Abrams, genannt J.J., und hat nicht nur Regie geführt, sondern auch am Drehbuch mitgeschrieben – zusammen mit Lawrence Kasdan. Der hatte seinerzeit mit dem Drehbuch zu „Das Imperium schlägt zurück“ den – aus Sicht vieler Fans – besten und beliebtesten „Star Wars“-Film geschrieben. Abrams gilt in der Szene als verständnisvoller Chef und akribischer Arbeiter mit einem Hang zur Detailverliebtheit – und Blendeffekten. Die, so hat der 49-jährige gebürtige New Yorker verlauten lassen, wird es im aktuellen „Star Wars“-Teil aber nur selten zu sehen geben.

Kurze Einblicke in den neuen Film gibt es. In einem Videoclip, der die Dreharbeiten dokumentiert, kommen die Stars der alten Garde zu Wort. So ist der Hüne Peter Mayhew zu sehen, wie er, auf dem Co-Piloten-Sessel des „Millenium Falken“ sitzend, seine Chewbacca-Maske abnimmt und sagt: „Wir machen es wieder so wie früher. Wie wir es schon immer gemacht haben.“ In die gleiche Kerbe lassen Abrams und die Disney Werbemaschinerie auch Luke Skywalker-Mime Mark Hamill schlagen: „Alles ist unverändert. Ich meine, alles hat sich verändert, aber es hat sich nichts verändert. So will man es haben.“ Wenig sagende Worte, die aber die Tendenz klar vorgeben: zurück zum Ursprung, weg von allem Ungeliebten.

Das wenige vorab veröffentlichte Filmmaterial zu „Das Erwachen der Macht“ verrät, dass „Star Wars“ bei sich selbst abkupfert. Angefangen bei Bösewicht Kylo Ren (Adam Driver), der großer Darth Vader-Verehrer ist und sich auch wie sein Idol kleidet: Schwarzer Kapuzenumhang und Rüstung, eine dunkle Maske verhüllt das Gesicht, durch die seine Stimme wie bei Vader verzerrt und mechanisch klingt. „Nichts wird uns im Weg stehen. Ich werde beenden, was Du begonnen hast“, verkündet er. Der Parallelen nicht genug: So soll die „Erste Ordnung“, die Nachfolgeorganisation des Galaktischen Imperiums, eine Waffe besitzen, die ganze Planeten auslöschen kann. Diese „Starkiller Base“ ist auf dem Filmplakat bereits zu sehen. „Star Wars“-Fans werden bei ihrem Anblick unwillkürlich an die Todessterne aus den Episoden vier und sechs denken müssen.

Neben den alten Kämpfern Han Solo (Harrison Ford), Luke Skywalker (Mark Hamill) und – früher Prinzessin, jetzt General – Leia (Carrie Fisher) werden
auch die Droiden C-3PO (Anthony Daniels) und R2-D2 (Kenny Baker) wieder zu sehen sein. Letztgenannter Astromech hat mit BB-8 bereits einen im Internet sehr beliebten Nachfolger und Konkurrenten erhalten. Daneben wartet der Film mit zwei Stars auf: Motion-Capture-Pionier Andy Serkis – bekannt als Gollum aus der „Herr der Ringe“-Trilogie – schlüpft in die Rolle des Supreme Leaders Snoke, Anführer der „Ersten Ordnung“. Mit dem 86-jährigen Schweden Max von Sydow ist zudem ein Veteran als Lor San Tekka zu sehen.

Was die Hauptrollen betrifft, so geht „Das Erwachen der Macht“ einen für „Star Wars“ typischen Weg: Das junge Trio der Guten dürfte der breiten Masse der Kinogänger noch unbekannt sein. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley), Widerstands-Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) und der fahnenflüchtige Sturmtruppler Finn (John Boyega). Finn ist es, der im Film ein blaues Lichtschwert schwingt. Dabei soll es sich um jene Waffe handeln, die Luke Skywalker im Duell mit seinem Vater Darth Vader verloren hat. Bösewicht Kylo Ren will dieses Lichtschwert unbedingt in seinen Besitz bringen.

„Star Wars“ in Ingolstadt – von Thorsten Stark

Auch in Ingolstadt bereiten sich die „Star Wars“-Fans auf den Start des neuen Films vor.

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Gut ausgerüstet: Star Wars-Fan Werner Rumpf aus Wettstetten hat sich als Jedi-Ritter verkleidet - allerdings nur für dieses Foto. Zur Deutschland-Premiere des neuen Star Wars-Films in Berlin wird er ohne Verkleidung erscheinen.

Einige Fans werden sicher wieder verkleidet im Kino erscheinen. „Die kommen von ganz alleine so“, sagt Wolfgang Schick, Geschäftsführer der Altstadt-Kinos. Er werde deswegen weder einen Kostümwettbewerb ausrufen, noch ein Rahmenprogramm anbieten. „Da steht der Film im Mittelpunkt“, sagt er. „Die Leute freuen sich eh schon genug.“

Auch Schick ist gespannt auf den Film, dessen Inhalt er wie alle anderen noch nicht kennt. „Die Verleihfirma Disney hat da den Deckel drauf“, erklärt er. Und die wenigen, die den Film schon vorab sehen konnten, seien durch Knebelverträge zum Schweigen verdammt.

Weniger zufrieden sind einige Kinobetreiber mit der Preispolitik der Verleihfirma Disney. Im Sommer hatten rund 700 Kinos den Disneystreifen „Avengers 2“ wegen der plötzlich erhöhten Filmmiete boykottiert, vor dem „Star Wars“-Start erklärten einige kleinere Kinos den Verzicht auf den Film. Wolfgang Schick äußert sich zu der Preispolitik diplomatisch: Disney habe eben gewisse Vorgaben. Schick zeigt den Film im Cinema in einem Saal. Zur Vorpremiere um 0.01 Uhr dürfte es sogar noch einige Karten geben, glaubt er.
Ebenso wie im Cinestar. „Da wir beizeiten zusätzliche Säle eingeplant haben, haben wir tatsächlich noch in größerem Umfang Karten“, sagt Theaterleiterin Manuela Metzdorf. Dort startet „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“, wie der volle Filmtitel heißt, um 0.01 Uhr gleich in drei Sälen, in zweien auf Deutsch, in einem Saal in der Originalsprache. Um 0.15 Uhr gibt es eine weitere Vorstellung. Allein 540 Karten sind – Stand 15. Dezember – für diese Vorstellungen verkauft worden.

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Auch im Cinema rüstet man sich für den Ansturm der Fans. Die Mitarbeiter Johannes Keller und Lisa Emmerich halten das Filmplakat hoch.

Sie hätte sich gerne mit ins Kino gesetzt, sagt die Theaterleiterin. „Ich bin ein riesiger Fan. Ich bin damit aufgewachsen, habe alle Bücher gelesen und besitze die Filme in diversen Editionen.“ Aber in dieser Nacht müsse sie sich um die Kinogäste kümmern.

Isabel Ammer
Veröffentlicht von Isabel Ammer