Spurensuche am ehemaligen Flughafen München-Riem

Dort, wo einst Flugzeuge über das Vorfeld gerollt sind und Passagiere mit ihrem Gepäck durch die Schalterhalle geschlendert sind, laufen heute Geschäftsleute mit Smartphones am Ohr durch die Straßen und junge Eltern schieben Kinderwagen vor sich her. Am 16. Mai 1992 wurde der Flughafen Riem geschlossen. Heute erinnert nicht mehr viel an den alten Flughafen. Eine Spurensuche.

Video: Ein Rundgang durch Riem

In den vergangenen 25 Jahren hat sich in Riem so einiges geändert: Wer heute durch das Viertel spaziert, muss teilweise genau hinschauen, um noch Überreste des Flughafens zu entdecken. Messegelände, Büroflächen, Einkaufszentrum, Wohngebiet für mehr als 10.000 Menschen und viel Grün und Naherholungsgebiet: Die Flugzeuge, Piloten und Stewardessen sind ins Erdinger Moos umgezogen, der Flughafen verschwand Stück für Stück. Wie es in Erding im Steilflug nach oben ging, können Sie hier nachlesen.

Der neue Flughafen München wurde am 17. Mai 1992 in Betrieb genommen. Einer der Gründe für den Umzug von Riem nach Erding war, dass der alte Flughafen aufgrund seiner Nähe zur Münchner Innenstadt nicht mehr erweitert werden konnte.

Im Gegenzug entwickelte sich das Gelände über die vergangenen Jahre zu einem neuen Stadtviertel.

Auf den Spuren des Flughafens

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Wer heute in der Messestadt Riem unterwegs ist, kann den ehemaligen Tower des Flughafens Riem kaum übersehen. Früher bildete er das Zentrum des Flughafens. Foto: Melissa Ludstock

Mehr als 40 Jahre lang starteten von Riem aus Flieger in die ganze Welt. Eröffnet wurde der Flughafen im Jahr 1939. Das goldene Zeitalter der Luftfahrt kehrte in den 1950er Jahren auch in Riem ein: Die Fluggesellschaften Pan Am und KLM nahmen Flüge von Riem in die USA und in europäische Städte auf.  Auch die Lufthansa flog  ab 1955 von Riem.

Der Flughafen wuchs in den darauffolgenden Jahren rasant: Zählte Riem im Jahr 1962 bereits mehr als eine Million Passagiere, waren es nicht einmal zehn Jahre später bereits mehr als vier Millionen Fluggäste.

Mittelpunkt des Flughafens waren die Wappenhalle und der Tower im Zentrum des Geländes. Hier der Vergleich zu heute:

Der Tower

Der 35 Meter hohe Tower wurde 1995 unter Denkmalschutz gestellt. Heute nutzt das Medizinunternehmen Brainlab das Gelände – inklusive Tower. Rund um den Tower ist in den vergangenen Jahre der neue Firmensitz des Unternehmens entstanden.

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Das Gelände rund um den Tower wird heute von einem Unternehmen genutzt - inklusive Tower. Foto: Melissa Ludstock

Dann soll auch wieder Leben in das Gebäude ziehen: Unter anderem Räume für Mitarbeiter sollen dort entstehen – mit einem einmaligen Ausblick über München. Und das, nachdem das Gebäude fast 25 Jahre leer stand.

In Riem darf übrigens nicht höher als 20 Meter gebaut werden – und damit nicht höher als der altehrwürdige Tower.

Die Wappenhalle

Die sogenannte Wappenhalle war die Empfangshalle des Flughafens und wurde 1939 erbaut. Dort fand auch die Passagierabfertigung statt. Neben dem Tower ist die Halle das einzige Gebäude, das vom alten Flughafen erhalten geblieben und damit bis heute sichtbar ist.

Die Halle wurde ebenfalls 1995 unter Denkmalschutz gestellt und dient heute als Eventlocation. Sie ist zudem Teil eines Business-Centers mit Büroflächen und Konferenzräumen.

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Die Wappenhalle wurde als Empfangshalle genutzt und erinnert an vergangene Zeiten. Foto: Melissa Ludstock

Dort wo einst Koffer aufgegeben und Tickets ausgestellt wurden, finden heute Bankette, Preisverleihungen und Konferenzen statt. Den Bereich um die Wappenhalle erkennt man kaum wieder: statt Flugzeuge, die über das Vorfeld rollen, stehen dort heute Bürogebäude. Der freie Blick auf die Wappenhalle ist noch heute möglich.

Weitere Orte sind heute nicht mehr derart gut erhalten. Nach und nach verschwanden die Gebäude des Flughafens. Bis 1996 wurde das Gelände als Kulturzentrum genutzt. Der Rückbau des Flughafens wurde 1998 abgeschlossen.

Vom Flughafen zum neuen Stadtteil

Wer heute in Riem unterwegs ist, dem fallen Tower und Wappenhalle auf. Doch auch abgesehen von diesen beiden Gebäuden stößt man immer wieder auf Stücke und Orte, die an den früher gut 500 Hektar großen Flughafen erinnern. In einer der zahlreichen Wiesen hat das Abflug-Schild des Flughafens einen neuen Platz gefunden.

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Foto: Melissa Ludstock

Straßennamen erinnern an die ursprüngliche Funktion des Ortes. Und ein Blick die Straße herunter lohnt sich immer, denn Riem zeichnet sich heute durch lange, parallel verlaufende Straßen aus.

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Blick durch die Wohnhäuser: Die Wappenhalle des ehemaligen Flughafens ist auch heute noch allgegenwärtig in Riem. Foto: Melissa Ludstock
Riem, das ist Heimat. Eine Anwohnerin, die seit 16 Jahren in Riem lebt.

Riem ist heute ein besonders grüner Stadtteil Münchens. Einer der Gründe: 2005 fand hier die Bundesgartenschau statt. Davon haben die Riemer auch heute noch etwas. Sie können den damals angelegten Landschaftspark Riem oder den Buga-See nutzen. Die Grünflächen schließen direkt an die Wohnsiedlungen an.

An die Münchner Innenstadt ist Riem über die U-Bahn angeschlossen. Und direkt an der Station Messestadt-West befindet sich ein weiteres Wahrzeichen des Stadtteils: die Riem Arcaden, ein großes Einkaufszentrum, das nicht nur die Riemer selbst nutzen.

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Die Messe München befindet sich heute in Riem. Foto: Melissa Ludstock

Geschichte, die vor sich hin schlummert

Nicht alle Orte, die vom Flughafen erhalten geblieben sind, werden heute auch entsprechend präsentiert. Ein Beispiel dafür ist die Zuschauertribühne des Flughafens.

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Die Zuschauertribühne am Rande von Riem ist einsturzgefährdet und eingezäunt. Foto: Melissa Ludstock

Allerdings ist diese seit 2008 mit einem Bauzaun abgesperrt, da die Tribühne baufällig und einsturzgefährdet  ist. Der Kopfbau wurde im Rahmen der Buga modernisiert und kann heute für Veranstaltungen gemietet werden. Auch die Tribühne steht seit 1995 unter Denkmalschutz. Was die Zukunft für dieses Bauwerk bringt, wird in München aktuell diskutiert.

Melissa Ludstock
Veröffentlicht von Melissa Ludstock
Hat im Oktober 2015 ihr Volontariat beim Donaukurier begonnen, ist seit April 2017 Online-Redakteurin. Dreht und schneidet am liebsten Videos, mag lokale Geschichten und ist gerne vor Ort, um zu berichten. Ihre Geschichten findet die Neu-Ingolstädterin nicht nur auf Twitter, Youtube und Co., sondern auch unterwegs.