Leben ohne Plastik: Nur zwei gelbe Säcke im Jahr

Manuela und Patrick Scharl aus Pfaffenhofen haben vor fünf Jahren damit begonnen, ihren Plastikmüll drastisch zureduzieren. Weniger Plastik, damit das klappt, haben sie viele alltägliche Gewohnheiten geändert. Trotzdem fühlt sich diese Lebensweise für die beiden 26-Jährigen nicht nach Verzicht an. Ein Besuch im Haushalt des Paars.

Im Wohnzimmer laden ein Sofa und ein großer Esstisch zum Verweilen ein. E-Gitarre und Verstärker in einer Ecke zeugen davon, dass hier offenbar ein Musikliebhaber lebt. Zwei Wellensittiche trillern den Besuchern entgegen. Dass in diesem Haushalt einiges ganz anders läuft als in einem durchschnittlichen Zuhause, sieht man dem Zimmer nicht an. Die Küche lässt es schon eher erahnen: Kekstüten oder Konservendosen sucht man hier vergeblich. Stattdessen stehen viele wiederverwendete Einmachgläser in den Schränken, mit Bohnen, Kichererbsen und Nudeln gefüllt.

Vergrößern

DSC_1159
Kampf der Müllflut: Aus der Küche von Patrick und Manuela Scharl aus Pfaffenhofen sind Einwegverpackungen fast komplett verschwunden - während in der Region die Berge aus Gelben Säcken immer weiter wachsen. Foto: Poese

Diese Wohnung in Pfaffenhofen ist das Reich von Patrick und Manuela Scharl. Die beiden 26-Jährigen versuchen seit einigen Jahren, weniger Plastikmüll zu erzeugen. Das erfordert viel Nachdenken. Denn Kunststoffe verbergen sich im Alltag fast überall. Allein auf dem Weg vom Aufstehen bis zum Arbeitsplatz kommen die meisten Menschen schon mit vielen Plastikprodukten in Kontakt, die sie später wieder wegwerfen: Die Zahnbürste, die Shampooflasche, Creme-Tuben, die Müslitüte, der Coffee-to-go-Becher. All diese Gegenstände auf Erdölbasis sind im Alltag nahezu unverzichtbar geworden. Das sehen Manuela und Patrick Scharl anders. Ein Aha-Erlebnis brachte für sie der Umzug in ihre neue Wohnung vor fünf Jahren. 20 Parteien teilen sich in ihrem Haus die Mülltonnen. Und die waren meistens schon voll, wenn das junge Paar seine Abfallbeutel loswerden wollte. „Dann haben wir überlegt: Wie viel Müll machen wir eigentlich?“, erzählt Manuela Scharl.

Das war der Beginn eines schleichenden Prozesses, der den Haushalt der Pfaffenhofener ordentlich umkrempeln sollte. Angefangen hat es mit einem „Bitte keine Werbung“-Schild am Briefkasten. Heute experimentiert Manuela Scharl mit der Herstellung eigener Zahnpasta. „Du bist nah dran“, sagt Patrick Scharl zu seiner Frau. Solange die Eigenkreation noch nicht ganz zufrieden stellt, gibt es eben weiterhin Zahnpasta in Plastiktuben – alltagstauglich muss das Ganze bleiben, das ist dem Paar wichtig.

Vergrößern

Download
Foto: AFP

Denn gerade im Badezimmer ist der Verzicht auf Kunststoffe gar nicht so einfach. „Ich habe noch einen Deo Roller und eine Tube Gesichtscreme“, gesteht Patrick Scharl. Trotzdem: „Egal, was man macht, um Plastik zu vermeiden, es ist gut, auch jede Kleinigkeit“, findet der 26-Jährige. Dass kleine Schritte etwas bewegen, zeigt die Müllbilanz des Paares: Während der Verpackungsmüll in Deutschland immer mehr wird, haben die Scharls ihren Abfall auf zwei Gelbe Säcke im Jahr reduziert. Auch in die Restmüll- und Papiertonne werfen sie viel weniger als früher. „Es geht darum, mitzudenken“, erklärt Patrick Scharl. Die treibende Kraft beim Plastikverzicht war am Anfang seine Frau, inzwischen ist er selbst infiziert davon.

Viel bewegen könne man, indem man sich den Müll gar nicht erst nach Hause hole: „Beim Einkaufen das Hirn einschalten und nicht einfach nur das Zettelchen ablaufen.“ Der Besuch im Supermarkt wird dadurch ein wenig komplizierter. Drei Paprika in Folie verpackt sind billiger als die lose Alternative – normalerweise greift man da zum günstigeren Angebot. Wenn man das Gemüse stattdessen einzeln kauft, schlägt man nach dem Scharl’schen Einkaufsprinzip aber gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Man produziert keinen unnötigen Müll und kauft auch nicht zu viel – denn Lebensmittelverschwendung ist dem Paar ebenfalls ein Dorn im Auge. So sind die beiden 26-Jährigen vom Plastik auf viele weitere Themen rund um Umweltschutz und einen schonenden Umgang mit Ressourcen gekommen. „Es tangiert schon sehr viel“, meint Patrick Scharl.

Wenn man einmal damit angefangen habe, komme man schnell zu der Frage: Wie konsumiere ich? Dabei geht es nicht nur ums Einkaufen, sondern auch um den sparsameren Umgang mit Strom, Heizung oder Wasser. Weiterdenken funktioniert auch bei Getränken: Plastikflaschen sind im Hause Scharl schon lange tabu. Inzwischen gibt es aber gar kein gekauftes Wasser mehr, sondern „gutes Leitungswasser aus Pfaffenhofen“, wie Patrick Scharl sagt. Eine Ausnahme bleibt: „Er kann nicht ohne Cola“, verrät Manuela Scharl über ihren Mann. Also kauft er sich eben ab und zu seine geliebte koffeinhaltige Limonade.

Das ist nicht selbstverständlich. Denn viele Anhänger der Zero Waste-Bewegung, die ähnlich wie die Scharls ihren Müll reduzieren wollen, gehen dabei aufs Ganze. „Die wollen das hundert Prozent oder gar nicht“, sagt Manuela Scharl. Einige dieser Zero-Waster veröffentlichen ihre Erfahrungen mit einem plastikfreien Leben im Internet. Das Paar aus Pfaffenhofen ist nicht so radikal wie viele aus der Szene, die beiden nutzen die Tricks aber gern zur Inspiration. „Man muss sich nicht mehr stressen als nötig, und kann trotzdem seinen Beitrag leisten“, meint Patrick Scharl. „Es sagt immer jeder: ,Wenn nur ich was mache, bringt es ja nichts’.“ Diesen gängigen Denkfehler wollen die beiden Pfaffenhofener überwinden und trotzdem keine Öko-Besserwisser sein. „Wir wollen niemanden belehren“,sagt Manuela Scharl. Wenn sich aber jemand von ihnen inspirieren lassen möchte, ist das den beiden 26-Jährigen natürlich recht.

Unverpackt in Ingolstadt Einkaufen

Drei junge Männer, eine Frau und ein mutiges Vorhaben: Mit ihrer Firma „nurINpur“ möchten Simon Stapf, Andreas Kuhn, Jan Lechky und Barbara Cremerius in Ingolstadt noch in diesem Jahr den ersten verpackungsfreien und nachhaltigen Supermarkt eröffnen. Räume für ihr Geschäft haben die Gründer bereits gefunden – gut erreichbar an der Münchener Straße 55. Die ursprünglich für Herbst geplante Eröffnung musste jedoch verschoben werden, weil es wegen einer EU-Vorschrift Probleme mit den Gefäßen für den Laden gab.“Wir produzieren jetzt selber Gläser, aber das kostet Zeit“, sagt Simon Stapf. Um Kapital für ihr Projekt zu beschaffen, setzen die Gründer auch auf Crowdfunding im Internet: Auf der Homepage www.nurINpur.de können sich Sponsoren anmelden. „Wir haben uns 22.000 Euro als stolzes Ziel gesetzt“, sagt Simon Stapf. „Auf diese Weise können wir auch sehen, ob Interesse an unserem Projekt besteht.“ Insgesamt braucht „nurINpur“ für den Start rund 100.000 Euro.

Stapf und seine Partner gehen alle noch ihrer Arbeit nach. Parallel dazu ein Unternehmen aufzubauen, erfordert ganzen Einsatz. Da ist zum Beispiel die Suche nach Lieferanten aus der Region – bestenfalls in Bioqualität: Ob es nun um Essiggurken oder Wurst in Gläsern geht – das Sortiment wird mit Bedacht gewählt. Bei „nurINpur“soll es alles geben: Nudeln, Reis und Hülsenfrüchte, Backwaren, Körner oder Trockenobst, Süßigkeiten wie Schokolade in Bruchstücken oder lose Gummibärchen, aber auch frische Ware wie Obst und Gemüse, Milch oder Joghurt sowie Duschgel, Waschmittel oder Toilettenpapier. „Fleisch bieten wir auf Vorbestellung an“, erklärt Stapf. Andreas Kuhn ist Jäger, der frisches Wild aus der Region liefern kann. Um beim Einkauf Zeit zu sparen, können Kunden im Internet vorbestellen, erklärt Stapf: „Wir füllen die Sachen ab, und man kann sich die Gläser oder Kiste bei uns abholen.“ Suzanne Schattenhofer

Die Zero-Waste-Bewegung

Dass der zunehmende Müll Probleme macht, hat sich inzwischen durchaus herumgesprochen. Einige haben beschlossen, darauf zu reagieren und ihren Lebensstil komplett umzukrempeln.

Diese Bewegung nennt man Zero Waste: englisch für „Null Müll“. Bea Johnson, Autorin des Buches „Zero Waste Home“, beschreibt die Grundprinzipien ihrer Lebensweise mit fünf Begriffen: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot. Die fünf englischen Verben ? Johnson lebt in den USA ? erklären, wie man Müll vermeidet: Unnötiges erst gar nicht einkaufen, also verweigern. Reduzieren, indem man sich fragt, ob man Abläufe im Haushalt nicht auch einfacher und mit weniger unterschiedlichen Materialien gestalten kann. Zero-Waste-Anhänger versuchen außerdem, ausrangierte Dinge für andere Zwecke wiederzuverwenden, zum Beispiel aus alten Bettlaken Putzlappen zu nähen. Und schließlich werden die Dinge, die dann noch übrig bleiben, zum Recycling gebracht oder kompostiert. Müll, der nicht wiederverwendbar ist, soll möglichst vermieden werden. Dafür muss man viele Abläufe im Haushalt ändern.

Die Bewegung ist international. Auch in Deutschland hat sie Anhänger. Viele von ihnen stellen ihre Erfahrungen mit einem müllreduzierten Alltag auf eigenen Internet-Blogs vor: So macht das zum Beispiel auch die Familie Färber aus Pfaffenhofen (www.plafpaf.de).

Meere voller Abfall

Wer am Strand spazieren geht, kann es selbst beobachten. Im Spülsaum findet sich neben Tang und Muschelschalen auch viel Unrat. 60 bis 80 ProzentdesMüllsindenMeerenbestehen laut wissenschaftlicher Studien wohl aus verschiedenen Kunststoffen. Die genauen Mengen festzustellen, ist schwierig. Denn was an den Stränden angespült wird, ist nur ein kleiner Teil. Viele Abfälle sinken außerdem auf den Meeresgrund. Schätzungen gibt es zu den Müllteppichen, die an der Wasseroberfläche treiben: Ein Modell geht von 5,25 Billionen Plastikteilen aus, eine neuere Studie vermutet sogar 50 Billionen. Die sehr unterschiedlichen Zahlen zeigen, wie ratlos man dem Problem noch gegenübersteht: Die Tragweite lässt sich bisher kaum abschätzen.

Vergrößern

Download1
Foto: AFP

Müll gelangt aus unterschiedlichen Gründen ins Meer: Er wird mit Abwässern angeschwemmt, von Touristen an der Küste weggeworfen und vom Wind ins Wasser geweht oder von Schiffen auf hoher See verklappt. Zu allererst wirkt sich das auf die Meeresbewohner aus. Im Magen von toten Seevögeln und Walen finden Forscher immer wieder unverdaulichen Plastikmüll: Die Tiere verhungern mit vollem Bauch. Auch für den Tourismus ist der sogenannte marine Abfall ein Problem. Badeorte müssen viel Geld investieren, um die Strände vom Unratzubefreien. Plastik ist dabei besonders hartnäckig: Kunststoffe können bis zu 450 Jahre überdauern.

Wie der Müll zurück auf den Teller kommt

Plastik macht nicht nur in Form von Tüten, Bechern oder Flaschen Probleme. Sogenanntes Mikroplastik ist fast unsichtbar, bereitet aber große Sorgen. Die Kunststoffteilchen von einer Größe unter fünf Millimetern entstehen, wenn Müll in den Meeren von Wind,Wellen und UV-Strahlung zerkleinert wird. Die Forschung zu Mikroplastik ist noch jung. Doch einige Studien haben bereits gezeigt, dass Fische und andere Meerestiere die Partikel aufnehmen – etwa wenn sie sie mit Plankton verwechseln. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass sich die Plastikteilchen in der Nahrungskette anreichern. Bei Fischen, die belastete Beutetiere fressen, bleiben die Partikel nicht nur in den Verdauungsorganen, sondern lagern sich auch in der Leber ab.

Mikroplastik Teilchen haben außerdem die Eigenschaft, dass sich Schadstoffe gut an sie binden können. Diese Gifte landen dann ebenfalls in Fisch und Meeresfrüchten–und schließlich auf unserem Teller. Welche Wirkung das auf die menschliche Gesundheit hat, ist noch völlig unklar. Übrigens ist nicht nur Müll der Übeltäter. Einige Kosmetikartikel enthalten ebenfalls Mikroplastik. Die kleinen Teilchen werden beigemischt, etwa um Cremes zähflüssiger zu machen. In einer Tube Peeling können bis zu 2,8 Millionen Kunststoffpartikel stecken. Die Filter in Kläranlagen sind darauf nicht ausgelegt und das Plastik gelangt in die Gewässer.

Recycling ist aufwendig

Der Verpackungsmüll in der Region wird immer mehr. So lautet die Einschätzung von Dieter Friedrich, Betriebsleiter der Entsorgungsfirma Büchl. Das liege unter anderem daran, dass mehr Lebensmittel, etwa Salatgurken, eine Verpackung verpasst bekommen. Friedrich beobachtet zudem, dass Unternehmen von Mehrwegsystemen auf Einwegsysteme umsteigen: „Je globaler die Lieferkette wird,desto höher wird der Anteil an Einwegverpackungen.“ Mehr werde auch der Kartonagen-Müll. Schuld sind die vielen Pakete, die der Onlinehandel verschickt.

Selbst wenn der Verpackungsmüll ordentlich entsorgt wird, entsteht nicht aus jedem Teil neues Plastik. Recycling ist kompliziert: Die Entsorger haben zum Einen mit dem Problem zu kämpfen, dass viel im Gelben Sack landet, das eigentlich gar nicht hinein gehört. Zum Anderen braucht es für neues Plastik „sortenreinen“ Müll: damit die Eigenschaften von gummiweich bis hart und die Qualität nach dem Einschmelzen wieder stimmen. Für Mischplastik gibt es bisher kaum Verwendung. Also muss der Müll aufwendig sortiert werden. Bei kleinteiligem Abfall oder manchen Verbundstoffen ist das kaum möglich, deswegen werden etwa 50 Prozent des Kunststoffs in der Müllverbrennungsanlage „energetisch verwertet“.

Müll vermeiden: Fünf praktische Beispiele aus dem Alltag

EINFACH MEHR SELBST MACHEN

Salatdressing aus dem Tütchen, Kartoffelbrei-Pulver zum Anrühren oder fertiger Pizzateig – all diese Produkte haben eine Verpackung, die sofort im Müll landet. Den kann man vermeiden, indem man diese Dinge einfach selbst macht. Wenn man mehr kocht, bäckt und zubereitet, reduziert sich der Müll automatisch, weil Grundzutaten wie Mehl, Öl, Essig oder Gemüse und Obst mit weniger Verpackung zu haben sind als Fertigprodukte.

Wer sich einmal an Pizzateig versuchen möchte, kann es mit diesem Grundrezept probieren: Die Zutaten sind 500 Gramm Mehl, 300 Milliliter warmes Wasser, 30 Gramm frische Hefe, ein Teelöffel Zucker, eine Prise Salz und fünf Esslöffel Olivenöl. Die Hefe zerbröseln und mit allen Zutaten zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig in eine Schüssel geben und abdecken – beispielsweise mit einem Geschirrtuch. An einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen etwa verdoppelt hat. Den Teig auf einem eingefetteten Blech dünn ausrollen – dann kann das Belegen beginnen.

EINKAUFEN MIT STOFFTASCHE UND WÄSCHENETZ

Viel Müll lässt sich vermeiden, wenn man ihn beim Einkaufen gar nicht erst mit nach Hause nimmt. Patrick und Manuela Scharl haben da einige Ratschläge. Auch in einem normalen Supermarkt kann man sie umsetzen. Zunächst lohnt es sich, nach unverpackten Alternativen Ausschau zu halten: lose Äpfel oder Gurken ohne Plastikfolie. Ein einfacher Trick ist auch, immer seine eigene Einkaufstasche mitzubringen – es gibt welche, die man ganz klein zusammenfalten und an den Schlüsselbund hängen kann.

Vergrößern

DSC_0003
Foto: Poese

Bei Käse und Wurst ist es schon schwieriger: Eine eigene Dose an der Frischetheke befüllen zu lassen, ist wegen Hygienevorschriften meist nicht möglich.„Da muss man mutig sein und viel nach fragen“, sagt Manuela Scharl. Die fortgeschrittene Variante sind Läden, in denen man Nudeln, Nüsse oder Kichererbsen lose kaufen kann (siehe eigener Bericht unten). Dafür empfehlen Patrick und Manuela Scharl Wäschenetze mit Reißverschluss: Sie sind schön leicht und es fällt nichts heraus.

LEITUNGSWASSER STATT EINWEGFLASCHEN

Rund 150 Liter – so viel Mineralwasser hat jeder Verbraucher auf dem deutschen Markt 2015 durchschnittlich getrunken. Das schätzt der Verband Deutscher Mineralbrunnen. Etwa die Hälfte des Wassers war in Einweg PET-Flaschen abgefüllt. Bei einem Absatz von rund 11230 Millionen Litern im Jahr 2015 kommt da einiges an Müll zusammen. Zwar wird das PET wiederverwertet, bei der Herstellung von neuen Flaschen liegt die Quote für Recycling-Material aber nur bei 50 Prozent. Seit der Einführung des Pflichtpfands auf Einwegverpackungen ist der Anteil an Mehrwegflaschen zudem nicht wie erhofft gestiegen, sondern sinkt immer weiter. Als Verbraucher kann man den Berg aus Plastikflaschen kleiner machen, indem man Mehrwegflaschen aus regionaler Abfüllung kauft. Oder man steigt gleich auf Leitungswasser in der eigenen Trinkflasche um.

WASCHEN MIT KASTANIEN

Seit vergangenem Herbst verwenden Manuela und Patrick Scharl statt Waschmittel einfach Kastanien. Dafür haben sie gewöhnliche Rosskastanien gesammelt. Sie enthalten Saponine. Diese Stoffe wirken ähnlich wie die Tenside in herkömmlichen Waschmitteln.

Vergrößern

DSC_0016
Foto: Poese

Manuela und Patrick Scharl haben die Kastanien erst mit dem Hammer grob zerteilt. Dann werden die Stücke weiter zerkleinert, zum Beispiel in einem Mixer mit genügend Leistung. Das Kastanienmehl kann man in einem Säckchen einfach mit in die Trommel geben. Oder man gießt die Kastanienstückchen mit heißem Wasser auf, lässt den Sud eine halbe Stunde ziehen und schüttet ihn durch ein Sieb in die Waschmittelschublade. Unangenehme Gerüche und Schmutz gehen gut heraus.„Die Wäsche riecht nach nichts“, sagt Manuela Scharl. Starke Flecken sollte man mit Gallseife vorbehandeln.

PUTZMITTEL ZUM NACHFÜLLEN

Putzmittel gibt es für jede Form von Dreck – in vielen Haushalten stehen unzählige Flaschen herum, vom Kalklöser bis zum WC-Reiniger. Manuela Scharl ist da radikal: Sie macht ihr Putzmittel einfach selbst. Eine alte Sprühflasche füllt sie immer wieder auf. In Bad  und Küche putzt sie mit Zitronensäure. Ein paar Löffel davon – je nachdem, wie hoch konzentriert es sein soll – in die Sprühflasche geben und mit Wasser auffüllen. Gegen Kalk wirke das Wunder. „Aber man muss aufpassen, es bleicht“, sagt Scharl.

Vergrößern

DSC_0012
Foto: Poese

Bei empfindlicheren Oberflächen sollte man also vorsichtig sein. Für andere Gelegenheiten verwenden Patrick und Manuela Scharl auch Essig oder Backpulver. Im Internet finden sich viele Rezepte, wie diese Hausmittel beim Putzen helfen. Backpulver löst beispielsweise eingebrannte Flecken im Backofen: Einfach mit etwas Wasser vermischen, auf die Flecken auftragen, einwirken lassen und mit einem Lappen abwischen.

Text: Katrin Poese

Melissa Ludstock
Veröffentlicht von Melissa Ludstock
Hat im Oktober 2015 ihr Volontariat beim Donaukurier begonnen, ist seit April 2017 Online-Redakteurin. Dreht und schneidet am liebsten Videos, mag lokale Geschichten und ist gerne vor Ort, um zu berichten. Ihre Geschichten findet die Neu-Ingolstädterin nicht nur auf Twitter, Youtube und Co., sondern auch unterwegs.