Ostern: Traditionen und Bräuche in der Region

40 Tage Fastenzeit gehen dem Fest der Auferstehung Jesu Christi voraus. Für gläubige Christen ist dennoch die eine Woche vor Ostern – die Karwoche – die Kernzeit der österlichen Passionszeit. Auch in der Region rund um Ingolstadt praktizieren die Menschen angefangen vom Palmsonntag bis zum Ostermontag typische Osterbräuche. Ein Überblick.

Palmsonntag

Der Palmsonntag läutet die Karwoche ein. In katholischen Kirchen werden nun die Kreuze verhüllt. Im Gedenken an das Leiden Christi schweigen die Kirchenglocken bis zur Osternacht. Der Sonntag vor dem Osterfest ist aber vor allem dem festlichen Einzug Jesu Christis nach Jerusalem gewidmet. Die Menschen legten dabei Palmwedel auf die Straßen, um Jesus, der auf einem Esel sitzend durch das Stadttor geritten kam, zu huldigen.

Jesus aber fand ein Eselein und ritt darauf. Johannes 12, 14

Palmwedel nehmen die Gläubigen zwar nicht mit in die Kirche, dafür werden die Palmbüschel geweiht. In ihrer traditionellen Form werden dabei, an drei meterlangen Haselnusstrieben, verschiedene Zweige und Gewächse nur mit jungen Weidentrieben verbunden. Zum originalen Palmbaum in der Region gehören dabei neben der Haselnuss auch Weidenkätzchen, Wintergrün, Eichenlaub, Tannenzweige, Buchsbaum, Wacholder und Zweige vom dem hier Sedelbaum genannten Thuja. Diese traditionelle Form der Büschel gibt es auch im Gredinger Ortsteil Heimbach. Nach dem feierlichen Segen werden die Palmbüschel in den Stallungen aufgehängt und sollen Hof und Stall im Jahr vor Unheil schützen.

Die Eseldame, die am Palmsonntag in Ingolstadt den Jesusdarsteller bei der Prozession durch das Kreuztor getragen hat, heißt Stasi.  Stasi ist die Kurzform von Anastasia. „Ein Esel gehört bei uns einfach dazu. Wir brauchen ein kleines Ärgernis, das fuchst und meine Pflanzen auffrisst“, schmunzelt Stasis Halterin Tatjana Plank. Außerdem wolle sie auf ihrem Reiterhof ausschließlich weibliche Esel: „Die sind braver, Männchen können richtig bösartig sein. Deswegen tragen auch nur Eselmädchen bei der Palmsonntagsprozession ein Kind.“ Der Bub, der heuer auf Stasi reiten durfte, war der sechsjährige Alan.

Gründonnerstag

Darnach goss er Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. Johannes 13, 5

Den Vortag seines Todes verbrachte Jesus Christus mit seinen Jüngern und feierte mit ihnen das Pessachfest – das wichtigste Fest der Juden. Dabei teilte Jesus mit ihnen Brot und Wein. Diese Handlung gehört bis heute fest zum Gottesdienst. Außerdem wusch Jesus seinen Jüngern die Füße – als Zeichen dafür, dass er ein Gleicher unter Gleichen ist. Die Fußwaschung gehört in vielen Kirchen traditionell zur Messe am Gründonnerstag.

Ein anderer Brauch: Am Gründonnerstag kommt etwas Grünes auf den Tisch. Zum Beispiel eine Suppe mit neun Kräutern. Früher war es selbstverständlich, die Zutaten selbst zu sammeln. In die Suppe gehören überlicherweise neun verschiedene Kräuter: Brennessel, Löwenzahn, junger Bärlauch, Spitzwegerich, Frauenmantel, frische Blätter des Schwarzen Johannisbeerstrauches, junger Blattspinat, Petersilie und Schnittlauch. Die Anzahl geht dabei auf die Dreifaltigkeit zurück: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Der Termin vor Ostern begründet sich darin, dass die Kräuter gerade jetzt voll im Saft stehen und somit ihre ganze Wirkung entfalten können.

Karfreitag

Und Jesus rief laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Lukas 23, 46

Am Karfreitag wird dem Kreuzestod Jesu Christis gedacht. Für die evangelischen Christen ist dieser Tag der höchste Feiertag im Jahr. Die Katholiken feiern dagegen keine Messe, sondern lediglich die Liturgie – also einen Wortgottesdienst ohne Eucharistie. Die seit Palmsonntag verhüllten Kreuze werden wieder enthüllt, der gekreuzigte Jesus angebetet.

Als Ersatz für die Glocken gibt es vielerorts Ratschen. Besonders am Karfreitag legen sich meistens die Ministranten ins Zeug, um dem Holzgerät knatternde Klänge zu entlocken. In schwäbisch-oberbayerischen Dörfern ziehen die Ministranten mit ihren Ratschen noch durch die Straßen. In Wagenhofen und Rohrenfels (Landkreis Neuburg Schrobenhausen) wird dieser Brauch bis heute gepflegt. Die Kinder sammeln dabei Geld für die Ministrantenkasse und die „Aktion Hoffnung“.

Der Startschuss ist bereits gefallen: Mit einer Ratschen-Aktion am Schrannenplatz in Neuburg leitete die Diözese Augsburg die stille Karwoche ein. Punkt zwölf Uhr knatterten 100 Ministranten mit ihren hölzernen Ratschen. „Es ist ein Schrei nach mehr Gerechtigkeit“, beschreibt Ulrich Lindl (Diözese Augsburg) den Hintergrund der Aktion. Mit den Erlösen werden unter anderem Flüchtlingskinder im Libanon unterstützt.

Karsamstag

Und als sie das sagte, wandte sie sich zurück und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Johannes 20, 14

Auf den Tag der Kreuzigung folgt der Tag der Grabesruhe. Dieser letzte Tag der vorösterlichen Passionszeit steht noch einmal ganz im Zeichen des Fastens und Betens. Bis zu diesem Tag hat sich in den Gemeinden viel getan. Auch in Eichstätt gehört das Passionssingen in der Heilig-Kreuz-Kirche – der „Kapuzinerkirche“ – seit über 20 Jahren zu den besonderen Ereignissen im Kirchenjahr. Beinahe in jedem Ort haben die Gläubigen Brunnen österlich geschmückt. In Pörnbach schmücken den Osterbrunnen 5500 bemalte Hühner-, Gänse- und Straußeneier. In Großmehring bringt es der Brunnen vor der Kriegergedächtnisstätte auf ganze 7250 Eier. Der Scheckenbrunnen in Töging hat ebenfalls ein österliches Gewand erhalten: Die Vorstandsfrauen des Obst- und Gartenbauvereins und weitere Vereinsmitglieder haben sich auch in diesem Jahr wieder mächtig ins Zeug gelegt und eine Krone aus grünen Zweigen gestaltet. Die Männer halfen anschließend beim Aufsetzen des bunten Schmuckstücks, das dann mit Schleifen und Ostereiern in allen Farben herausgeputzt wurde. Mit dieser Vorbereitung kann das Ende der Fastenzeit kommen.

So endet auch die Zeit des 40-tägigen Verzichtens in den Abendstunden des Karsamstags. Oder besser: Mit der Osternacht. Der nächtliche Gottesdienst ist der Höhepunkt der heiligen Woche. Nun werden die Osterfeuer vor den Kirchen und die neue Osterkerze als Symbol für den Start des neuen Kirchenjahres in den Gotteshäusern entzündet. Feuer gilt als Symbol für den auferstandenen Jesus Christus.

Ostersonntag

Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Johannes 20, 21

Osterschinken, Brot, Eier, Käse, Meerrettich, Salz und Pfeffer kommen am Ostersonntag traditionell auf den Frühstückstisch. Vorher werden diese Gottesgaben zur Speisesegnung in die Kirche gebracht. Mit dem Verzehr der geweihten Speisen wird das Fasten gebrochen. Pater Johann Wojcek aus der Pfarrgemeinschaft Rohrbach, Rohr und Fahlenbach sieht es gelassen, wenn nicht nur die althergebrachten Zutaten mit in die Messe genommen werden. „Ganz so streng wird es nicht mehr angesehen, heute wird alles geweiht, was die Leute in die Kirche bringen, sogar Wein ist manchmal im Osterkorb, denn auch das sind Gottes Gaben“, erzählt er.

Gerade für Kinder ist Ostern eine besondere Zeit. Nicht nur für die Chorkinder des Königsmooser Kindergartens, die für ihren fröhlichen Frühlingstanz schon vorab mit Osterzopf, bunten Ostereiern und Schokoeiern belohnt wurden. Nein, die Suche nach Ostereiern und andere Köstlichkeiten im Osternest beschäftigt am Ostersonntag Mädchen und Buben in der ganzen Region und darüber hinaus. Das Ei – im Übrigen wohl das typische Symbol für Ostern – steht sinnbildlich für neues Leben und passt damit gut zum Fest der Auferstehung Jesu Christis.

Ostermontag

Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Lukas 24, 32

Der Ostermontag ist der letzte Tag der heiligen Woche. In vielen Ländern wie Deutschland, Österreich und und weiten Teilen der Schweiz wird er als gesetzlicher Feiertag begangen; die Niederlande, Italien, Kroatien, Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark, Island, Großbritannien, Irland, Luxemburg, Polen, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Frankreich und Spanien gehören dazu.

Im Mittelpunkt des Ostermontags steht aus christlicher Sicht das Lukasevangelium, Kapitel 24, Vers 13 bis 35. Darin wird die Auferstehung Jesu Christis aus dem Blickwinkel der Emmausjünger erzählt: Zwei Jünger Jesu machen sich am dritten Tag nach der Kreuzigung von Jerausalem auf nach Emmaus. Ihnen schließt sich ein Fremder an. Als der Fremde am Abend in einer Herberge das Brot für sie bricht, erkennen sie ihren Herren. An den Gang nach Emmaus erinnern Osterspaziergänge oder auch Feldumgänge.

Alle Artikel rund um das Osterfest in der Region finden Sie unter www.donaukurier.de/ostern_2016.

Kathrin Schmied
Veröffentlicht von Kathrin Schmied