Oscars 2016: Das ist der beste Film

Es ist so weit: An diesem Wochenende werden die Oscars 2016 verliehen. Vorab haben wir bereits die Nominierten in den Kategorien beste Hauptdarstellerin, bester Hauptdarsteller, beste Nebendarstellerin und bester Nebendarsteller unter die Lupe genommen und verraten, welcher Kandidat wohl das Rennen macht. Heute ist nun die Königsdisziplin an der Reihe: Der beste Film. Ob „The Revenant“, „Brooklyn“, „Bridge of Spies“, „Raum“, „The Big Short“, „Der Marsianer“ oder „Spotlight“ – wir haben sie alle gesehen. Und unser Favorit steht fest.

Oscars 2016: „Spotlight“ – Der Favorit

Die Prognostiker sind sich nicht ganz sicher, wir aber schon: Das Enthüllungsdrama „Spotlight“ hat beste Chancen auf einen Triumph bei den Oscars. Die wahre Geschichte um ein Bostoner Journalisten-Team, das einen gewaltigen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in seiner Stadt aufdeckt, ist absolut erschütternd. Klar, Journalisten sehen sich besonders gerne Filme über die schreibende Zunft an – aber „Spotlight“ besticht nicht nur mit seiner Geschichte. Die Rollen sind brilliant besetzt, die Inszenierung ist packend und zeigt gleichzeitig die Schwierigkeiten im Journalismus auf. Recherche und Wahrheitsfindung sind nicht immer einfach, aber in „Spotlight“ gelingen sie geradezu vorbildlich.

Was spricht noch für einen Sieg bei den Oscars? Gerade Dramen mit gesellschaftlicher Wucht werden von der Jury bevorzugt mit Preisen bedacht. Der gewaltige Missbrauchsskandal der katholischen Kirche hat überall auf der Welt Menschen erschüttert. „Spotlight“ zeigt zwar nur einen kleinen Ausschnitt davon – am Schluss lassen es sich die Macher allerdings nicht nehmen, auf die Missbrauchsfälle in vielen anderen Ländern hinzuweisen. Und plötzlich ist der Schrecken ganz nah.

Dass die Geschichte also auf wahren Tatsachen beruht, kommt dem Ganzen nur weiter zu Gute. Die Enthüllung der Bostoner Journalisten rüttelte damals die ganze Stadt auf und verschaffte den Reportern letztendlich den begehrten Pulitzerpreis. Nun macht der Film Jahre später die Geschichte für ein breiteres Publikum zugänglich – und vermutlich gibt es dafür einen weiteren begehrten Preis.

Oscars 2016: „The Revenant“ – Der Technische

Welcher der nominierten Filme ist der größte Konkurrent für „Spotlight“ bei den Oscars? Wir tippen auf den Westernthriller „The Revenant„. Zum einen liefern Leonardo DiCaprio als Trapper Hugh Glass und Tom Hardy als sein Gegenspieler John Fitzgerald eine schauspielerische Glanzleistung ab – kein Wunder, dass beide für die beste Haupt- bzw. Nebendarstellung nominiert sind. Außergewöhnlich sind auch die extrem langen Kamerafahrten und beeindruckenden Monumentalaufnahmen des Film, für die Emmanuel Lubezki verantwortlich ist. Der Kameramann hat in den vergangenen beiden Jahren jedes Mal den Oscar für seine Arbeit („Birdman“, „Gravity“) erhalten – und auch in diesem Film sticht sie wieder hervor.

Ein weiteres schlagendes Argument für einen möglichen Oscar-Gewinn ist Regisseur Alejandro Inarritu. Er gilt als einer der Lieblinge der Oscar-Jury und wurde im vergangenen Jahr für sein Broadway-Drama „Birdman“ mit Lob und Auszeichnungen überhäuft – unter anderem erhielt der Streifen den Oscar als bester Film.

So gut wie „Birdman“ kam „The Revenant“ jedoch bei den Kritikern nicht an. Lediglich seine technische Brillianz – etwa die bereits erwähnte Kamera – wurde gelobt. Der Geschichte selbst fehle es laut zahlreicher Kritiker jedoch an Tiefe. Es bleibt also abzuwarten, inwiefern der Westenthriller bei der Verleihung der Oscars punkten wird.

Oscars 2016: „Raum“ – Der Emotionale

Das kanadisch-irische Drama „Raum“ tritt zwar weniger laut als die anderen Nominierten auf, hat aber umso mehr emotionale Wucht. Es schildert das Leben einer Frau (Brie Larson) und ihrem Kind (Jacob Tremblay), die von einem Soziopathen jahrelang in einer kleinen Hütte gefangen gehalten werden. Das Spiel von Larson und Tremblay ist so emotional aufrüttelnd, dass man diesen Film lange nicht vergessen kann.

Für den wenig bekannten Independent-Regisseur Lenny Abrahamson ist „Raum“ der erste große Hit. Er wurde für zahlreiche Preise nominiert und gewann bei mehreren Filmfestspielen. Wir vermuten: Trotz der bedrückenden und gleichzeitig Mut machender Geschichte wird es für das Drama bei den Oscars noch nicht reichen – es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Abrahamson mit seinem Film zumindest seiner Hauptdarstellerin Brie Larson zum Oscar-Ruhm verhelfen wird.

Oscars 2016: „Der Marsianer“ – Der Unterhaltsame

Der wohl lustigste Film beim Rennen um den diesjährigen Oscar ist der Science-Fiction „Der Marsianer„. Bei den Golden Globes hat die Komödie den Preis für den besten Film erhalten – allerdings nur in der Kategorie „Komödie/Musical“. Aber trotz seines hohen Unterhaltungswertes und einem grandios aufgelegtem Matt Damon in der Hauptrolle, ist ein Triumph bei den Oscars eher unwahrscheinlich.

Zwar hat die Jury durchaus nichts gegen humorvolle Filme, ein gewisser Tiefgang sollten aber schon sein. Den gibt es beim „Marsianer“ jedoch nicht. Matt Damon als gestrandeter Astronaut Mark Watney durchaus mit einigen Problemen zu kämpfen – das reicht aber noch nicht aus, um mit dem Facettenreichtum und dem künstlerischen Gehalt der anderen Nominierten ernsthaft zu konkurrieren.

Fazit: Der „Marsianer“ – und vor allem sein Soundtrack machen viel Spaß – mit einem Oscar als bester Film ist aber definitiv nicht zu rechnen. Es ist allerdings durchaus wahrscheinlich, dass er in anderen Kategorien, wie Spezialeffekte, Schnitt oder Ton abräumen könnte. Ganz ohne Oscar wird das Team um Regisseur Ridley Scott jedenfalls nicht nach Hause gehen.

Oscars 2016: „Brooklyn“ – Der Romantische

Besser sieht es auch für „Brooklyn“ nicht aus: Das Auswanderer-Drama ist bei den Oscars in der Kategorien „Bester Film“, „Beste Hauptdarstellerin“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“ nominiert. Unsere Prognose: Der Drehbuch-Oscar könnte drin sein. Mehr dürfen sich die Macher von „Brooklyn“ aber nicht erwarten.

Es ist eine nette Geschichte, die Regisseur John Crowley da erzählt und die vor allem die Seele der US-Amerikaner anspricht, haben doch die meisten Vorfahren, die einst nach Amerika ausgewandert sind. „Brooklyn“ handelt von einem Mädchen, das sich zwischen zwei Ländern und zugleich zwischen zwei Männern entscheiden muss. Darüber hinaus finden sich in dem Drama aber weder erzählerische Wucht noch herausragende schauspielerische Leistung.

Es mag der Patriotismus gewesen sein, der die Academy zu dieser Nominierung bewogen hat. Aber dieser Patriotismus wird nicht ausreichen, um „Brooklyn“ auch auf das Siegertreppchen zu heben.

Oscars 2016: „Bridge of Spies“ – Der Patriotische

Aus ähnlichen Gründen ist womöglich auch der Spionagefilm „Bridge of Spies“ auf der Liste der Nominierten gelandet. Der Film erzählt von einem Anwalt, der während der Zeit des Kalten Krieges einen Gefangenenaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und Russland aushandeln soll.

Oscar-Kriterium eins: Es handelt sich hierbei um ein Stück US-amerikanische Geschichte. Oscar-Kriterium zwei: Der Film ist nicht rein patriotisch orientiert, sondern lässt durchaus Raum für Zwischentöne. Ein solcher Facettenreichtum, der sich reiner Schwarz-Weiß-Denke entgegenstellt, wird von der Jury gerne gesehen. Oscar-Kriterium drei: Tom Hanks, einer der wohl wichtigsten Charakter-Darsteller Hollywoods und zweifacher Gewinner bei den Oscars, spielt mit. Und liefert wie immer eine tadellose Leistung ab.

Reichen diese drei Kriterien für einen Oscar-Gewinn aus? Wohl kaum, angesichts der starken Konkurrenz. „Bridge of Spies“ ist ein überdurchschnittlich guter Spionagefilm, doch mit der Filmen wie „Spotlight“ oder „The Revenant“ kann er auf keinen Fall mithalten. Es wird bei einer Nominierung bleiben.

Oscars 2016: „The Big Short“ – Der Spezielle

Der außergewöhnlichste Kandidat bei den diesjährigen Oscars ist definitiv die Wirtschaftskomödie „The Big Short„. Sie erzählt die Geschichte mehrerer Börsenspezialisten, die das Platzen der Immobilienblase in den USA und die daraus resultierende Wirtschaftskrise vorhersehen und ihr Geld dementsprechend investieren. Das Cast ist mit Brad Pitt, Steve Carrell, Christian Bale und Ryan Gosling ein Who is Who der angesagtesten Schauspieler Hollywoods.

Und nicht nur das enorme Starensemble macht „The Big Short“ außergewöhnliche. Regisseur Adam Mackay liebt das Spiel mit Referenzen und bricht die Erzählstruktur gerne mal auf. Etwa indem er hochkomplexe Wirtschaftsbegriffe nicht durch das Nachfragen unwissentlicher Nebendarsteller erklärt – nein, McKay lässt die Handlung verharren und springt in eine Erklärszene über, in der sich beispielsweise Hollywood-Schönheit Margot Robbie mit Champagner in der Badewanne räkelt, den Zuschauer direkt anspricht und ihm mit einfachen Worten die komplizierten Begrifflichkeiten herunterbricht.

Auch bei Zeitsprüngen wendet Mackay eine ganz besondere Technik an: Er zeigt dem Zuschauer die vergangene Zeit nicht mit eingeblendeten Jahreszahlen, sondern indem er etwa ein Foto des Apple-Genies Steve Jobs und dessen neuestem I-Phone einblendet.

Diese ungewöhnliche Narration hebt „The Big Short“ von seinen Konkurrenten deutlich hervor und zeigt, dass es viele neue spannende Erzähltechniken im Film gibt. Die Nominierung hat sich die Komödie damit mehr als verdient. Aufgrund der starken Konkurrenz wird es für „The Big Short“ aber wohl nicht zum Oscar für den besten Film reichen. Doch McKay muss sich keine Gedanken machen, schließlich ist sein Werk auch noch in vier weiteren Kategorien nominiert.

Jessica Roch
Veröffentlicht von Jessica Roch

Journalistin in der Digital-Redaktion des DONAUKURIER. Schreibt über Film/TV, gesunde Ernährung, Kabarett, Musik, Kunst, Sport und Fitness. Filmt, schneidet und liebt Digital Storytelling.