Muttertag: Tierisch tolle Supermamis

Keine Liebe ist so bedingungslos wie die einer Mutter zu ihrem Kind. Auch im Tierreich gibt es viele Mamas, die sich rührend um ihren Nachwuchs kümmern – und solche, die einfach nur erstaunlich sind.

Die „Rabenmutter“

Raben haben einen wirklich schlechten Ruf: Laut krächzend ziehen sie Müll aus städtischen Abfalleimern, gelten als Unglücksboten und zu allem Übel auch noch als schlechte Eltern. Wer seine Kinder nicht gut behandelt, vernachlässigt oder auch Defizite in Sachen Erziehung aufweist, bekommt im Volksmund gerne den Beinamen „Rabeneltern“ oder „Rabenmutter“ verliehen. Doch behandeln die Vögel ihren Nachwuchs wirklich so schlecht? „Im Gegenteil“, sagt Biologe Mario Ludwig, „Rabenweibchen sind sogar sehr gute Mütter.“

Dieser üble Ruf gehe von einer falschen Naturbeobachtung hervor. Historiker vermuten sogar, dass die Bibel die Schuld trägt. So heißt es im Buch Hiob: „Wer bereitet den Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und fliegen irre, weil sie nichts zu essen haben?“ Vermutlich gehe diese Bibelstelle auf junge Raben zurück, die aus dem Nest gefallen sind, sagen Historiker. „Rabenküken verlassen immer das Nest, bevor sie fliegen können, sitzen dann einsam und verlassen auf dem Boden, und so entstand der Eindruck, dass sie von ihrer Mutter im Stich gelassen, ja sogar aus dem Nest geworfen wurden“, sagt Ludwig. Tatsächlich kümmern sich Rabenweibchen sehr liebevoll um ihren Nachwuchs. „Wenn die Jungtiere nach einer gewissen Zeit das Nest verlassen, werden sie auch weiterhin von Mutter und Vater versorgt“, erklärt er. Sie bringen den Kleinen Nahrung, schützen sie vor Feinden, und das so lange, bis sie selbst fliegen können. Im Laufe dieser Zeit lernen die Kleinen dann auch, sich selbst Nahrung zu suchen. Der schlechte Ruf ist, laut Ludwig, also vollkommen unberechtigt.

Am Sonntag ist Muttertag. Mit Blumen, Pralinen und anderen Aufmerksamkeiten zeigen viele Kinder ihren Müttern an diesem Tag, wie dankbar sie ihnen für all das sind, was sie täglich Tolles leisten. Auch in der Welt der Tiere kümmern sich viele Weibchen liebevoll um ihren Nachwuchs und hätten auch einmal einen Blumenstrauß verdient. So schützen Bären ihre Kleinen vor Räubern, und Katzen bleiben immer in der Nähe ihrer Sprösslingen. Manche Tiermamas gehen sogar so weit, dass sie sich für ihren Nachwuchs buchstäblich aufopfern. So etwa die australische Krabbenspinne, die ihren Jungen nach dem Schlüpfen als Nahrung dient. Aber egal ob Mensch oder Tier: Mutterliebe kennt keine Grenzen. Biologe Mario Ludwig aus Karlsruhe ist einer der bekanntesten Tierbuchautoren Deutschlands und hat sich bereits in über 20 Büchern unterhaltsam und humorvoll mit den Phänomenen der Natur auseinandergesetzt. So weiß er auch, wie sich so manche Mütter im Tierreich verhalten - mal vorbildlich, mal kurios.

Die Liebevolle

Einen liebevollen Umgang mit ihrem Nachwuchs pflegen Elefantenmamas. Sanft schubsen sie die Kleinen in die richtige Richtung, liebkosen sie oder verschaffen ihnen ein kühles Bad in der Hitze. Sie halten dabei viel Körperkontakt und achten darauf, dass sich der Nachwuchs nie zu weit von ihnen entfernt. Auch mit ihren erwachsenen Kindern haben die Elefantenmütter ein Leben lang eine enge Beziehung.nen liebevollen Umgang mit ihren Sprösslingen pflegen wohl die meisten Mütter im Tierreich.

Doch eine kümmert sich besonders rührend um ihren Nachwuchs: die Katze. Es gibt wohl nichts Süßeres, als eine Katzenmama mit ihren Jungen zu beobachten. „Wie sie sich um ihren Nachwuchs sorgen, ist wirklich beispiellos“, sagt Ludwig, der selbst eine Katze zu Hause hat. Schon bald nach der Geburt tragen die meisten Katzenmütter ihre Jungen an einen anderen, sauberen Platz, um ihre Babys vor Raubtieren zu schützen. Katzenmütter fressen den Kot und den Urin ihrer Jungtiere, bis diese in der dritten Lebenswoche selbst ihre Ausscheidungen kontrollieren können. Manche Katzenmamas opfern sich für ihre Sprösslinge regelrecht auf, verlassen ihr „Nest“ nur so kurz wie nötig und zögern sogar den Gang zur Toilette so lange wie möglich hinaus. Andere Katzen gönnen sich zwar kleine Auszeiten, bleiben dabei aber immer in Hörweite ihrer Babys. Wenn Katzen mehrere Würfe gleichzeitig haben, kann es auch vorkommen, dass sich die Mütter die Betreuung ihrer Sprösslinge aufteilen. Manche Katzen lassen keine anderen Artgenossen, oft sogar nicht einmal ihre Besitzer, in die Nähe ihres Wurfes.

Die Bärenstarke

Unter den Tieren gibt es auch Mütter, die eigentlich einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde verdient hätten für das, was sie leisten. Eine heiße Anwärterin ist das Mondfisch-Weibchen. „Pro Laichvorgang legt es rund 3 Milliarden Eier ab. Brutpflege ist allerdings nicht nötig, denn mit großer Wahrscheinlichkeit werden nur ein paar davon überleben und zu einem erwachsenen Fisch heranwachsen“, sagt Mario Ludwig. Rekordverdächtige Leistungen bei der Aufzucht der Jungen leisten auch die Blauwalmütter. Um ihre etwa acht Tonnen schweren Jungtiere satt zu bekommen, müssen die Kühe mehr als 400 Liter Muttermilch pro Tag bereithalten, die mit rund 50 Stillvorgängen aufgebraucht sind. So wie der Blauwal leisten auch Schwertwale und Tümmler Herausragendes für ihren Nachwuchs. Im ersten Monat nach der Geburt schlafen sie gar nicht, um ihre Sprösslinge zu beschützen.

Der Begriff der bärenstarken Mutter kommt auch nicht von ungefähr. Bären-Weibchen tun auch so einiges dafür, dass es dem Nachwuchs gut geht. Schon während der Schwangerschaft fressen sie rund 40 Kilo pro Tag, um zuzunehmen, zum einen um durch den Winterschlaf zu kommen, und zum anderen, um ihre Jungen in der Höhle zu säugen. Sobald die Kleinen nach der Geburt die Höhle verlassen, folgen sie ihrer Mama auf Schritt und Tritt, und diese verteidigt ihre Sprösslinge akribisch vor Wölfen, Menschen oder auch gegen andere Bären, die ihnen zu nahe kommen. Bevor die Jungen dann flügge werden, zeigt sie ihnen mit viel Geduld die besten Futterplätze sowie Jagdtechniken. Sie ziehen ihren Nachwuchs.

Die Aufopferungsvolle

Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind kennt bekanntlich keine Grenzen. Im Tierreich gibt es sogar Mamas, die sich regelrecht für ihren Nachwuchs aufopfern. Das beste Beispiel dafür ist, laut Ludwig, die australische Krabbenspinne. „Sobald ihre Sprösslinge geschlüpft sind und die Nahrung über die Wintermonate knapp wird, dient das Weibchen ihnen sozusagen als lebende Speisekammer“, sagt er. Die Spinnenmutter opfert also ihr eigenes Leben, damit ihre Babys genug Nahrung haben. „Die Kleinen fressen ihre Mama ganz allmählich bei lebendigem Leibe auf, sie saugen sie förmlich aus“, erklärt Ludwig.

Eine gruselige Vorstellung, doch für dieses selbstlose Verhalten des Krabbenspinnen-Weibchens gibt es durchaus eine logische Erklärung: Es ist die sicherste Methode, die eigene Art zu erhalten, denn die Spinnenmama verhindert somit, dass sich ihre Sprösslinge aufgrund von Nahrungsknappheit gegenseitig verspeisen, erklärt Ludwig. Für die Zukunft des Nachwuchses das eigene Leben opfern – „mehr Mutterliebe ist wohl nur schwer möglich“, meint Ludwig. Eine weitere Kandidatin im Ranking der aufopferungsvollsten Mütter ist das Oktopus-Weibchen. Während der Brutzeit bewacht sie ihre Eier und befächelt sie ständig mit Wasser. Die Oktopus-Mama verzichtet auch komplett auf Nahrung, um ihre Nachkommen nicht alleine zu lassen. Wenn Feinde ihrem Gelege zu nahe kommen, schlägt sie diese in die Flucht. Schlüpfen die Jungen dann, verlässt sie ihr Versteck – um schließlich vor Erschöpfung zu sterben.

Die Kuriose

Kinderliebe kann sogar durch den Magen gehen, wie der Magenbrüterfrosch zeigt. „Um den Nachwuchs vor Feinden zu schützen, verschluckt das Weibchen die Eier. Im Magen schlüpfen die Kaulquappen und wachsen zu kleinen Fröschen heran“, erklärt Ludwig. Während dieser Zeit kann die Froschmutter auch keine Nahrung zu sich nehmen. Nach etwa sechs Wochen kriecht der Nachwuchs aus dem Maul der Mutter. Wittert sie Gefahr, spuckt sie diesen auch schon einmal bis zu einem Meter weit heraus.

Spatzenmütter gehen für ihren Nachwuchs sogar über Leichen. Die Singvögel leben meist mit einem Männchen in einer lebenslangen Ehe zusammen. Doch das Spatzen-Männchen ist alles andere als treu und hat gelegentlich Geliebte. Um dafür zu sorgen, dass er sich nur um die eheliche Brut kümmert, verfolgen die Weibchen den Fremdgeher zum Nest der Rivalin und töten deren Küken. Fürsorglich und skrupellos ist auch der Totengräberkäfer. Die Mutter baut für ihre Jungen eine Kinderstube und vergräbt dazu einen Kadaver, wie etwa eine tote Maus. Wenn die Jungen dann schlüpfen, passt sie deren Anzahl einfach der Größe des Kadavers an. Überzählige Larven frisst sie auf. Der Doppelhornvogel hat ebenso eine kuriose Brutpflege-Praktik. „Das Weibchen bezieht eine Höhle und verschließt sie dann mit einer Mischung aus Kot und Nahrung, bis auf einen winzigen Spalt“, erklärt Ludwig. Durch diesen füttert das Männchen seine Familie, während das Weibchen sich um die Kleinen kümmert. „Sie verliert sogar ihre Federn, damit es die Sprösslinge schön warm haben“, sagt Ludwig.

Die Annehmende

Die Natur hat ihre Launen. So kommt es immer wieder einmal vor, dass Tiere den Nachwuchs anderer Tiere adoptieren, ihn sogar liebevoll aufziehen. So gibt es immer wieder wilde Kombinationen, wie etwa eine Hundemama, die Katzenbabys oder sogar Tierjunge aufnimmt. Ein immer wiederkehrendes Beispiel ist das verstoßene Löwenbaby. „Als das in einem Zoo einmal passierte, wurde das Kleine von Dackeln aufgenommen und sogar großgezogen“, erzählt Ludwig. Allerdings sei der Ausgang, insbesondere als das Löwenjunge dann größer wurde, unbekannt. Doch es geht noch ungewöhnlicher, wie Ludwig weiß. Vor 15 Jahren hat eine Löwin in Kenia immer wieder Antilopenbabys adoptiert und diese auch energisch gegen andere Artgenossen verteidigt.

Eine seltsame Vorstellung, wenn man bedenkt, dass Antilopen ja eigentlich auf dem täglichen Speiseplan der Raubkatzen stehen. „Einheimische nannten sie damals sogar ‚Die Gesegnete’“, sagt der Biologe. Doof an der Sache wäre nur gewesen, dass die Löwin die Jungen ja sozusagen von ihrer Mutter gestohlen hatte und diese sie dann nur säugen konnten, wenn die Löwin auf der Jagd unterwegs war. „Wildhüter haben die Babys dann immer wieder aus der Obhut der Löwin geholt, um sie zu füttern“, berichtet Ludwig. Auch hier ist es nicht bekannt, wie die Geschichte ausgegangen ist. Bei den Elefanten nimmt sich der gesamte weibliche Familienteil dem Nachwuchs an. „Neben den Müttern passen bei den Elefanten auch Großmütter und Tanten auf die Kleinen auf und kümmern sich liebevoll um sie und greifen auch mal ein, wenn sich das Kind nicht benimmt“, erklärt Ludwig.

Die Mutter ohne Pflichten

Zwischen Tier- und Menschenmüttern gibt es tatsächlich einige Parallelen. „Auch bei den Vierbeinern ist es in den meisten Fällen so, dass hauptsächlich die Mutter für die Aufzucht der Kinder verantwortlich ist und der Vater sich zurückzieht“, erklärt Mario Ludwig. Allerdings ist unter uns Menschen der Vater auch nach der Geburt noch präsent. „Die Papas unter den Tieren sind in den meisten Fällen nur die biologischen Erzeuger und machen sich, nachdem der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt hat, aus dem Staub“, sagt Ludwig.

Doch es gibt auch Mütter, die die Verantwortung komplett an den Vater abgeben. Ein wunderschönes Beispiel dafür ist, laut Ludwig, das Seepferdchen. Die Tiere hätten ein sehr schönes, romantisches Paarungsverhalten, in dem sie sich bei den Schwanzspitzen fassen und eine Art schwebenden Tanz vollführen. „Doch genau dieses Liebesspiel nutzen die Weibchen aus und spritzen ihre Eier in eine Brusttasche des Männchens, wo sie befruchtet, in das Gewebe gebettet und schließlich ausgetragen werden. Das Männchen bringt den Nachwuchs dann unter wehenartigen Krämpfen zur Welt“, erklärt Ludwig. Eine weitere Tiermutter, die die Verantwortung gerne abgibt und laut Ludwig auch die faulste ist, ist das Kuckucks-Weibchen. Bekannterweise legt es seine Eier in fremde Nester, stibitzt dafür eines und überlässt dann den dementsprechenden Vogeleltern die Aufzucht. „Die Eier passt das Weibchen dann der dementsprechenden Singvogelart an, und das können über 100 Vogelarten sein“, sagt Ludwig. Mehr Schmarotzertum geht wohl kaum.

Die Überfürsorgliche

Jeder kennt sie, die Mütter, die ihr Kind nie loslassen können, selbst dann nicht, wenn es bereits erwachsen und damit in der Lage ist, sein eigenes, unabhängiges Leben zu führen. Gerne werden sie im Volksmund dann auch als „Glucke“ bezeichnet. Diese überfürsorglichen Mütter finden sich auch im Tierreich, allen voran die Bonobo-Affen, „denn hier mischt sich die Mutter sogar in das Liebesleben ihrer Söhne ein“, sagt Ludwig. Bei den Bonobos bleiben die Männchen ein Leben lang in der Gruppe, in der sie geboren wurden.

Selbst erwachsene Söhne haben dabei oft noch ein sehr enges Verhältnis zu ihren Müttern. Die ranghöchsten Tiere einer Gruppe zeugen den meisten Nachwuchs und sind somit auch beim weiblichen Geschlecht am begehrtesten. Doch auch diejenigen Sprösslinge, die zur Mittel- oder Unterschicht gehören, können beim anderen Geschlecht zum Zug kommen – eben mit Mamas Hilfe. Denn Bonobo-Weibchen unterstützen ihre Söhne in Auseinandersetzungen mit Rivalen und werden dabei auch gerne mal handgreiflich. „Manchmal hindern sie die unliebsame Konkurrenz sogar schlicht an der Paarung, indem sie sie etwa festhalten,“ sagt Mario Ludwig. Wer also viel Zeit mit seiner Mutter verbringt, erhöht seine Chancen, beim anderen Geschlecht erfolgreich anbandeln zu können. Muttersöhnchen haben zwar bei den Menschen keinen guten Ruf, bei den Bonobo-Affen dafür umso mehr – und das, obwohl sie des Menschen nächste Verwandte sind.

Text Kathrin Kretzmann

Melissa Ludstock
Veröffentlicht von Melissa Ludstock
Hat im Oktober 2015 ihr Volontariat beim Donaukurier begonnen, ist seit April 2017 Online-Redakteurin. Dreht und schneidet am liebsten Videos, mag lokale Geschichten und ist gerne vor Ort, um zu berichten. Ihre Geschichten findet die Neu-Ingolstädterin nicht nur auf Twitter, Youtube und Co., sondern auch unterwegs.