Karneval in Köln oder Chinesenfasching in Dietfurt?

Lieber zum Karneval nach Köln mit seinem riesigen Rosenmontagsumzug oder zu den bayerischen Chinesen in Dietfurt? Wir vergleichen die beiden Traditionsveranstaltungen.

Karneval in Köln

Der Kölner Karneval gehört zu den größten Festen während der Faschings- und Karnevalszeit auf der Welt. Eröffnet wird er jedes Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr.

Die Zahl Elf steht symbolisch für die Narrenzeit. Den Vorsitz bei jeder Karnevalssitzung hat der Elferrat. Umzüge und Karnevalssitzungen beginnen in der Regel elf Minuten nach der vollen Stunde.

So richtig Karneval wird trotz seines frühen Starts nur in der Woche von der Weiberfastnacht bis zum Aschermittwoch gefeiert.

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Jubelnde Jecken feiern in Köln den Straßenkarneval. Foto: AFP

Während dieser Zeit sind die Jecken, rheinländisch für Narren, auf der Straße oder in den Kneipen unterwegs und feiern zusammen. Es finden auch viele Karnevalszüge wie der Rosenmontagszug statt.

Der berühmte Rosenmontagszug der Karnevalhochburg 

Die Gewinner des Umzugs am Vortag nehmen am größten Rosenmontagszug Deutschlands direkt durch die Innenstadt Kölns teil. Er ist im Schnitt sieben Kilometer lang und dauert 3,5 Stunden oder länger.

Es sind etwa 120 Festwagen, 90 Traktoren, 75 Musikkapellen und 12.000 Personen, Helfer und Teilnehmer, beteiligt. Etwa eine Millionen Zuschauer kommen jedes Jahr um diese Veranstaltung im Karneval zu bestaunen.

Kölle Alaaf ist der kölsche Schlachtruf in der Karnevalszeit, nicht zu verwechseln mit Helau. Dies ist der Schlachtruf der Mainzer und Düsseldorfer und in Köln nicht erwünscht. Das Wort Alaaf kommt vom altkölnischen all af ab und bedeutet zusammen übersetzt: Köln allein.

Rund 300 Tonnen Süßigkeiten werden an die Schaulustigen verteilt. Darunter Kamelle (Bonbons), Schokolade, Stoffpuppen und weitere kleine Präsente. Die vielen kleinen Blumensträuße, die geworfen werden, heißen Strüßjer und Bützjen heißen die kurzen unverbindlichen Küsschen auf den Mund oder die Backe.

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Es werden reichlich Bützjen im Kölner Karneval verteilt. Foto: AFP

Das diesjährige Motto des Karnevals lautet: „Mer Kölsche danze us der Reih“, also „Wir Kölner tanzen aus der Reihe“.

Chinesenfasching – Ausnahmezustand in Dietfurt

Der Höhepunkt des Dietfurter Chinesenfaschings findet jedes Jahr am Unsinnigen Donnerstag statt: Der Faschingsumzug. Der Tag beginnt bereits um 2 Uhr morgens, denn die Bevölkerung wird von circa 40 „Maschkaras“ und viel Lärm geweckt.

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Foto: Janda

Musik stimmt bereits mittags auf den Chinesenfasching ein, worauf pünktlich um 13.61 Uhr – also um 14:01 Uhr – der Umzug beginnt. Dabei laufen rund 50 Wagen und Fußgruppen und mehrere Musikkapellen mit. Es kommen jährlich rund 15.000 bis 20.000 Zuschauer zu dem Faschingszug.

Zuschauer und der Drachenkopf eines Festwagens beim Chinesenfasching in Dietfurt.
Foto: Samantha Meier

Die Lederhosen-Kimono Kombination in Dietfurt

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Die Dietfurter tragen im Chinesenfasching eine Lederhosen-Kimono Kombination. Foto: Erl

Die Dietfurter Frauen verkleiden sich mit einem in China traditionellen Kimono und dem passenden Gürtel, als Geisha mit weißer Haut, roten Lippen und der typischen schwarzhaarigen Frisur oder gar als Mischung mit bayerisch-chinesischen Kostümen, bei denen man eine Seite mit Lederhose und Hemd, die andere mit einem Kimono Kostüm trägt.

Kille Wau ist der Ruf der Bayerischen Chinesen zu Ehren ihres Kaisers. Er wird in Dietfurt verwendet. Hier gibt es ebenfalls kein Helau.

Die Männer im Gegenzug dazu gehen als Ninja, Sumoringer, Chinesische Krieger oder einfach mit einem Kimono für Männer.

Der Kaiser der bayerischen Chinesenprovinz

Nach dem Zug beginnt traditionell die Proklamation des Kaisers. Der erste Kaiser wurde 1954 ernannt. Er amtierte insgesamt zehn Jahre lang. Seit Ende 2015 ist es nun Manfred Koller als Kaiser Fu-Gao-Di unter dem damaligen Motto „Fu-Gao-Di, der Sonnensohn, regiert ab jetzt vom Kaisertrohn!“.

Sein chinesischer Name bedeutet „glückbringender, großer Kaiser“.

Kaiser Fu-Gao-Di auf dem Chinesenfasching.
Foto: Samantha Meier

Anschließend wird in den Gasthäusern und Bars beim großen Maskentreiben bis in den Morgen mit der eigenen bayrisch-chinesischen Nationalhymne gefeiert.

Um 23.30 Uhr treffen sich schließlich die Narren noch ein letztes Mal, um die lebensgroße Faschingspuppe am zentralen Chinesenbrunnen zu verbrennen.

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Die Strohpuppe wird nachts zum Ende des Faschingsdienstags verbrannt. Foto: Bachhuber

Das Ende des Chinesenfaschings ist um Mitternacht mit dem letzten Singen der Chinesenhymne für dieses Jahr am Faschingsdienstag. Anschließend gibt es für die Faschingsfreunde in den Gasthäusern der Innenstadt noch ein Heringsessen.

Das Kölner Dreigestirn

Das Kölner Dreigestirn besteht 2018 aus Prinz Michael II., Bauer Christoph und der Jungfrau Emma. Anfang Januar wird zur Prinzenproklamation aufgerufen. Diese drei bilden im Rosenmontagszug das Ende.

  • Der Prinz bekommt als Oberhaupt des Dreigestirns die sogenannte Karnevalspritsche, die er über sein Volk schwingt, überreicht. Er wird auch als „Seine Tollität“ bezeichnet.
  • Der Bauer wird „Seine Deftigkeit“ genannt und bekommt als Stadtbewahrer den Stadtschlüssel und seinen Dreschflegel.
  • „Ihre Lieblichkeit“ ist die Jungfrau. Sie wird jedes Jahr von einem Mann dargestellt, der allerdings keinen Bart oder Schnäuzer tragen darf. Ihr wird ein silberner Spiegel überreicht.
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Foto: AFP

Köln oder Dietfurt?

In Dietfurt gibt es nicht wie sonst oft üblich einen Faschingsprinzen, sondern einen Kaiser. Die Bevölkerung schlüpft direkt in ein anderes Land, eine andere Kultur ein. Sie bringen es durch die Verkleidungen, die Proklamation des Kaisers und die Dekoration der Faschingswagen zum Ausdruck. Es fahren viele bunte Drachen durch die Straßen. Die typischen Schirme der Chinesen dekorieren sowohl die Kostüme der Damen, als auch die kleineren Bollerwagen mit den Süßigkeiten und anderen Kleinigkeiten. Chinesische Lampions hängen zwischen den Gebäuden und leuchten hell in der Dunkelheit am Abend. Überall sieht man die aus dem fernen Osten bekannten Muster und Farben. Viele haben Fächer für die, zumindest in China, warme Luft dabei.

In Köln dagegen stehen ganz andere Traditionen auf dem Plan: Es gibt es einen Prinzen, einen Bauern und eine Jungfrau. Mit ihren typischen Artefakten zieren sie zwei Wagen im Umzug. Sie bilden das Ende des riesigen Karnevalwurms, der sich durch die Kölner Innenstadt schlängelt. Für Groß und Klein werden Tonnen an Süßigkeiten und Geschenken verteilt. Alles ist bunt und überall schallt Musik aus den Lautsprechern oder den Instrumenten. Ein weites Spektrum an Maskierten gibt es auch hier: viele bunte Clowns, Mädels und Burschen in ihren Gardeuniformen, zahlreiche Tierkostüme, Zwerge mit spitzigen Zipfelmützen, blaue Schlümpfe, gelbe Minions oder Filmfiguren wie Jack Sparrow.

In diesem Sinne: Ein fröhliches Helau, Kölle Alaaf oder Kille Wau!

Anna Seitz
Veröffentlicht von Anna Seitz

Hat 2017 ihre Ausbildung beim DONAUKURIER angefangen.
Spielt Querflöte und geht in ihrer Freizeit zum Tanzen.