Zehn Jahre Bischof Gregor Maria Hanke – ein Rückblick

Am 14. Oktober 2006 beruft Papst Benedikt XVI. den Abt von Plankstetten, Gregor Maria Hanke, zum neuen Bischof von Eichstätt. Hanke, damals 52 Jahre alt, folgt auf Walter Mixa, den der Papst eineinviertel Jahre zuvor nach Augsburg geschickt hat. Am 2. Dezember 2006 wird Hanke zum Bischof geweiht. Wir blicken zurück – und haben mit dem 62-Jährigen über die aktuelle Situation von Kirche und Gesellschaft gesprochen.

Gregor Hanke wollte es nicht. Er hat sich nach keinem Amt gestreckt. Die Abtswahl trifft ihn 1993 schon recht unvorbereitet. Und als Walter Mixa nach Augsburg berufen wird, da fällt in der langen, über 14 Monate dauernden Sedisvakanz, immer wieder Name des Plankstettener Abts. Dann trifft die Wahl tatsächlich auf ihn: Nur wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe überbringt ihm der Apostolische Nuntius die Nachricht.

Am 10. Oktober ein Leck in der Staatskanzlei: Der Ministerrat hatte der Ernennung zugestimmt. Das so gut gehütete Geheimnis sickert durch, alle Welt weiß: Hanke wird neuer Bischof. Nur er selbst kann nichts sagen. Nicht einmal seinen Mitbrüdern im Kloster kann er die Bestätigung geben. Das päpstliche Geheimnis wiegt schwerer.

Vier Tage später verkünden endlich die Glocken, was eigentlich schon jeder weiß: „Ich bin schon bewegt in dieser Stunde, es wird ernst“, sagt er, nur wenige Minuten, nachdem der Vatikan seine Berufung als Nachfolger St. Willibalds offiziell bekanntgegeben hat.

Ich bin schon bewegt in dieser Stunde, es wird ernst. Bischof Gregor Maria Hanke nach seiner Ernennung 2006

Und er weiß um seine menschlichen Grenzen, räumt er am 2. Dezember bei der Bischofsweihe im überfüllten Eichstätter Dom ein: „Manchmal ängstigt mich diese Hochstimmung sogar, denn ich weiß um meine Grenzen.“ Als ein „Zeichen der Hoffnung und des Weges in die Zukunft für die Diözese Eichstätt und die Kirche in Deutschland“ begrüßt der damalige Diözesanadministrator Johann Limbacher die Ernennung Hankes.

Mit offenen Armen
empfangen

Gregor Maria Hanke hat sich nicht nach dem Amt gerissen. Es „stürmte in mir“, als der Apostolische Nuntius dem Benediktinerabt im Oktober 2006 in München die Nachricht von seiner Berufung auf den Stuhl des heiligen Willibald übermittelt hat, berichtet er bei der Bischofsweihe am 2. Dezember. Innerlich legt sich der Sturm wohl bald wieder, als er in Eichstätt mit offenen Armen empfangen wird: Der Dom ist übervoll mit Gläubigen, die Menschen freuten sich, dass da einer das Amt des heiligen Willibald übernommen hat, den man kennt, „einer der unseren“.

Ich bin zurückgekehrt an den Ort, an dem ich einst als junger Mensch Erziehung und geistliche Prägung erfuhr. Bischof Gregor Maria Hanke bei seiner Bischofsweihe

Mit der Berufung nach Eichstätt sei er zurückgekehrt „an den Ort, an dem ich einst als junger Mensch Erziehung und geistliche Prägung erfuhr: während meiner neun Jahre Gymnasialzeit im Bischöflichen Studienseminar und während des Theologiestudiums im Priesterseminar“. Die ersten Schritte seines Lebens hatte Franz Hanke, so sein Taufname, als jüngstes Kind der Familie im mittelfränkischen Herrieden gemacht. Dort erblickt er 1954 das Licht der Welt und besucht die Volksschule, bevor er nach Eichstätt kommt. Hier soll er einen großen Teil seines Lebens verbringen.

Er ermutigt die Menschen nach der Bischofsweihe, sich mit ihm auf den Weg zu machen: „Wir, Sie zusammen mit mir, bilden nunmehr die Pilgergemeinde der Kirche von Eichstätt. Sie alle sind gerufen, sich mit mir unter dieses schützende Dach des Gotteswortes zu stellen.“

„Zehn Jahre, das ist kein Grund zum Feiern“, winkt Hanke schon vor vielen Wochen ab. In mönchischer Bescheidenheit: Er ist Benediktiner geblieben, seit seinem Eintritt in die Abtei 1981. „Unser Mönch“ betiteln ihn seine Kollegen im Kreis der Bischofskonferenz auch. Sein Alltagsgewand ist nicht die Soutane mit den violetten Knöpfen, es ist der Habit der Benediktiner geblieben: Ihn trägt der gebürtige Mittelfranke Hanke bis heute.

Spiritueller Bischof

Hanke versteht sein Bischofsamt anders als mancher seiner Mitbrüder. Das zeigt sich auch – bis heute oftmals verbunden mit gewissem Kopfschütteln –, wenn er sich nicht zu jedem Fest auf den Dörfern blicken lässt, wie es sein Vorgänger getan hat. Er will nicht, so sagt er immer wieder sinngemäß, das „katholische Sahnehäubchen“ eines Dorffestes sein. Vielmehr geht es ihm um die spirituelle Ebene, die er selbst lebt und die er in die Welt tragen will, um die Verkündigung des Glaubens und die Stärkung christlichen Miteinanders.

Wenn die Diskussion aufkommt, dass Zeichen christlichen Glaubens aus der Welt verschwinden sollen, dann meldet sich Hanke zu Wort – oft nicht von sich aus, sondern von den Medien darauf gestoßen. Etwa jüngst, als es nach vielen Zerstörungen von Gipfelkreuzen darum geht, ob sie noch zeitgemäß seien. Ja, sagt Hanke: Sie seien ein Hinweis, dass die Schönheit und Erhabenheit der Bergwelt einen Ursprung hätten, „der in Gott dem Schöpfer liegt“.

Für den Lebensschutz

Mit Nachdruck tritt er für den Schutz des menschlichen Lebens ein. Er unterstützt aktuell die Bürgerinitiative zum Schutz von Ehe und Familie. „Heute wird in der Europäischen Union viel über die Förderung von Ehe und Familie geredet, aber jeder versteht darunter etwas anderes. Die Bürgerinitiative „Vater, Mutter und Kind“ möchte Ehe und Familie europaweit so definieren, dass sie mit dem christlichen Menschenbild übereinstimmt: Ehe als Lebensbund von Mann und Frau, Familie als Gemeinschaft, die auf der Ehe basiert. Ich hoffe, dass viele Gläubige diese wichtige europäische Initiative unterstützen“, sagt er.

Mit dem Bischofsamt übernimmt Hanke 2006 auch die Verantwortung für die Katholische Universität Eichstätt. Kurz darauf schlittert die KU in eine Krise. Hanke setzt den Kanzler vor die Tür, verweigert dem gewählten Präsidenten Ulrich Hemel die Ernennung. Wenig später gibt selbst die Verantwortung für die Hochschule ab. Es ist das zweite Mal, dass der Name des Eichstätter Bischofs deutschlandweit in den Medien Wellen schlägt. Schon 2007 produzierte Hanke, wohl eher ungewollt, Schlagzeilen, als er bei einem Besuch in Israel die Situation der Palästinenser im Ghetto von Ramallah mit jener der Juden im Warschauer Ghetto verglichen haben soll.

Medialer Sturm

Nach diesen Episoden wird es medial ruhiger um den Eichstätter Bischof: Sich selbst als Person hat Hanke noch nie in den Mittelpunkt gerückt – nicht als Religionslehrer vor seiner Priesterweihe 1983, nicht als Mönch, nicht als Abt von Plankstetten. Dort hat er seine Handschrift hinterlassen, hat ein regionales Autarkiekonzept, das auf „Leben aus dem Ursprung“ baut, auf die Beine gestellt, das bist heute hohes Ansehen genießt.

Die „Ökologie“ ist für ihn eine Sache des Herzens, die er nach wie vor lebt und für die er nachhaltig eintritt, wo immer es geht. Auch wenn er, wie er einmal in einem Interview bekennt: „für den Öko-Landbau im eigentlichen Sinne – ohne Klostergut im Hintergrund – keine existenzielle Grundlage mehr“ habe: „Die Ökologie bleibt weiterhin ein Thema.“ Dabei sieht er sich auch mit Papst Franziskus verbunden, der in seiner Enzyklika „Laudato si’“ genau dieses Thema aufgegriffen hat. „Tragisch ist die Zunahme der Migranten, die vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird“, heißt es in jenem Lehrschreiben. Bischof Hanke hat da schon lange ein Zeichen gesetzt: Er öffnet im Herbst 2014 die ehemalige Maria-Ward-Realschule als Flüchtlingsunterkunft. „Es ist unsere Aufgabe, zu helfen, wenn die Not bei uns anklopft“, sagt er.

Es ist unsere Aufgabe, zu helfen, wenn die Not bei uns anklopft. Bischof Gregor Maria Hanke über die Flüchtlingskrise

Wenig Zeit bleibt ihm als Bischof für seine Hobbys: Neben dem Bergsteigen gehört da das Motorradfahren dazu. Seit seiner Bischofszeit in Eichstätt hat er eine eigene Maschine – und er genießt es, wie er in einmal in einem Interview gestand: „Ich betrachte es als Geschenk, dass ich die Kraft und Energie habe, so eine Maschine zu lenken.“

Marco Schneider
Veröffentlicht von Marco Schneider
Marco Schneider ist Redakteur beim EICHSTÄTTER KURIER