Donald Trump und Twitter

Donald Trump twittert nicht nur Fotos und Nachrichten. Er nutzt das soziale Netzwerk zudem, um Ankündigungen über seine künftige Politik als US-Präsident zu machen oder um Gegner anzugreifen. Am 20. Januar wird Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Auch als Präsident will Trump weiterhin Kurznachrichten schreiben.

Und das obwohl er twittern eigentlich gar nicht mag, wie er dem Sender Fox News in einem Interview sagte. Doch wie nutzt der zukünftige Präsident Twitter? Fest steht: Trump macht gerne Ankündigungen. Für den Tag seiner Amtseinführung verspricht Trump zum Beispiel „eine super Show“:

„Make America Great Again“

Im Wahlkampf ist Donald Trump oft mit dem Slogan „Make America Great Again“ (zu deutsch in etwa: „Mach Amerika wieder großartig“) aufgetreten. Der Satz gibt das wieder, was Trump als Präsident erreichen will. Dem Slogan widmete er dann auch seinen ersten Tweet des Jahres:

Getwittert hat Trump diesen Satz schon dutzende Male, beim Durchsehen seiner Tweets taucht er immer wieder auf. Er ist jedoch nicht der Erste, der den Satz für eigene Zwecke nutzt: Bereits 1980 verwendete Ronald Reagan ihn während seiner Präsidentschaftskampagne.

Für sich entdeckte Trump den Spruch im November 2012, nachdem Barack Obama wiedergewählt wurde. Für „Make America Great Again“ sicherte sich Trump die exklusiven Rechte, um die Aussage für politische Zwecke nutzen zu können. Während des Wahlkampfs trug Trump oftmals Kappen, auf die der Satz aufgedruckt war.

Trump und die 140 Zeichen für Politik

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Quelle: Twitter Grafik: Ludstock

Seit März 2009 versendete Trump rund 34.300 Tweets. Im Zeitraum von Oktober 2016 bis Januar 2017 waren es mehr als 800 Nachrichten – pro Tag sind das im Schnitt 8,4 Tweets. Besonders eifrig war er während der zweiten und dritten TV-Debatte gegen Hillary Clinton. Zwischen 70 und fast 90 Tweets verschickten er und sein Team an diesen Tagen. Trump verfasst die Kurznachrichten meist selbst, an den beiden Abenden übergab er das Zepter jedoch an sein Team.

Die Grafik zeigt: Trumps Aktivitäten auf dem Kurznachrichtendienst zielten auf den 8. November ab, den Wahltag. Bis dahin twitterte er im Schnitt zehnmal pro Tag. Kurz danach herrschte für Trumps Verhältnisse Funkstille. Erst nach seinem Treffen mit dem vorherigen Präsidenten Barack Obama fing er wieder an, mehr zu zwitschern. Eine Reihe von Ankündigungen folgte. So unter anderem, wie es für ihn nach der Wahl weiter geht: „Voller Tag in New York geplant. In Kürze treffe ich einige sehr wichtige Entscheidungen, wer die Regierung führen wird.“

Es war ein erster Ausblick darauf, wie Trump Twitter für seine Zwecke in den kommenden Wochen nutzen würde. Schon in den ersten Tagen nach der Wahl informierte er so die Öffentlichkeit über Mitglieder seiner neuen Regierung.

Themen, über die Trump im Januar twitterte

Im Januar legte Trump dann so richtig los und wurde konkreter, welche Politik und Strategien er als neuer US-Präsident verfolgen will.

Guantanamo

„Es sollte keine weiteren Entlassungen von Gitmo (für Guantanamo) geben. Das sind extrem gefährliche Menschen, die nicht zurück auf das Schlachtfeld sollten.“

Nordkorea

„Nordkorea hat gerade veröffentlicht, dass es im finalen Entwicklungsstadium einer Nuklearwaffe ist, welche Teile der USA erreichen könnte. Das wird nicht passieren.“

China

„China hat immense Mengen an Geld und Wohlstand aus dem einseitigen Handel mit den USA erhalten, will aber nicht mit Nordkorea helfen. Nett!“

General Motors und Toyota

„General Motors schickt das in Mexiko hergestellte Modell des Chevy Cruze steuerfrei über die Grenze zu Autohändlern in den USA. Produziert in den USA oder zahlt hohe Zölle!“

„Toyota Motor wird eine neue Fabrik in Baja, Mexiko, bauen, um Corolla Autos für die USA zu bauen. Auf keinen Fall! Baut die Fabrik in den USA oder zahlt hohe Zölle.“

Russland

„Eine gute Beziehung mit Russland zu haben ist eine gute Sache, keine schlechte. Nur „blöde“ Leute, oder Narren, würden denken, das ist schlecht. Wir…“

„haben auch ohne einen weiteren genug Probleme auf der ganzen Welt. Wenn ich Präsident bin, wird Russland uns mehr respektieren, als sie es jetzt tun und“

„vielleicht werden beide Länder zusammen arbeiten und einige der großen und dringenden Probleme dieser Welt lösen können.“

Geheimdienste

„Geheimdienste hätten es niemals zulassen dürfen, dass diese Falschmeldungen an die Öffentlichkeit gelangen. Ein weiterer letzter Angriff auf mich. Leben wir in Nazi-Deutschland?“

Trump reagierte damit auf Berichte, in denen es hieß, dass Russland belastendes Material über ihn gesammelt haben soll. Gerade der Vergleich mit Nazi-Deutschland sorgte für Aufsehen in sozialen Netzwerken.

Angriff auf Medien und Kritiker

Trump greift in seinen Tweets auch die Medien an. Nach einer Pressekonferenz im Januar bezeichnete er einige der Journalisten als Vertreter von „Fake News Organizations“ (zu dt. Organisationen, die Falschmeldungen verbreiten).

Er attackierte dabei das Portal „Buzzfeed“ und griff einen Vertreter von CNN direkt an. Wie ein Video von der Pressekonferenz zeigt, verwehrte er zudem einzelnen Journalisten, Fragen zu stellen.

Mit seiner Kritik gegenüber Medien hält sich Trump nicht zurück. Mit „Media is fake“ (zu dt.: „Die Medien sind nicht echt“) zielt er direkt auf Medien und deren Berichterstattung ab. Er bezeichnet sie in einem Tweet als „unehrliche Medien“.

Auch die Sendung „Saturday Night Live“ des amerikanischen Senders NBC kritisierte Trump immer wieder in seinen Mitteilungen. In der Comedy-Show schlüpfte Schauspieler Alec Baldwin in mehreren Sketchen in die Rolle von Donald Trump. Bei dem zukünftigen Präsidenten kam das nicht gut an: „Habe versucht, Saturday Night Live zu schauen – nicht möglich! Voreingenommen, nicht witzig und die Darstellung von Baldwin kann nicht schlechter werden. Traurig“

Nach der Verleihung der Golden Globes griff Trump zudem Schauspielerin Meryl Streep an. Die Schauspielerin sprach über den zukünftigen Präsidenten in ihrer Dankesrede. Sie kritisierte ihn für seine Art, andere Menschen zu demütigen: „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle.“ Streep spricht unter anderem eine Szene an, in der Trump in einer Wahlkampfrede die Bewegungen eines körperlich Behinderten nachahmte. Promt reagierte Trump darauf mit einem Tweet: „Meryl Streep ist eine der meist überschätzten Schauspielerinnen in Hollywood, kennt mich nicht, attackierte mich aber bei den Golden Globes vergangene Nacht. Sie ist eine …“

„Hillary-Anhängerin, die verloren hat. Zum 100. Mal, ich habe nie einen behinderten Reporter (würde ich nie tun) verspottet, ich habe ihn nur gezeigt.“

Doch an manchen Tagen wird sogar der sonst so eifrig twitternde Trump ganz ruhig: Zu Thanksgiving, Weihnachten und Silvester gab es kaum Tweets von ihm.

Kontext der Tweets zeigen

Im Internet gibt es diverse Seiten, die sich mit den Tweets von Donald Trump auseinandersetzen. Das Trump Twitter Archive zum Beispiel sammelt alle Nachrichten. Dort kann man dann nach bestimmten Wörtern in Tweets suchen. Eine andere Herangehensweise versucht die Washington Post mit einem eigenen Twitterprofil namens „RealDonaldContext“. Die Tweets werden dabei in ihren Kontext gestellt und versucht deren Inhalt, wenn möglich, als „inkorrekt oder falsch“ zu enttarnen.

Melissa Ludstock
Veröffentlicht von Melissa Ludstock
Melissa Ludstock ist Volontärin des DONAUKURIER.