Die spektakulärste Abfahrt der Welt – Die Streif

Sie gehören zum Winter wie die Schneeflocken – die Skirennen. An zahlreichen Orten auf der Welt finden sie statt, doch besonders eine Strecke in Österreich hat es in sich: die Streif. Sie ist die spektakulärste Abfahrtsrennstrecke der Welt. Jedes Jahr im Januar kämpfen die besten Skifahrer der Szene dort um den Sieg. Keine andere Piste flößt Sportlern mehr Respekt ein als die legendäre Abfahrt in Kitzbühel.

STREIF - ONE HELL OF A RIDE
Kinofilm von 2014 zu der Abfahrt in Kitzbühel (Trailer Deutsch).

Der Weg durch die Hölle

Die Streif wird als die Abfahrtsrennstrecke schlechthin bezeichnet. Neben den verschiedensten Geländeformen, wie einer klassischen Abfahrt, finden sich auf der Streif: Scharfe Geländekanten, die bei hoher Geschwindigkeit zu atemberaubenden Sprüngen führen, Steilhänge, Schrägfahrten, Schuss-Strecken, Kurven und Gleitstrecken. Außerdem gehören unzählige Bodenwellen und sogar kurze Bergauf-Passagen wie vor dem Seidlalmsprung zu dem Spektakel. Durch diese Stationen wird die Strecke so anspruchsvoll wie kaum eine andere.

Die gesamte Abfahrt ist in verschiedene Abschnitte gegliedert, welche Namen wie „Mausefalle“, „Seidlalm“ oder „Hausbergkante“ tragen. Die „Mausefalle“ ist der erste Sprung für die Teilnehmer. Hier müssen sie ein Gefälle von 85 Prozent überwinden. Je nach Schneelage und Präparierung segeln die Athleten bis zu 80 Meter weit durch die Luft.

Insgesamt ist der Weg durch die Hölle 3312 Meter lang. Der Start liegt auf 1.665 Metern Seehöhe. Wobei sich die Ziellinie dagegen auf gerade mal 805 Metern befindet – die Fahrer haben also eine Strecke von 3.312 Metern und 860 Höhenmetern zu überwinden.

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Foto: infografik

Die Durchschnittsgeschwindigkeit beim Hahnenkammrennen liegt bei mehr als 103 Kilometern pro Stunde. Damit die weiten Sprünge möglich sind, die die Strecke mit sich bringt, beschleunigen die Sportler auf bis zu 143 Kilometern pro Stunde. Durch die dauerhaft steilen Passagen haben sie kaum die Möglichkeit, Tempo aus der Fahrt zu nehmen.

Die Siegerzeit von 1906 lag bei rund acht Minuten auf einer Streckenlänge von drei Kilometern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22,5 Kilometern pro Stunde. Den Geschwindigkeitsrekord auf der schwierigsten Abfahrtsstrecke der Welt hat Michael Walchhofer aufgestellt. Mit sage und schreibe 153 Kilometer pro Stunde raste er 2006 über den Zielhang. Den Streckenrekord mit 1:51,58 hält bis heute Fritz Strobl (1997).

Hier zittern sogar die Profis

Immer wieder kommt es auf der wohl gefährlichsten Abfahrt der Welt zu Unfällen, die bereits für viele Sportler ein Kariereaus mit sich brachten. Dennoch wollen alle dabei sein, um ihren Traum zu verwirklichen, einmal auf der Streif zu siegen.
Früher gab es so etwas wie Sicherheitsnetze oder Absperrungen nicht. Zuschauer standen direkt neben der Abfahrt. Kam es bei Fahrern zu einem Sturz, so schoss dieser direkt in die Zuschauermengen. Was heute nicht mehr vorstellbar ist, war zu den Anfängen der Abfahrt normal. Lediglich ein paar Strohwürfel trennten die Fahrer vom Publikum. Heute wird die Stecke mit mehreren Netzen und Auffangstellen an schwierigen Stellen gesichert.

Doch nicht immer helfen die Netze den Athleten. Es gibt keine Abfahrt, auf der mehr Unfälle passieren als auf der Streif. Sie ist technisch schwer zu bewältigen. Wer hier fährt, hat keine Sekunde Zeit um nachzudenken. Eine Streif ohne einen Sturz kommt so gut wie nie vor. Hubschrauber und Ärzte gehören zu dem Rennen dazu. Es ist immer ein Schreck, wenn ein Rennfahrer auf der Strecke liegen bleibt. Sowohl die Menschen vor Ort als auch Tausende vor den Fernsehern fiebern und leiden mit den Sportlern mit. Bei den Geschwindigkeiten ist es nicht überraschend, dass Unfälle auch häufig schwerer ausfallen. Jeder, der es über die Ziellinie schafft, hat die Abfahrt bereits für sich gewonnen.

Foto: Robert Jaeger

Wer das Risiko auf sich nimmt braucht viel Disziplin. Für die Athleten gibt es so etwas wie eine Sommerpause nicht. Im Gegenteil: Im April wird der letzte Schnee noch für das Training mitgenommen. Sind die Berge wieder grün, geht es weiter. Tägliches Training steht auf dem Programm, um die circa zwei Minuten lange Abfahrt ohne Verletzungen zu überstehen. Denn eine Streif verzeiht keine Fehler. Rückt der Winter erneut näher, kommt es auf die richtige Ausrüstung an. Welcher Ski ist der richtige? Ist die Skikante passend geschliffen? Ist der Skischuh hart genug? Das sind alles Fragen, auf die die Sportler eine Antwort finden müssen, um perfekt vorbereitet an den Start zu gehen.

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Skirennfahrer Marcel Hirscher bei seinem Training. Foto: Johann Groder

Die größte Bühne im Skisport

Ihren Beginn fand die Streif am 28. März 1931 mit dem ersten internationalen Hahnenkamm-Rennen. In ihrer heutigen Form wird sie ab dem Jahr 1937 befahren.

Betrachtet man den Berg genauer, kann man erkennen, dass der Hahnenkamm Ähnlichkeit mit dem Kamm eines Gockels hat. Der stolze und kämpferische Charakter des Tieres entspricht dem Stil des Skirennens.

Bereits damals bejubelten tausende Zuschauer die Strecke. Im Rekordjahr 1999 fanden 100.000 Zuschauer an dem Rennwochenende ihren Weg nach Kitzbühel. Im Durchschnitt sehen 15.000 Zuschauer den Super-G, 25.000 sind am Ganslernhang beim Slalom dabei und 45.000 verfallen bei der Königsdisziplin, der Abfahrt, in Euphorie.

Es gibt keine andere Skistrecke, die mehr Zuschauer anzieht als die Streif. Die Fans der Fahrer sind auf der ganzen Strecke verteilt. Steht man oben am Start, sieht man vor allem große Menschenmassen. Ein Höhepunkt für Zuschauer ist die Einfahrt ins Ziel. Hier ist es weitläufig und Fans können die letzten 35 Sekunden eines Rennläufers mitverfolgen. Daher versammeln sich hier die meisten skibegeisterten Zuschauer.

Die Stadionbesucher dagegen sehen das gesamte Rennen über Leinwände und erhalten alle aktuellen Information von Sprechern. Ein Meer aus Menschen applaudiert den Rennfahrern wenn sie die Ziellinie überschreiten. In dem ganzen Ort herrscht ein Ausnahmezustand. Als krönenden Abschluss erstrahlt ein großes Feuerwerk am Abend.

Foto: Johann Groder

Eine Gondel für die Ewigkeit

Die Gondelkabinen der Hahnenkammbahn tragen die Namen aller großer Skirennläufer, die einst die Streif in Kitzbühel gewonnen haben. Jeder Athlet darf sich über seine „eigene“ Gondel freuen. Die Gondeltaufe im festlichen Rahmen gehört im Sommer selbstverständlich dazu und findet auf der Bergstation des Hahnenkamms statt. Sinn der Gondeltaufe ist es, den Sportlern den entsprechenden Respekt für ihre hervorragende Leistung entgegenzubringen.

Foto: Michael Werlberger

Ein Deutscher gewinnt die Streif: Eine echte Sensation

Einer der wenigen Deutschen, die auf der Streif triumphieren konnten, war Thomas Dreßen. Der 25-Jährige gewann 2018 sensationell und entschied erstmals nach 39 Jahren wieder das Hahnenkamm-Rennen zugunsten Deutschlands. Auch Dreßen bekam die Ehre, seine eigene Gondel zu taufen.

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Thomas Dreßen nach seinem Sieg 2018. Foto: Johann Groder
Streif echte Männersache? Die Hahnenkamm-Rennen gibt es bereits seit vielen Jahren, doch Frauen sind auf der Rennstrecke nicht zu sehen. Von 1934 bis 1961 durften sie mitfahren, jedoch nie die ganze Abfahrt bestreiten. Auch bis heute ist diese Rennstrecke ausschließlich für Männer.

Das erwartet Sie 2019

Am Montag, 21. Januar, beginnt das Rennen des Jahres zum 79 Mal erneut. Viele Fahrer versuchen ihr Glück auf der Rennstrecke in den verschiedenen Disziplinen bis zum 27. Januar.

Montag, 21. Januar 2019
17.00 Uhr Eröffnung der Rennwoche in Kitzbühel

Dienstag, 22. Januar 2019
Hahnenkamm Juniors ab 10 Uhr auf dem Ganslernhang
Abfahrtstraining ab 11.30 Uhr auf der Streif

Mittwoch, 23. Januar 2019
Abfahrtstraining ab 11.30 Uhr auf der Streif

Donnerstag, 24. Januar 2019
Abfahrtstraining ab 11.30 Uhr auf der Streif

Freitag, 25. Januar 2019
Hahnenkamm Super-G ab 11.30 Uhr auf der Streifalm
Siegerehrung ab 18.30 Uhr im Zielgelände

Samstag, 26. Januar 2019
Hahnenkamm Abfahrt ab 11.30 Uhr auf der Streif
Siegerehrung mit Feuerwerk ab 18.30 Uhr im Zielgelände
Anschließend After-Show-Partys in Kitzbühel

Sonntag, 27. Januar 2019
Hahnenkamm Slalom ab 10.30 Uhr auf dem Ganslernhang
Anschließend Siegerehrung im Zielgelände

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Thomas Dreßen bei seinem Rennen 2018 in Kitzbühel. Foto: Hans Groder
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Veröffentlicht von Selina Bohner
Hat im September 2016 ihre Ausbildung zur Medienkauffrau Digital und Print beim Donaukurier begonnen. Fährt gerne Ski und verreist in ihrer Freizeit gerne.