Ein erstklassiges Jahr für den FCI

Vom Stand weg in nur elf Jahren von der Bayernliga hinauf bis in die Bundesliga: Was dem FC Ingolstadt im Frühsommer 2015 ein gutes Jahrzehnt nach der Vereinsgründung gelang, darf man durchaus als modernes Fußballwunder bezeichnen. Wir lassen das außerordentliche Jahr der Schanzer noch einmal Revue passieren.

Man muss ein klein wenig zurückblicken, um den Aufstieg des FC Ingolstadt 04 richtig einordnen zu können. Genauer gesagt, bis zum 7. Oktober 2013. An diesem Tag begann eine neue Zeitrechnung bei dem Klub, der in den Jahren davor in den Niederungen der Zweiten Bundesliga dümpelte. Der Verein stand nach dem zehnten Spieltag mit gerade mal sieben Zählern auf dem letzten Platz der Zweitligatabelle. Trainer Marco Kurz hatte eine Woche zuvor nach nur 91 Tagen seinen Hut nehmen müssen, Interimstrainer Michael Henke mit dem 1:0 in Bochum immerhin den Abstand zum Vorletzten verringern können. Dann übernahm Ralph Hasenhüttl die Trainingsleitung beim FCI. Für manche ein Nobody. Unterhaching und Aalen hießen seine vorherigen Stationen, als Aktiver hatte der 1967 in Graz geborene lange Lulatsch (1,91 Meter) achtmal für die ÖFB-Elf gekickt, mit Austria Wien war er einige Male Meister und Pokalsieger geworden. Ralph wer?

Aber genau so einen hatte der Verein gebraucht. Einen akribischen Arbeiter, keinen Selbstdarsteller. Einen, der aus dem vorhandenen Kader das Beste herausholt. Einer, der die wahren Stärken seiner Spieler erkennt und sie noch besser macht. Und, auch nicht ganz unwichtig: einen, der den Umgang mit den Medien beherrscht.

Mit Hasenhüttl kam der Erfolg

Hasenhüttl kündigte bei seinem Amtsantritt an, vor allem am Defensivverhalten seiner Mannschaft arbeiten zu wollen. Das erste Spiel gegen Düsseldorf ging knapp verloren, dann gewann man beim Aufstiegsaspiranten Fürth mit 1:0. Nach der Hinrunde stand der FCI nicht mehr auf dem letzten, sondern auf dem 14. Platz. Aus sieben Spielen hatte der Österreicher mit seinem Team 13 Punkte geholt. Am Ende der Saison 2013/2014 bedeutete Rang zehn das bis dahin beste Resultat der zehnjährigen Vereinshistorie. Allein das Zuschauerinteresse ließ zu wünschen übrig: Knapp 6800 Besucher kamen im Schnitt zu den Heimspielen der Schanzer, so wenige wie noch nie in der 2. Liga.

Experten hatten den FCI, in der Vorsaison immerhin sechstbestes Team der Rückrunde, vor der Meistersaison 2014/2015 auf der Rechnung.  Am 27. September 2014, nach dem achten Spieltag, waren die Schanzer erstmals Tabellenführer. Dieser Tag war ein historischer: Der FCI hatte den 36 Jahre alten Zweitliga-Rekord von Bayer Leverkusen geknackt, war auswärts in 17 Spielen in Folge ungeschlagen geblieben. Der Rekord wurde schließlich auf 19 niederlagenlose Spiele erhöht. Beim letzten Heimspiel am 17. Mai – donaukurier.de berichtete ausführlich via Live-Blog – machte der FC Ingolstadt durch einen 2:1-Sieg gegen RB Leipzig die Meisterschaft perfekt. Am Ende standen 64 Zähler (17 Siege, 13 Unentschieden, 4 Niederlagen) bei einem Torverhältnis von 53:32 auf dem Zettel. Und auch die Fans zogen mit: 9932 Anhänger strömten im Schnitt in die 17 Heimspiele des FCI in den Audi-Sportpark. Regisseur Pascal Groß war zudem der überragende, laut „kicker“ notenbeste Zweitliga-Feldspieler der Saison – auch die DONAUKURIER-Leser kürten Groß mit deutlichem Abstand zum Spieler der Saison, gefolgt von Kapitän Marvin Matip und Ramazan Özcan sowie Roger, die beide auf Platz drei landeten.

Mit dem Schlusspfiff am 17. Mai 2015, genau um 17.19 Uhr, stand der FC Ingolstadt als 54. Klub in der Fußball-Bundesliga fest. Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttl ließ seinen Tränen auf dem Rasen des Audi-Sportpark freien Lauf und wurde von den Anhängern gefeiert. Elf Jahre, drei Monate und zwölf Tage nach der Gründung des FC Ingolstadt am 5. Februar 2004 stand der Aufstieg des Vereins in die Beletage des deutschen Fußballs fest.

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Ralph Hasenhüttl mit Fans des FCI.
Oliver Strisch FCI-Coach Ralph Hasenhüttl Momente nach dem Schlusspfiff.
Wir haben etwas Historisches geschafft. FCI-Trainer Ralph Hasenhüttl

Seine Frau sollte Recht behalten: Sie hatte ihrem Mann prophezeit, dass er als Trainer besser sein werde, als er es je als Spieler war. Zweitliga-Meisterschaft und Bundesliga-Aufstieg mit dem FCI, das steht fortan auf der Visitenkarte des Österreichers. Zur Szene nach dem Schlusspfiff meinte er nachher: „Das war sehr emotional, dabei bricht es auch irgendwann aus einem heraus. Ich mag mich da auch nicht zurückhalten. Erst danach realisiert man langsam, dass wir trotz aller Rückschläge etwas Historisches geschafft haben.“

Das ist die Erfüllung eines Traums Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer

Im ausverkauften Audi-Sportpark brachen an jenem 17. Mai 2015 alle Dämme. Mit dem Schlusspfiff strömten die Fans auf den Rasen, „Zweitliga-Meister FCI“ und „Nie mehr zweite Liga“ schallte es durchs Stadion, „We Are The Champions“ dröhnte aus den Stadion-Lautsprechern und Torwart Ramazan Özcan, auch ein Garant dieser so erfolgreichen Saison, forderte die Anhänger auf, alle Lkw leerzutrinken – Freibier für alle war angesagt! Auch der Ministerpräsident war unter den Feiernden. „Ich habe viele alte Ingolstädter mit Tränen in den Augen gesehen“, sagte Horst Seehofer, der zwölf Kilometer vom Stadion entfernt wohnt. In seiner Jugendzeit sei man nach Nürnberg oder München gefahren, wenn man Spitzenfußball sehen wollte. „Jetzt muss man als Gerolfinger nur noch über die Donau fahren. Das ist die Erfüllung eines Traums.“

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FCI-Fans strömen nach dem Abpfiff auf den Rasen des Audi-Sportpark.
Oliver Strisch Nach dem Schlusspfiff stürmten die FCI-Fans den Rasen des Audi-Sportpark.
Einfach geil. FCI-Boss Peter Jackwerth

Alle Zweifler Lügen gestraft

Im bierdurchtränkten Sakko und mit verklebten Haaren zog FCI-Boss Peter Jackwerth ein Fazit: „Für uns ist das alle ein Traum, einfach geil. Man muss sich nur mal vor Augen halten, dass wir mit Ingolstadt jetzt zu den 18 besten Mannschaften Deutschlands zählen.“ Der 57-Jährige nannte Ralph Hasenhüttl als den „Vater des Erfolgs“. Er sei glücklich, nachdem man vor elf Jahren mit dem ESV noch in der Bezirksoberliga gespielt hätte. „Der Verein ist nach meiner Familie mein zweites Lebenswerk – und damit sind wir jetzt am Ziel.“ Und einen Seitenhieb auf all die Zweifler konnte sich Jackwerth nicht verkneifen. Er erinnerte sich an seine erste Pressekonferenz 2005 im Le Café, wo er wegen seiner Ideen ausgelacht wurde. „Diese Leute haben wir heute Lügen gestraft. Diese ganzen Dummschwätzer und Dummschreiber, die immer wieder vom Werksklub und dem ganzen Scheiß erzählt haben, die sollen sich mal anschauen, was hier heute im Stadion los war.“ Ursprünglich hatte Jackwerth angekündigt, nach einem Jahr Bundesliga als Vereinsboss aufhören zu wollen. Das hat er inzwischen verworfen. „Dazu ist es zu schnell gegangen, dafür bin ich noch zu jung.“

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PJ
Schiffmann FCI-Boss Peter Jackwerth am Ziel seiner Fußball-Träume.

Acht Tage später stieg die große Aufstiegsfeier. Spieler und Verantwortliche des FCI zogen mit einem Auto-Korso in 18 Audi-Cabrios von der Manchinger Straße und der Schillerbrücke zum Paradeplatz, dann durch die Fußgängerzone bis zum Rathausplatz, wo Tausende Fans warteten und die Feierlichkeiten stattfanden. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Ingolstadt – OB Christian Lösel sprach von einem „wahr gewordenen Traum“ – wurden alle Spieler einzeln auf die Bühne gerufen. Spieler wie Andre Mijatovic, Ralph Gunesch und Karl-Heinz Lappe, der in 182 Spielen 86 Tore für den FCI erzielt hatte und den Verein nach sechseinhalb Jahren in Richtung FC Bayern II verließ, wurden verabschiedet. Das Bayerische Fernsehen übertrug die Aufstiegsfeier live, und spätestens von diesem Tag an wusste auch der Rest Fußball-Deutschlands: Sie können feiern, die Ingolstädter (Liveblog der Feierlichkeiten auf donaukurier.de)!

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Aufstiegsfeier des FC Ingolstadt am Rathausplatz.
Johannes Hauser Tausende Fans feierten am 25. Mai die Meisterschaft und den Bundesliga-Aufstieg mit den FCI-Profis.

Wichtige Personalie: Roger bleibt

Der FC Ingolstadt konnte für seine erstes Bundesliga-Jahr alle wichtigen Spieler halten. Auch Roger blieb. Der Brasilianer war neben Pascal Groß der Gewinner unter Trainer Hasenhüttl. Anfangs ob seiner limitierten Technik und teils haarsträubender Fehler in der Defensive noch verspottet, konzentrierte er sich in der Aufstiegssaison auf seine Stärken und avancierte zum Liebling der Fans. Mit seinem ebenso schnörkel- wie kompromisslosen Spiel auf der so wichtigen Sechser-Position war er ein Garant des Erfolgs, der Stabilisator in der Defensive. Der im Sommer 2012 von Energie Cottbus zum FCI gekommene Brasilianer bezeichnete Ingolstadt im Sommer 2015 als sein zweites Zuhause.

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Roger ist eine der Defensiv-Säulen beim FC Ingolstadt.
SID Das personifizierte Abwehrbollwerk beim FCI: Roger.

Als Neuzugänge wurden Stürmer Elias Kachunga vom SC Paderborn, die Verteidiger Romain Brégerie von Mitaufsteiger Darmstadt 98 und Markus Suttner von Austria Wien sowie der norwegische Nationalkeeper Örjan Nyland verpflichtet. Verzichten mussten die Schanzer zum Bundesliga-Start neben dem verletzten Kapitän Marvin Matip (er hatte sich gegen Union Berlin den Oberarmkopf gebrochen) und Linksverteidiger Danilo, der sich zum Saisonende in der Zweiten Liga mit Schmerzen im Zeh herumplagte und immer wieder fitspritzen ließ, auf den Langzeitverletzten Danny da Costa. Der U21-Nationalspieler hatte sich am 31. Oktober 2014 bei einem harten Zweikampf mit Düsseldorfs Lukas Schmitz einen offenen Schienbeinbruch zugezogen. In einem Interview mit dem DONAUKURIER sprach er über den Heilungsverlauf.

Eine Neuerung wurde im Juni im Bereich Trikotsponsoring bekanntgegeben: Nach neun Jahren mit den vier Audi-Ringen machte der Autobauer Platz für die Media-Saturn-Holding. Die Schanzer werben vorerst bis zum Sommer 2018 mit dem Schriftzug Media-Markt auf der Brust. Dem Vernehmen fließen dafür rund zwei Millionen Euro jährlich in die Kassen des Bundesliga-Aufsteigers.

Der Kampf um die Nummer eins

Nach dem Sommertrainingslager in Österreich stand FCI-Coach Ralph Hasenhüttl vor einem Luxusproblem: Wen sollte er zum Pflichtspielauftakt ins Tor stellen, „Rambo“ Özcan von der Aufstiegself oder Neuzugang Nyland? Für den einen sprachen die großartigen Reflexe sowie die eingespielten Abläufe mit den Vordermännern, der andere galt als mitspielender, technisch guter Keeper. Hasenhüttl dachte an eine Rotation im Tor. Im DFB-Pokal durfte zunächst einmal der Norweger ran, und nach schlechter, alter Tradition verabschiedete sich der FCI früh aus diesem Wettbewerb (bei neun Teilnahmen war sechsmal nach dem ersten Spiel Schluss). Mit 1:2 unterlag man beim Viertligisten SpVgg Unterhaching. Aber während der Pokal früher vor allem wegen der Möglichkeit, einen namhaften Gegner aus dem Fußball-Oberhaus zugelost zu bekommen, interessant war, kamen Mannschaften wie Bayern München, Borussia Dortmund und Co. nun ja sowieso nach Ingolstadt. Das Abenteuer Bundesliga mit einem eingespielten Team mit neuen Optionen konnte beginnen, und es begann mit einem Start nach Maß: Dank einer einsatzfreudigen und cleveren Vorstellung gewann der Aufsteiger beim FSV Mainz mit 1:0. Hasenhüttl sprach anschließend von einer „geilen Mannschaft“, die er da trainiert. Das erste Bundesliga-Tor der Schanzer gelang Lukas Hinterseer, zwischen den Pfosten stand  Ramazan Özcan.

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Die Spieler des FC Ingolstadt nach dem Sieg in Mainz.
imago Die Spieler des FCI feiern den Bundesliga-Auftaktsieg in Mainz.

Und bereits zum ersten Heimspiel im deutschen Fußball-Oberhaus kam ein ganz dicker Brocken an die Schanz, Borussia Dortmund mit seinem neuen Trainer Thomas Tuchel. Der Audi-Sportpark war rappelvoll, die Choreo der FCI-Anhänger auf der Südtribüne großartig, alles war angerichtet für eine gelungene Premiere. Bis zur 55. Minute hielt Ingolstadt mit den wiedererstarkten Borussen gut mit, dann musste Nyland zum ersten Mal hinter sich greifen. Am Ende stand’s 0:4, und damit war der FCI noch gut bedient. „Für den Anfang eine Nummer zu groß“, titelte der DONAUKURIER. Doch Pfiffe der Fans blieben aus. „Das Drumherum war überragend“, freute sich FCI-Spielmacher Pascal Groß, Hasenhüttl lobte den eigenen Anhang und sprach von einem „tollen Erlebnis“.

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BVB-Stürmer Aubameyang überwindet FCI-Torwart Orjan Nyland.
Oliver Strisch Aubameyang überwindet FCI-Torwart Orjan Nyland. Das 4:0 war der Schlusspunkt.

Weit gefehlt, wer nun dachte, der Höhenflug des FCI sei vorbei: Auch das zweite Auswärtsspiel beim FC Augsburg gewannen die Schanzer dank eines überragenden Özcan im Tor (seitdem ist „Rambo“ wieder die unangefochtene Nummer eins) und des Sonntagsschusses von Mathew Leckie mit 1:0, Roger hatte zudem das Duell gegen den Ex-FCI-Spieler Caiuby für sich entschieden. Und wieder war ein Rekord eingestellt: Zwei Auswärtssiege als Neuling waren zuletzt 1966 Fortuna Düsseldorf gelungen.

Drei Auswärtssiege zum Auftakt – der FCI schreibt Bundesliga-Geschichte

Kurz vor dem Ende der Transferperiode schlug der FC Ingolstadt am 31. August noch einmal zu und verpflichtete mit Maurice Multhaup von Schalke 04 einen offensiven Mittelfeldspieler. Nächster Heimspielgegner war Champions-League-Anwärter VfL Wolfsburg, und man wollte nicht erneut unter die Räder kommen. Die „offensive Defensive“, das frühe Pressing der Schanzer, führte zu einem 0:0 gegen den VfL. Und eine Woche später war der nächste Bundesliga-Rekord fällig: Drei Siege auf fremdem Platz zum Saisonauftakt hatte vorher noch nie ein Aufsteiger geschafft – bis der FCI kam. Moritz Hartmanns verwandelter Elfmeter brachte den 1:0-Sieg bei Werder Bremen.

Der erste Bundesliga-Sieg im Audi-Sportpark

Im vierten Heimspiel im Fußball-Oberhaus sollte dann endlich der erste Sieg vor eigenem Publikum gelingen. Als Pascal Groß nach 78 Minuten mit einem satten 20-Meter-Schuss das 1:0 gegen Eintracht Frankfurt erzielte, bebte der Audi-Sportpark – nach 347 Minuten war dem FCI das erste Bundesliga-Heimtor gelungen. Stefan Lex machte mit seinem Tor zum 2:0 sechs Minuten später den Endstand perfekt.

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Pascal Groß bejubelt sein Tor für den FC Ingolstadt gegen Eintracht Frankfurt.
Oliver Strisch Riesenjubel: Pascal Groß bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen Frankfurt. Links feiert Trainer Hasenhüttl mit.

Es gab aber einen dicken Wermutstropfen: Roger verließ das Stadion mit einer Schiene am linken Knie. Diagnose: Teilanriss des Innenbandes. Der FCI musste mehrere Wochen ohne seinen Abräumer auskommen. Neuzugang Romain Brégerie sollte ihn fortan auf der Position des Sechsers ersetzen. Und es ging weiter: Stefan Lex zog sich beim Spiel gegen den VfB Stuttgart eine Zerrung des Syndesmosebandes am rechten Sprunggelenk zu und musste wochenlang pausieren, wo es im Angriff doch ohnehin schon krankte: Gerade mal sechs Treffer gelangen dem Aufsteiger nach zehn Spieltagen, und so reichte den Gästen aus Berlin auch ein Treffer zum 1:0-Sieg der Hertha im Audi-Sportpark. 14 Punkte und Rang acht bedeuteten dennoch einen mehr als beachtlichen Bundesliga-Start des FCI.

Ein 15-Tore-Stürmer ist zu teuer. Sportdirektor Thomas Linke

Die Ingolstädter Eichhörnchentaktik nach zwölf Spielen: 16 Punkte, Platz 10 und sechs Punkte Abstand zum Abstiegsrelegationsplatz 16. Gerade einmal neun Gegentore waren ein toller Wert, nur der außer Konkurrenz spielende FC Bayern (vier Gegentore) war besser. Lediglich sieben erzielte Tore waren jedoch der Minuswert der Bundesliga. „Irgendwann wird mal wieder einer reinrutschen“, hoffte Trainer Hasenhüttl. Denn, und das verrät FCI-Sportdirektor Thomas Linke im DK-Interview: „Ein 15-Tore-Stürmer ist für uns zu teuer.“ Interesse besteht, sofern man Gerüchten glauben darf, an Guido Burgstaller, Angreifer des Zweitligisten 1. FC Nürnberg.

Doppelpack des Bombers

Dann die nächste Premiere für den FCI: Erstmals gelingt einem Ingolstädter in der Bundesliga ein Doppelpack. Passenderweise ist es Moritz Hartmann, Spitzname „Bomber“ und seit 2009 bei den Schanzern, der zwei Treffer zum wichtigen 3:1-Sieg gegen Mitaufsteiger Darmstadt 98 beisteuert. Fünfeinhalb Jahre musste er auf dieses Erfolgserlebnis warten, eine lange Zeit für einen Stürmer. Zuletzt hatte er am 6. März 2010 zweimal getroffen, beim 3:3 in der 3. Liga gegen Eintracht Braunschweig. „Das ist schon so lange her, das will ich gar nicht wissen“, meinte der dienstälteste FCI-Spieler, als er vom DONAUKURIER darauf angesprochen wurde.

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Moritz Hartmann vom FC Ingolstadt trifft gegen Darmstadt 98 per Elfmeter.
Jürgen Schuhmann FCI-Dauerbrenner Moritz Hartmann trifft gegen Darmstadt per Elfmeter.

Eine Woche später folgt der bislang schwächste Bundesliga-Auftritt des Neulings: In Hannover geht man sang- und klanglos mit 0:4 unter. Noch beträgt der Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz 16 komfortable neun Zähler.

Dem FC Ingolstadt gehen in der Schlussphase der Hinrunde die Linksfüßer im Defensivbereich aus: Neben dem Dauerverletzten Danilo müssen verletzungsbedingt auch die beiden anderen potenziellen Linksverteidiger Markus Suttner und Konstantin Engel passen. Ein „Ungelernter“ – oder nennen wir ihn Umschüler, muss ran. Robert Bauer wechselt die Seiten, so wie er es bereits in der U20-Nationalmannschaft getan hat.

Roger trifft und verschuldet Gegentor

Es folgt ein weiteres Sechs-Punkte-Spiel gegen einen unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. „Wir wollen Hoffenheim auf Distanz halten“, sagt Ralph Hasenhüttl vor dem Spiel. Lange führt man durch Rogers tolles Freistoßtor, dann erleben die 14.255 Zuschauer im erstmals bei einem Bundesliga-Heimspiel nicht ausverkauften Audi-Sportpark den nicht mehr für möglich gehaltenen Ausgleich.

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Roger bejubelt sein Tor zum 1:0 gegen Hoffenheim.
Oliver Strisch Endlich ein Tor! Roger (links) bejubelt sein Traumtor zur 1:0-Führung gegen Hoffenheim.

Aufgrund einer langen Behandlungspause (Hübner verletzte sich) lässt der Unparteiische sieben Minuten nachspielen. Kurz vor Abpfiff haut Roger den Ball nicht aus der Gefahrenzone, sondern versucht ihn abzuschirmen. Uth schnappt sich das Leder und trifft eine Minute vor dem Schlusspfiff zum 1:1 für die Gäste. Ein vergebener Sieg, der in der Endabrechnung weh tun könnte. Sieben Punkte ist der FCI noch entfernt vom Abstiegs-Relegationsplatz 16, zehn von Schlusslicht TSG Hoffenheim.

Vor acht Jahren gegen den SC Pfullendof, jetzt beim FC Bayern

Und dann folgt das Highlight der Hinrunde: Der FC Ingolstadt gastiert beim FC Bayern. So wie den Jungs von 19er Alu, die für donaukurier.de schon so manch prominenten Fußball-Aficionado vor die Kamera lockten, geht es sicher vielen FCI-Anhängern: „Wir dachten noch daran, wie es war, vor acht Jahren in der Regionalliga Süd. Damals hießen die Gegner noch FK Pirmasens, SC Pfullendorf oder es ging gegen die Sportfreunde Siegen. Und dann siehst du das Shakehands der Schanzer Kicker vorm Spiel mit Lahm, Müller, Neuer, Boateng, Lewandowski & Co vom FC Bayern München. Manchmal müssen wir uns selbst zwicken, dass wir es glauben können.“

Ihr wart lauter als die Bayern-Fans. FCI-Stürmer Stefan Lex

7500 Schanzer Fans feuern ihre Mannschaft an diesem milden Samstagnachmittag im Dezember in der Allianz-Arena an. Und die restlichen 68.000 Fans reiben sich nach 45 Minuten verwundert die Augen und verabschieden ihren FCB mit einem Pfeifkonzert in die Kabinen: Im ersten Durchgang haben die Gäste aus der Donaustadt die besseren Chancen und hätten eigentlich in Führung gehen müssen. Nationalkeeper Manuel Neuer hält die Null, er pariert mehrere Male in höchster Not. Trainer-Gott Pep Guardiola nimmt während der zweiten Halbzeit einige Umstellungen vor (der berühmte Zettel an Kapitän Lahm), und am Ende hat der Rekordmeister mit 2:0 das bessere Ende doch für sich. „Die Enttäuschung überwiegt, weil du aus diesen vielen Chancen einfach mal ein Tor machen musst“, sagt FCI-Co-Trainer Michael Henke. Stefan Lex, der zwei Großchancen vergab, ärgert sich „maßlos“, bedankt sich auf seiner Facebookseite aber für den Support der eigenen Fans. „Ihr wart großteils lauter als die Bayern“, schreibt er – was in der ersten Halbzeit auch zutraf.

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Robert Lewandowski versucht FCI-Keeper Ramazan Özcan zu überwinden.
Andreas Gebert/dpa Robert Lewandowski versucht, den Ball an FCI-Keeper Ramazan Özcan vorbeizuheben.
Großes Kompliment für euren Mut! Bayern-Coach Pep Guardiola

Pep Guardiola lobt den FC Ingolstadt

Stefan Leitl, der das Spiel im donaukurier.de-Liveblog mitkommentiert hat, lobt den engagierten Auftritt der Schanzer: „Die Mannschaft hat auch gegen den FC Bayern das Gesicht des FC Ingolstadt gezeigt, nicht destruktiv gespielt. Mit ein bisschen Glück kann’s auch 2:0 oder 2:1 für uns ausgehen.“ Und das größte Lob kommt von Bayern-Coach Guardiola. „Heute haben wir gegen die bisher beste Mannschaft gespielt in dieser Saison, großes Kompliment für euren Mut“, sagt der Spanier, der den FC Bayern zum Saisonende wahrscheinlich Richtung Premier League verlassen wird. Und Peter Jackwerth? Ist stolz auf seinen FCI, ärgert sich über die dumme Situation, die zum ersten Tor der Bayern führte und hätte gern einen Knipser in der Winterpause. „Wenn es für dieses Geld etwas gibt, dann werden wir hoffentlich zuschlagen“, sagt er im DK-Interview.

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Ralph Hasenhüttl und Pep Guardiola.
Stefan Bösl Bayern-Coach Pep Guardiola beglückwünscht Ralph Hasenhüttl nach dem Spiel und lobt den mutigen Auftritt des FC Ingolstadt.

Das letzte Hinrundenspiel verlor der FC Ingolstadt vor eigener Kulisse gegen Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen. Weil man die guten Chancen im ersten Durchgang einmal mehr versiebte und Leverkusen mit dem ersten Angriff traf, hieß es am Ende 0:1. Erstmals durfte Nyland wieder das Tor hüten – zum dritten Mal in dieser Saison. Und zum dritten Mal verließ der FCI als Verlierer den Platz. Der FC Ingolstadt schließt die Hinrunde als Tabellen-Elfter ab. Fünf Siege, fünf Unentschieden, sieben Niederlagen, 11:18 Tore, 20 Punkte (hier gibt’s das Zwischenzeugnis für alle Spieler). Der Vorsprung auf Relegationsplatz 16 beträgt noch fünf Punkte.

Vier Testspiele in der Winterpause

Was passiert in der Winterpause? Der FCI hat sich aufgrund der milden Temperaturen und der kurzen Pause dazu entschlossen, erstmals seit vielen Jahren nicht zu verreisen. Trainingsstart ist am 3. Januar, vier Testspiele (gegen Aalen, Großaspach, den KSC und Kaiserslautern) sind bereits terminiert. Dass man versucht, einen weiteren Stürmer zu verpflichten, klang in diesem Artikel bereits mehrfach an. Möglicherweise trennt man sich in der Winterpause auch von dem ein oder anderen (Kachunga und Pekhart sind mögliche Kandidaten).

Was wird aus Danilo?

Ein großes Fragezeichen steht darüber hinaus hinter der Personalie Danilo. Er kam beim letzten Hinrundenspiel gegen Leverkusen zu seinem ersten Einsatz in dieser Saison. Im November war davon die Rede, dass der Brasilianer, in der Zweitliga-Meistersaison ein absoluter Garant für den Höhenflug der Schanzer, seinen im Sommer 2016 auslaufenden Vertrag wohl nicht verlängern werde. Wenn dem so ist, könnte Danilo nach dieser Saison abslösefrei wechseln (ein Kandidat ist Eintracht Frankfurt). Auf der einen Seite kann Hasenhüttl den wieder genesenen Außenveteidiger jetzt, wo Suttner und Engel noch verletzt sind, gut gebrauchen. Auf der anderen Seite gibt’s für den Verein nur dann etwas zu verdienen, wenn der Brasilianer bereits im Winter geht. Aber vielleicht läuft es bei dem 24-Jährigen am Ende ähnlich wie bei seinem Landsmann: Roger schien in der Sommerpause abwanderungswillig – und blieb dann doch.

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Verteidiger Danilo vom FC Ingolstadt.
Stefan Bösl Bleibt er oder geht er? Die Zukunft von Verteidiger Danilo ist ungewiss.

Zuversichtlich in die Rückrunde

Man gehe zuversichtlich in die Rückrunde, sagt Ralph Hasenhüttl. Im kompletten Jahr 2015 kommt er lediglich auf zwei enttäuschende Vorstellungen seiner Mannschaft: das 1:3 in der Zweitliga-Rückrunde gegen den SV Sandhausen sowie das 0:4 in der Bundesliga-Hinrunde bei Hannover 96. Es sei schwierig, einen Stürmer zu finden, der der Mannschaft wirklich weiterhelfe und der bezahlbar sei. Den Namen Guido Burgstaller wollte er nicht kommentieren. Gefragt nach seinem schönsten Moment, antwortet der 48-Jährige: „Jedes Mal, wenn mir ein Fan ins Gesicht lacht und sagt, was das für geile Spiele sind, die er mit den Schanzern erlebt. Und das kam in diesem Jahr Gott sei Dank ziemlich oft vor.“

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Ralph Hasenhüttl
Andreas Gebert/dpa Ralph Hasenhüttl, Trainer des FC Ingolstadt 04.
Uwe Ziegler
Veröffentlicht von Uwe Ziegler

Seit 2001 in der Digital-Redaktion des DK mit einem Faible für Film, Musik, Fußball, Literatur, Digitales und allem, was Bayern ausmacht. Mag besonders gern Interviews mit Menschen jeglicher Coleur.