Circus Roncalli

Nostalgisch, romantisch und voller Selbstironie: Mit viel Konfetti eröffnet der Circus Roncalli am Donnerstag sein Programm „Salto Vitale“ auf dem Volksfestplatz. Die Zuschauer lachen, jubeln und staunen über ein Programm, in dem eine Überraschung auf die nächste folgt.

Der samtene Vorhang hebt sich mit einem Tusch und dahinter liegt – ein riesiger weißer Luftballon. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass darin der Kopf eines Menschen steckt. Der Mann verschwindet bald ganz in dem Ballon und hüpft als weißer Flummi quer durch die Manege. Plötzlich wächst aus der winzigen Öffnung ein zweiter Ballon: Langsam entsteht ein rotes Gummiherz. „Ooooooh“, raunt das Publikum entzückt.

Von der ersten Minute an sind die Ingolstädter im Circus Roncalli voll dabei. Gejohle erntet schon der erste Clown, Sergej Maslennikow, nachdem er einer Besucherin einen Eimer Papierschnipsel auf den Kopf gekippt hat. Die Spaßmacher in großen Schuhen und weiten Hosen sind bei Roncalli der rote Faden. Sie stolpern über Stühle, werfen mit Eiern und musizieren auf Blasebälgen. Kinder und Erwachsene lachen Tränen.

Was Roncalli an diesem Abend bietet, ist Circus wie aus dem Bilderbuch. Schon am Eingang empfangen Pagen in rotgoldenen Livrees die Besucher mit Konfetti, es duftet nach Sägemehl und Popcorn. Bis hin zu den filigranen Mülleimern ist das Zelt ein Gesamtkunstwerk: goldene Schnitzereien, Sterne an der dunkelblauen Zeltdecke. Jeder Tusch und Trommelwirbel kommt von der eigenen Live-Kapelle und der rote Vorhang öffnet sich wie von Zauberhand.

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Flötenartist Gabor Vosteen. Foto: Martina Persy

Ein Schlitten saust in die Manege, gezogen von Huskeys und schneeweißen Spitzen. In der Kulisse eines Wintermärchens lassen drei in Pelzmäntel gewandete Damen der Familie Saabel die Hunde durch die Manege toben. Mit lautem Gebell springen sie durch Reifen und über Hürden – oder auch nicht. Wenn ein Trick nicht funktioniert, ist das für die Dompteurinnen kein Beinbruch. Hauptsache, das Rudel hat Spaß an der Sache!

Genau das macht die Circustruppe so sympathisch: „Sich selbst bloß nicht zu ernst nehmen!“, scheint ihr Credo zu sein. Luft anhalten beim Hochseilakt, Zittern bei der Löwennummer: All das gibt es bei Roncalli nicht. Statt Wildtieren und Risiko bieten die Artisten ein Programm mit Augenzwinkern. Selbst wenn die ungarischen Csàszàr-Brüder die Artistin Engina meterhoch in Richtung Zirkusdecke schleudern, bleibt Zeit für einen Gag: Einer der Männer flirtet lieber mit der Violinistin, als pünktlich zur Nummer anzutreten.

Werden Sie Kind!

Wenn es danach ans Umbauen geht, bleibt keine Zeit für Langeweile. Selbst das Fegen der Manege wird zum Erlebnis, wenn der kleinste Clown die größte Harke hat – und trotzdem lieber inbrünstig ins Publikum winkt. Wenn die Komiker Pause machen, tanzen vier Ballerinas durchs Publikum, gekleidet genauso aufwendig und detailverliebt wie die Artisten.

Der Mantel des Weißclowns Yann Rossi ist blau, weit und bestickt mit unzähligen Pailleten. „Werden Sie Kind“, fordert der Gastgeber die Zuschauer gleich zu Beginn auf. Von da an ist die Vorstellung ein Dialog zwischen Schaustellern und Publikum. Den beherrscht auch Konstantin Muraviev, der das Bild eines Bodybuilders aufhängt, um dann seinen eigenen, riesigen Kissenbauch in Angriff zu nehmen – mit was für erstaunlichen Mitteln, sei hier nicht verraten.

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Weißclown Yann Rossi. Foto: Martina Persy

Auch Gabor Vosteen, dem die Haare buchstäblich zu Berge stehen, begeistert das Publikum – obwohl er nicht viel mehr mitbringt als ein paar bunte Blockflöten. Wer allerdings auf einem Bein steht und mit fünf Flöten gleichzeitig „Freude, schöner Götterfunken“ spielt, der erringt die Sympathie des Publikums.

Die Artisten revanchieren sich mit einem Abschlusstanz mit den Logengästen. Dann winken die Artisten, goldene Funken sprühen und die Zuschauer erheben sich jubelnd. Als traditionsgemäß der Schlussclown auftritt, ist das Zelt allerdings schon halb leer. Schnell zum Auto zu kommen, ist einigen offenbar wichtiger, als nach zweieinhalb Stunden Unterhaltung den Artisten zu applaudieren.

Text: Annika Schneider

Vorstellungen: Der Circus Roncalli gastiert noch bis zum 29. November auf dem Volksfestplatz an der Dreizehnerstraße. Vorstellungen sind mittwochs bis samstags um 19.30 Uhr, mittwochs und samstags auch um 15.30 Uhr, sonntags um 14 und 18 Uhr. Karten gibt es täglich ab 12 Uhr an der Zirkuskasse oder in den Geschäftsstellen des DONAUKURIER in Ingolstadt und der Region.
Isabel Ammer
Veröffentlicht von Isabel Ammer