Seit 50 Jahren auf Verbrecherjagd – „Aktenzeichen XY…ungelöst“ feiert Geburtstag

„Aktenzeichen YX…ungelöst“ – eine Institution der deutschen Fernsehlandschaft feiert ihren 50. Geburtstag. Vor einem halben Jahrhundert, genauer gesagt am 20. Oktober 1967, ging „Aktenzeichen XY…ungelöst“ im ZDF erstmals auf Sendung.

Ab 1968 gab es rund 35 Jahre lang eine Kooperation mit dem ORF (Österreich) und dem SRF (Schweiz).  Ziel der Sendung ist die Aufklärung von Verbrechen – unter tatkräftiger Unterstützung der Zuschauer. „Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen […] ist der Sinn unserer neuen Sendereihe“, hieß es in der Premierensendung von „Aktenzeichen YX…ungelöst“.

Das Prinzip von „Aktenzeichen XY…ungelöst“

Meist geht es um Mord, Entführung oder Raub. Einen Eindruck vom Tatgeschehen erhalten die Zuschauer beispielsweise durch Filmbeiträge, in die Ermittlungsergebnisse der Polizei eingeflochten werden. Genauso kommen Personenfotos, Fahndungs- und Phantombilder sowie für den Fall markante Gegenstände zum Einsatz.

Einige der Fälle, die sich im Sommer ereigneten, wurden aus Kostengründen im Winter gedreht oder umgekehrt. Die Wahl des Drehortes fiel dabei nicht immer zwingend auf den eigentlichen Tatort. Grund: Man wollte die Täter nicht vorab auf die anstehende TV-Fahndung aufmerksam zu machen. Bei der Suche nach den Tätern spielen die Zuschauer eine entscheidende Rolle. Diese haben die Möglichkeit, sich entweder per Telefon – oder mittlerweile natürlich auch per Internet – in die Sendung einzubringen.

Die Geschichte von „Aktenzeichen XY…ungelöst“

Am 17. Januar 1975 flimmerte die erste Episode in Farbe über die Bildschirme. Da war Moderator Eduard Zimmermann längst dabei, Sabine Zimmermann stieß ab der 200. Folge dazu.  Eduard Zimmermann gab sein Amt in der 300. Folge am 24. Oktober 1997 an Butz Peters ab.

Seit dem 18. Januar 2002 moderiert Rudi Cerne die Sendung.

In den Außenstudios moderierte in Österreich ab 1968 zunächst Teddy Podgorski. Er wurde 1971 von Peter Nidetzky abgelöst. In der Schweiz führten Werner Vetterli (ab 1969), Konrad Toenz (ab 1976) und Stephan Schifferer (ab 1998) durch die Sendung.

Die Zusammenarbeit mit Österreich endete 2003, jene mit den Eidgenossen ein Jahr später. Zu den Hochzeiten der Sendung hatte „XY“ 18 Millionen Zuschauer, die Einschaltquoten sind heutzutage nicht mehr so hoch wie früher. In 50 Jahren „Aktenzeichen XY…ungelöst“ gab es auch einige Fälle, die besonders hier in der Region für Aufsehen sorgten.

„Aktenzeichen XY…ungelöst“ – Verbrechen aus der Region

Der Fall Manfred Deindl

Vor über 20 Jahren, am 19. September 1996, wurde der 46-jährige Postbeamte Manfred Deindl während der Arbeit im Lentinger Postamt erdrosselt. Der Fall ist bis heute ungeklärt. Eine Menge Fragen bleiben: War es ein Kollege? Oder ein mysteriöser Unbekannter namens „Dieter Grasser“, der in den Wochen vor Manfred Deindls Tod einige Male bei Deindl auf dem Postamt erschien und immer wieder nach angeblich verlorenen Kontaktlinsen gefragt hatte? Manfred Deindl scheint eine Vorahnung gehabt zu haben. Darauf deuten seine Benachrichtigungen an das Hauptpostamt in Ingolstadt als auch die Erzählungen an seine Frau hin (der DONAUKURIER berichtete). Kurz vor seinem Tod schrieb er „Überfall. 2. Versuch.“ auf einen Zettel.

Der Fall Lorenz Riegler

Kurz vor Weihnachten im Jahr 1989: Lorenz Riegler, damals 20 Jahre alt, hatte an jenem Abend eine Discothek in Lenting besucht und dort eine Menge Alkohol getrunken. Als er später vollkommen betrunken, wie Zeugen aussagten, die Disco verließ, verlor sich seine Spur. Über Jahre hinweg blieb das Schicksal des jungen Mannes offen. Erst als die Polizei den Fall im Frühjahr 2001 noch einmal aufrollte, kam ein wenig Licht ins Dunkel. Zwei Bekannte Lorenz Rieglers hatten ihn heimbringen wollen. Doch unterwegs kam es zum Streit, das Duo ließ den jungen Mann hilflos im Wald zurück. Dort fanden sie ihn tags darauf tot im Auto.

Der Fall Pit Koller

Am 27. Mai 1999 will Fitnessstudio-Besitzer Pit Koller um 21.30 Uhr im niederbayerischen Abensberg auf sein Motorrad steigen. Dann trifft er seinen Mörder. Zunächst gibt es ein Wortgefecht. Doch der Täter ist mit einem Samurai-Schwert bewaffnet und gewillt, dieses einzusetzen. Pit Koller versucht noch zu fliehen, doch der Mörder erwischt ihn zweimal und verhindert den Fluchtversuch. Koller sackt zusammen und ein weiterer Schwertstoß besiegelt sein Schicksal. Zwischen der Bahnlinie und der Traubenstraße stirbt Koller einen grausamen Tod. Nachbarn hören, wie er um sein Leben schreit. Derweil macht sich der Mörder aus dem Staub. Dem dringend Verdächtigen konnte die Tat nie nachgewiesen werden.

„Aktenzeichen XY…ungelöst“ – Der längste Beitrag

In der Sendung vom 5. September 2012 widmeten die Macher 38 Minuten, also fast die Hälfte der Sendezeit, der Entführung der Bankiersgattin Marina Bögerl (2010). Der dazugehörige Einspieler dauerte 27 Minuten und ist  damit der bislang längste Beitrag in der 50-jährigen Geschichte von „Aktenzeichen XY…ungelöst“. Die Begründung des Senders: „Um dem Fall Bögerl gerecht zu werden, kann man ihn nicht in zehn Minuten darstellen.“ In den zwölf Stunden nach der Sendung gab es über 200 Hinweise. Eine Fortsetzung fand der Fall am 5. April 2017. Zuvor hatte ein unbekannter Mann gegenüber Zeugen die Tat gestanden. Der Mann wurde noch in der Nacht festgenommen. Eine DNA-Analyse ergab jedoch bereits kurz später, dass dieser nicht der Täter gewesen sein konnte.

Legendäre Panne bei „Aktenzeichen XY…ungelöst“

Ganz ohne Pannen geht es natürlich auch bei „Aktenzeichen XY…ungelöst“ nicht. Am 16. Mai 1980 wollte Moderator Eduard Zimmermann gerade Konrad Toenz in der Schweiz nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen fragen. Beim Umschalten des Tons dann das Malheur: Statt Toenz wurde das Fußballspiel zwischen dem Hamburger SV und Eintracht Braunschweig zugeschaltet. Nichts zu hören aus der Schweiz. Stattdessen: „Tor!“ – die Hamburger waren gerade 1:0 in Führung gegangen.

Kritik an „Aktenzeichen XY…ungelöst“

Im Laufe der Jahre mussten sich die Macher der Sendung immer wieder Kritik gefallen lassen. Zuschauer würden aufgefordert, andere Menschen zu denunzieren, hieß es vor allem in den Anfangsjahren. Zudem sind die Einspieler, in denen bis heute Verbrechen nachgestellt werden, nicht jedermanns Sache, weil sie „zu realistisch und voyeuristisch“ seien und das Publikum leicht verängstigen.

„Aktenzeichen XY…ungelöst“ – Parodien der Sendung

Parodien gibt es auch von Sendungen, die einen ernsten Hintergrund haben. „Aktenzeichen XY…ungelöst“ ist da keine Ausnahme, wie Oliver Welkes „Aktenzeichen XY eingedöst “ oder Beiträge von „Switch reloaded“ zeigen.

Auch Loriot hat sich an eine Parodie gewagt. Er sagte: „Ein Verbrechen von seltener Grausamkeit beschäftigt die Kriminalpolizei des Landkreises Lauenburg seit dem 18. Juni 1912…“

Der „Aktenzeichen XY…ungelöst“-Preis

Einmal jährlich wird unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministers der „XY“-Preis ausgelobt. Eduard Zimmermann, sein Team und das ZDF hoben die Auszeichnung im Jahr 2002 aus der Taufe. Der Gedanke dahinter: „Menschen ehren, die sich mit Zivilcourage für den Schutz des Lebens, der Gesundheit oder des Eigentums von Mitbürgern eingesetzt haben“. Jeder kann Kandidaten vorschlagen. Deren Engagement und beispielhaftes Handeln wird dem Publikum in kurzen Einspielern präsentiert.

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Veröffentlicht von Florian Wittmann