70 Jahre DK
2005-2014

Der DONAUKURIER feiert Geburtstag: Am 11. Dezember 1945, vor 70 Jahren, erschien die erste Ausgabe. Zu diesem Anlass haben wir zurückgeblickt: Bis zum eigentlichen Geburtstag am 11. Dezember 2015 ist jeden Freitag eine Beilage erschienen, die sich mit einem Jahrzehnt DONAUKURIER-Geschichte beschäftigt hat. Hier sehen Sie den letzten Teil, die Beilage der Jahre 2005 bis 2014.

2005

Mit der Eröffnung des „Ingolstadt Village“ geht eine Auseinandersetzung zu Ende, wie sie die Stadt noch nicht erlebt hat. Als im Herbst 1997 die Pläne des amerikanischen Handelskonzerns Value Retail bekannt werden, in Ingolstadt ein Factory Outlet Center (FOC) zu errichten, bricht ein Sturm der Entrüstung los. Selten oder nie gab es in Ingolstadt ein Projekt, das derart polarisiert.

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9000 Besucher kamen zur Eröffnung des FOC Ingolstadt Village.

Die Einzelhändler veranstalten einen Demonstrationszug mit 600 Teilnehmern. Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) will das Projekt verhindern, Bundesbauminister Klaus Töpfer (CDU) ist dagegen, der Münchner OB Christian Ude (SPD) schreibt seinem Ingolstädter Kollegen Peter Schnell einen Brandbrief. Auch auf juristischer Ebene werden alle Register gezogen. Die Nachbarstädte klagen, im Jahr 1999 steht das Projekt kurz vor dem Ende. Im Mai 2001 dann der Durchbruch. Das bayerische Kabinett rückt von seiner restriktiven Haltung gegenüber Fabrikverkaufszentren ab. Die letzte Hoffnung der FOC-Gegner ist das Bürgerbegehren am 15. Dezember 2001. Aber alle, die glaubten, sie sprächen für „die Bürger“, machen lange Gesichter. Das Bürgerbegehren gegen das FOC fällt mit Pauken und Trompeten durch, für das FOC sprechen sich dagegen 78 Prozent der Wählerinnen und Wähler aus.
Im Oktober 2002 folgt der erste Spatenstich, im September 2005 wird die Eröffnung groß gefeiert. Heute ist das FOC längst kein Thema mehr.

Kelten-Römer-Museum Manching

2006

20 Jahre dauerten die Bemühungen für das Kelten- und Römermuseum in Manching, im Sommer 2006 findet schließlich die feierliche Eröffnung statt. Als großer Wurf gilt der Bau nicht nur bei den geladenen Gästen. Die Marktgemeinde hat das 7,3-Millionen-Projekt gemeinsam mit dem Landkreis Pfaffenhofen und dem Bezirk Oberbayern im Rahmen eines Zweckverbandes finanziert. „Mayrs Arche steht“, sagte Goppel damals. Der frühere Manchinger Bezirksrat Herbert Mayr hatte als Vorsitzender des Keltisch-Römischen Freundeskreises großen Anteil an der Werbung und Bündelung aller Kräfte für den Museumsneubau. Dort werden seither unter anderem Funde aus dem weltbekannten Manchinger Oppidum und die 1994 bei Oberstimm entdeckten römischen Donau-Patrouillenboote ausgestellt.

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Römerschiffe von Oberstimm im Kelten-Römer-Museum Manching.

Das Manchinger Kelten-Oppidum gilt als die größte nachgewiesene frühgeschichtliche Siedlung in Mitteleuropa und wird seit den 50er Jahren systematisch erforscht. Gute Gründe also für ein Museum. Der große prähistorische Ringwall bei Manching lag einst in der weiten Flussebene direkt am Südufer der Donau bei der Einmündung der Paar. Als eines der markantesten Bodendenkmale nördlich der Alpen hat die Anlage schon früh die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Von der Keltenstadt, die der Mauerring in den letzten Jahrhunderten vor Christus schützte, ist heute nur wenig bekannt. Sie hat die Zeitwende nicht überdauert. Als die Römer ihre Straße entlang der Donau bauten, war der Name der Siedlung bereits vergessen. Bis heute bleibt der ursprüngliche Name unentdeckt.

2007

Nach langen Diskussionen wird der neue Viktualienmarkt am 5. Oktober offiziell eröffnet.

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Die Ehrengäste stoßen auf die Umgestaltung des Viktualienmarktes an.

Der neue Viktualienmarkt besteht aus elf Ständen, die entlang einer breiten Budengasse angeordnet sind. Die großzügige Glasüberdachung schützt vor Wind und Wetter, lässt aber trotzdem viel Licht an die Stände. Zum Verweilen laden zwei gemütliche Biergärten ein. Selbst bei kühler Witterung können die Gäste hier ihre Brotzeit genießen, denn die Flächen sind zum Teil überdacht und sogar beheizt. Neu ist nicht nur die Gestaltung des Marktes, sondern auch die Angebotsvielfalt. Jeder der elf Stände hat sich auf ein ganz bestimmtes kulinarisches Sortiment spezialisiert. Die Kunden können sich auf eine breite Vielfalt freuen. Als kleine Ergänzung zum Wochenmarkt bieten die Händler hier täglich frische Produkte an.

Horst Seehofer trägt sich im Sitzungssaal in das Goldene Buch der Stadt Ingolstadt ein.

2008

Eigentlich wollte Horst Seehofer nie Ministerpräsident werden. Bei den Landtagswahlen 2008 gelingt ihm dennoch ein Coup. Zunächst als „Reservekandidat“ angetreten, wird der Ingolstädter schließlich ins höchste bayerische Amt gewählt.

Die CSU und ihre absolute Mehrheit, das gehörte bis zur Landtagswahl 2008 einfach zusammen. Doch die CSU fährt eine schmerzliche Niederlage ein und personelle Konsequenzen sind unausweichlich. Einen Tag nach dem 43-Prozent-Debakel der CSU heißt es zunächst über das Führungstandem Erwin Huber und Günther Beckstein, Huber werde gehen und Beckstein bleibe im Amt. So lautet die Notlösung eines kleinen Führungskreises der CSU, weil es für keinen anderen Kandidaten eine Mehrheit gibt. Das allerdings weckt Begehrlichkeiten. Vor allem Ex-Premier Edmund Stoiber gibt sich mit der Lösung nicht zufrieden. Schließlich war er von Beckstein 2007 in Kreuth gestürzt worden. Unterstützt wird er dabei von den CSU-Bezirken Ober- und Niederbayern. Die Folge: Auch Beckstein muss gehen. Nach dessen erzwungenem Rücktritt liefert Seehofer schließlich sein Meisterstück ab. Er tritt als „Reservekandidat“ für den Fall auf, dass es in der CSU-Landtagsfraktion für niemand anderen eine klare Mehrheit gibt – und gewinnt. Am 27. Oktober wird Seehofer auch zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt. Viele in der CSU hatten Seehofer eigentlich bereits abgeschrieben und ihm einen solchen Coup gar nicht zugetraut. Er wird zur letzten Hoffnung der CSU.

2009

Wir haben alle unsere Etappenziele beim Bau erreicht. Landrat Anton Knapp

Die Bauarbeiten für das Gymnasium Gaimersheim beginnen im März. Bereits ein halbes Jahr später steht der Rohbau der neuen Schule. Landrat Anton Knapp spricht von einer historischen Stunde für den Landkreis Eichstätt und den Markt Gaimersheim, Minister Siegfried Schneider von einem Segen sowohl für Eichstätter als auch Ingolstädter.

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Die feierliche Grundsteinlegung des Gaimersheimer Gymnasiums.

Im Herbst 2010 ziehen dann auch die ersten Kinder und Jugendlichen ein. Das Gymnasium Gaimersheim ist als offene Ganztagsschule konzipiert. Das kommt vor allem berufstätigen Eltern zugute. Sie können bei Bedarf eine kostenlose Nachmittagsbetreuung buchen. So verfügt die Schule auch über eine eigene Mensa. Etwa 700 Schüler werden derzeit dort unterrichtet.

Der FC Ingolstadt hat endlich ein eigenes Stadion.

2010

Im Juni wird noch fleißig gearbeitet und der Rasen in breiten Bahnen gelegt, Ende Juli ist es so weit: Der Ball rollt im Audi-Sportpark. Trotz des enormen Zeitdrucks wird das Fußballstadion rechtzeitig zur Saisoneröffnung fertig. Der FC Ingolstadt 04, nach zwei Siegen in der Relegation gerade wieder in die 2. Bundesliga aufgestiegen, besitzt endlich eine vorzeigbare Spielstätte, finanziert unter anderem über einen Kredit der Stadt. 25 Millionen Euro kostet die Immobilie.

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Einem Teppich gleich wird im Juni der Rollrasen im nagelneuen Audi-Sportpark ausgelegt.

Der sportliche Start in die Saison 2010/2011 misslingt indes gründlich. Nach elf Spielen belegt der FC Ingolstadt mit lediglich vier Punkten den letzten Tabellenplatz. Erst mit dem kirchlichen Segen durch die Pfarrer Bernhard Oswald und Jürgen Habermann für das Stadion wird es mit der Punkteausbeute besser, der sportliche Erfolg bleibt aber durchwachsen. Die Trainer geben sich in den Folgejahren die Klinke nur so in die Hand – bis ein gewisser Ralph Hasenhüttl kommt.

Der Ingolstädter Hochkreisel am GVZ.

2011

So wie die Wirtschaft boomt, wächst der Verkehr: Damit er fließen kann, wird in Ingolstadt und Umgebung ständig gearbeitet. So entsteht im Westen ein ungewöhnliches Bauwerk – ein Hochkreisel. Wer zwischen Ingolstadt und Gaimersheim unterwegs ist, fährt geradeaus unten durch. Eine Etage höher geht es Richtung Westpark oder Audi. 2011 wird der Hochkreisel für den Verkehr freigegeben.

2012

Ein Großprojekt beschäftigt über Jahre hinweg ganz Ingolstadt – den Stadtrat, die Bewohner, Architekten, Investoren. Denn bereits 1991 beginnen die Überlegungen, was auf dem Gelände der Firma Rieter mal gebaut werden könnte, wenn die Gießerei weg ist. Das Areal ist aufgrund seiner Größe und guten Lage – nahe der Innenstadt und der Donau sowie der Südlichen Ringstraße – ein Filetstück.

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Das Gießereigelände aus der Luft.

2007 kauft die städtische Gesellschaft IFG das Gelände, auf dem gleich mehrere Projekte verwirklicht werden sollen. So sollen auf dem ehemaligen Gießereigelände eine Erweiterung der Technischen Hochschule Ingolstadt, die Audi-Akademie, ein Kongresszentrum mit angeschlossenem Hotel sowie eine Tiefgarage entstehen. Im Jahr 2012 beginnen endlich die Bauarbeiten. Problemlos gehen die Errichtung der Audi-Akademie und der Tiefgarage über die Bühne: Die Akademie wird von der IFG im Herbst 2014 schlüsselfertig übergeben, die Tiefgarage Anfang 2015 vollendet.
Das Hotel und die alte Gießereihalle, die als neuer Standort für das Museum für Konkrete Kunst und Design dienen soll, werden nach jetzigem Planungsstand dagegen erst 2018 beziehungsweise Mitte 2017 fertig.

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Pläne des Büros für das Kongresshotel. Grafik: Büro Reinhardt und Sander.

Für Diskussionen sorgt allerdings immer wieder die Größe des Hotels. So fällt der damaligen Grünen-Stadträtin Angelika Wegener-Hüssen beim ersten Entwurf 2012 auf, dass das Hotel 23 Meter hoch werden solle, und es ihrer Meinung nach eine optische Konkurrenz zum Schloss darstelle. Dieser erste Entwurf wird ständig überarbeitet – nach heutigem Stand wird ein Entwurf des Achitektenbüros Reinhardt+Sander entstehen. 2015 werden zudem einige Kritiker aus Hotelier- und Gaststättenkreisen noch die Frage stellen, ob es gegen das EU-Recht verstößt, ein städtisches Kongresszentrum mit einem privaten Hotelbetreiber zu verquicken.

Mehr als 200 Polizisten sind während der Geiselnahme im Alten Rathaus im Einsatz.

2013

Normalerweise macht Ingolstadt nicht mit überbordender Kriminalität von sich reden. Nicht so im Jahr 2013. Eine Reihe von schweren Verbrechen erschüttert die Stadt, es gibt Tote und Verletzte. Ein Verbrechen, das bundesweit in die Schlagzeilen gerät, geht zum Glück einigermaßen glimpflich aus: die Geiselnahme im Rathaus.

Zustände wie in Chicago. Bürgermeister Sepp Mißlbeck

Ein 24-jähriger Mann nimmt am 19. August im Alten Rathaus vier Geiseln. In der Gewalt des Mannes sind Bürgermeister Sepp Mißlbeck, der Beschwerdemanager der Stadt und zwei Sekretärinnen. Eine der beiden jungen Frauen hat der 24-Jährige zuvor monatelang terrorisiert.
Es beginnt ein mehrstündiger Nervenkrieg, Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte gehen in Stellung. Viele Bürger glauben, der Aufwand gelte dem Wahlkampfauftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der um diese Zeit auf dem Rathausplatz geplant ist. Merkels Auftritt wird abgesagt. Der Geiselnehmer lässt drei seiner vier Geiseln frei, das Stalking-Opfer aber soll bleiben. Am späten Nachmittag macht die Polizei dem Spuk ein Ende und stürmt das Rathaus. Der Täter wird außer Gefecht gesetzt, die Geisel befreit.

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Mordfall Streiterstraße: Die Leiche des 50-jährigen Opfers aus der Kickbox-Szene wird abtransportiert.

Am 3. September stirbt ein 50-jähriger Mann nach einem Kampf auf der Streiterstraße vor dem Haus von Alt-OB Peter Schnell, am 10. September wird an der Alban-Berg-Straße die Leiche eines 33-jährigen Obdachlosen gefunden, am 24. September wird in Manching eine 48-jährige Frau von ihrem Noch-Ehemann schwer verletzt, am 6. Oktober erschießt sich im Polizeipräsidium ein 43-jähriger Großmehringer, der zuvor den Ex-Mann seiner Frau getötet hat. Am 18. Dezember sticht ein 47-Jähriger bei einer Feier seine Ehefrau nieder.
Sepp Mißlbeck spricht von „Zuständen wie in Chicago.“ Die Polizei beruhigt: „Diese Häufung ist rein zufällig.“

Der ERC Ingolstadt ist Deutscher Meister.

2014

Es ist eigentlich eine Saison zum Vergessen für den ERC Ingolstadt. Die Panther kommen nie recht in Tritt, den Tiefpunkt erreicht das Team Mitte Januar 2014 – genau zu dem Zeitpunkt, da der Verein seinen 50. Geburtstag feiert. Jim Boni, der seit zehn Jahren als Trainer und Sportdirektor beim ERC eine Ära prägt, verlässt Knall auf Fall im Unfrieden den Verein. Das Spiel gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten, die Düsseldorfer EG, bei dem die Fans das Vereinsjubiläum mit einer ausgefeilten Choreografie feiern, geht sang- und klanglos mit 1:3 verloren. Uninspirierte Auftritte quittieren die Fans mit einem Stimmungsboykott. Mit Ach und Krach rettet sich der ERC am Ende der Punktrunde in die Pre-Play-offs. Dort warten die Eisbären Berlin, der als haushoher Titelfavorit gestartete Serienmeister, der aber ebenfalls unter einer deftigen Krise leidet.
Die Ingolstädter starten chancenlos, beim ersten Spiel verlieren sie in Berlin 0:1. Zum Heimspiel kommen nur 2800 Fans. Als Berlin 1:0 in Führung geht, scheint das Schicksal des ERC besiegelt. Doch dann drehen die Panther das Spiel, gewinnen 4:1. Beim folgenden Eishockeykrimi in Berlin siegen sie mit 3:2 nach Verlängerung. Und kommen in Fahrt. Durch den Sieg sind die Play-offs erreicht. Beim ersten Viertelfinale gegen Krefeld prügeln sich die Ingolstädter den Frust vom Leib, beim 0:5 hagelt es 175 Strafminuten für beide Teams. Daraufhin zieht der ERCI mit vier Siegen in Serie ins Halbfinale ein.
Dort wartet als Gegner das Team der Hamburg Freezers, der Tabellenerste nach der Punktrunde. Nach sechs aufreibenden Spielen erreicht der ERC das Finale. Nun geht es gegen die Kölner Haie über sieben Spiele, die Serie ist an Dramatik kaum zu überbieten – und 29. April gewinnt der ERC Ingolstadt mit einem 2:0-Sieg in Köln die Deutsche Eishockeymeisterschaft 2014. Am 3. Mai trägt ganz Ingolstadt Blau-Weiß; tausende Fans strömen zum Rathausplatz, um den Titel zu feiern.

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Fans bei der Meisterfeier des ERC Ingolstadt auf dem Ingolstädter Rathausplatz.

Detaillierte Rückblicke lesen Sie im DONAUKURIER vom 11. Dezember 2015 oder im DK-E-Paper. Weitere Fotos sowie kuriose, spannende oder aufregende Momente aus sieben Jahrzehnten DONAUKURIER finden Sie auf www.donaukurier.de/70JahreDK.

Johannes Schaffer
Veröffentlicht von Johannes Schaffer

Digital-Redaktion DONAUKURIER