70 Jahre DK
1975-1984

Der DONAUKURIER feiert Geburtstag: Am 11. Dezember 1945, vor 70 Jahren, erschien die erste Ausgabe. Zu diesem Anlass blicken wir zurück: Bis zum eigentlichen Geburtstag am 11. Dezember erscheint jeden Freitag eine Beilage, die sich mit einem Jahrzehnt DONAUKURIER-Geschichte beschäftigt. Hier die Jahre 1975 bis 1984.

1975

Nach Monaten der Ungewissheit und monatelanger Kurzarbeit bekommen die Ingolstädter Audi-Mitarbeiter im April endlich die Antwort auf ihre drängenden Fragen: Insgesamt 1700 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit. Grund dafür sind die roten Zahlen, die Konzernmutter VW schreibt.

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Die Audi-Belegschaft hat nun endlich Gewissheit – „nur“ 1700 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsstelle.
Nur 1700 Entlassungen, da habe ich ja beste Aussichten, meinen Arbeitsplatz hier noch zu behalten. Johann Gabler, Dreher bei Audi

Nach sieben Kurzarbeitsperioden im Jahr 1974, in denen 12 000 Beschäftigte in Ingolstadt in Zwangsurlaub geschickt worden sind, sei dies aber ein vergleichsweise glimpflicher Ausgang, wie aus den höheren Etagen des Audi-Werks zu hören ist. Auch die Mitarbeiter sind insgesamt zufrieden über die Nachricht, die sie aus dem Radio erfahren – jeder hofft, dass es ihn selbst nicht trifft. So sagt beispielsweise Johann Gabler, ein Dreher bei Audi, gegenüber dem DK: „Damit haben wir nicht gerechnet – nur 1700 Entlassungen, da habe ich ja beste Aussichten, meinen Arbeitsplatz hier noch zu behalten.“

Zumindest sind mit dieser Nachricht von den Entlassungen jetzt die wilden Spekulationen um die Zukunft des Audi-Werks widerlegt. Weder kauft Krauss-Maffei die Hallen, um Panzer zu fertigen, noch wird BMW zusätzlich auf den Audi-Bändern produzieren. Und auch die Maschinenfabrik M.A.N. oder Messerschmitt-Bölkow-Blohm planen nicht, die Hallen zu kaufen. Das unsinnigste Gerücht von allen sei aber laut Audi-Werksleiter Albrecht Spindler, dass die neuen Audi-Fahrzeuge von der Halde weg direkt in die Schredder-Anlage Ebenhausen gefahren werden.

1976

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Die Ludwigstraße in Ingolstadt wird zur Fußgängerzone.

Schon immer wurde die Ludwigstraße als das „Herz der Stadt“ bezeichnet. Insofern war ihr Umbau zur Fußgängerzone eine Operation am offenen Herzen. Und fast so etwas wie ein Jahrhundertereignis. Mit der Sperrung für den Verkehr wird einer langen Entwicklung plötzlich ein Endpunkt gesetzt. Von nun an solle die Ludwigstraße wieder uneingeschränkt zur „guten Stube“ der Stadt werden, sagt der Vorsitzende des Ingolstädter Einzelhandelsverbandes, Franz Schölzel, zur Eröffnung Anfang Oktober 1976.

Oberbürgermeister Peter Schnell würdigt während des Festaktes, zu dem die halbe Stadt auf den Beinen ist, das Engagement der Bürger, die sich bei der Diskussion um die Verwirklichung der Details in der Gestaltung engagiert zu Wort gemeldet hätten, so dass hier nun eine Fußgängerzone entstanden sei, „die so ausgefallen ist, wie wir sie haben wollten.“

Zum Eröffnungsfest Anfang Oktober 1976 bestimmen Musikkapellen, Sonderaktionen der Geschäfte und vieles mehr das Geschehen. Volkstanz- und Trachtengruppen verwandeln die einstige innerstädtische Hauptverkehrsader trotz hartnäckigen Dauerreges in eine „Vergnügungsmeile“ mit zahlreichen Attraktionen.

1977

In Anrufen und Leserbriefen wenden sich empörte Bürger an den DONAUKURIER, um ihrem Ärger Luft zu machen: Denn in einer Nacht-und-Nebelaktion sind zwei Parkzeilen mit 42 Stellplätzen auf dem Theaterparkplatz gesperrt worden. In diesem Bereich dürfen ab sofort nur die Beamten des Wasserwirtschaftsamtes und des Straßenbauamtes stehen.

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Auf dem Theaterparkplatz wurden am 24.11.1977 42 Parkplätze mittels Schranke und Blümenkübeln für Beamte des Wasserwirtschaftsamts und des Staatlichen Bauamts gesperrt.
Keine Parkplätze für Bonzen Leserbriefschreiber

Die Vorgeschichte ist folgende: Das Gelände hinter dem Theater gehört dem Freistaat, die Stadt Ingolstadt hat den Bereich lediglich gepachtet. Und weil die Stadt einen Fußgängerweg vom Theaterplatz zur Hallstraße bauen möchte, der ebenfalls durch Grundstücke des Freistaats führen soll, hat die Stadt Verhandlungen aufgenommen. Mit dem Ergebnis, dass der Freistaat im Tausch gegen die Erlaubnis, dass die Stadt ihren Weg bauen darf, Parkplätze hinter dem Theater haben möchte. Immerhin würden durch den Bau auch sechs Stellplätze des Wasserwirtschaftsamtes wegfallen.

Der massive Protest der Bürger zeigt Wirkung: Die Parkplätze werden wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dafür stellt die Stadt den beiden Behörden Stellplätze hinter den alten städtischen Werken zur Verfügung.

1978

Im Oktober wird der Viktualienmarkt eröffnet. Für die zehn Buden haben sich rund 40 Händler beworben.

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Der Viktualienmarkt besteht im Oktober 1978 bei seiner Eröffnung aus zehn Buden, einem kleinen Biergarten und ein paar Bäumen.

Tausende von Menschen erleben am 7. Oktober bei strahlendem Sonnenschein die Eröffnung des Viktualienmarktes in Ingolstadt. Der Platz, der zum neuen Herzstück der Altstadt werden soll, hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich: Die Franziskanerkirche stand hier, die im Frühjahr 1945 noch Opfer eines Bombenangriffs wurde. Später hat der Platz als möglicher Standort für ein neues Rathaus zur Diskussion gestanden. Jetzt stehen zehn achteckige Holzhäuschen auf dem Platz, dazwischen ein kleiner Biergarten, in dem man Brotzeit machen kann.

Für die zehn Häuschen, die eigentlich bereits im Mai aufgestellt werden sollten, bewerben sich rund 40 Händler. Die Entscheidung fällt auf zwei Blumenverkäufer, eine Geschenkboutique, einen Obst- und Gemüsehändler, eine Imbissstube sowie Spezialitätengeschäfte mit ausländischen Lebensmitteln, Fleisch und Wurst, Käse, Fisch, verschiedene Brotsorten, Wild, Eier. Auch Zeitungen und Zigaretten gibt es zu kaufen. Oberbürgermeister Peter Schnell stellt in seiner Begrüßungsrede fest: „Wenn der Viktualienmarkt nur halb so voll bleibt, wie bei der Eröffnung und von der Bevölkerung angenommen werde, bleibt er sicherlich bestehen.“

Münstertiefgarage an der Bergbräustraße

1979

Die Stadt baut extra eine Tiefgarage am Münster, um die westliche Altstadt von parkenden Autos zu „befreien“ – und dann wollen die Leute einfach nicht darin parken. Das Ergebnis: 400 Plätze sind weitestgehend unbesetzt, der Parkwächter langweilt sich – vor allem da es lange Öffnungszeiten bis 3.30 Uhr nachts gibt.

In der Hoffnung, dass wenigstens Kirchgänger dort parken werden, hat OB Peter Schnell angeregt, die Tiefgarage zusätzlich sonntags von 8 bis 13 Uhr zu öffnen – wieder kein Erfolg.

Da auch die niedrige Parkgebühr von zwei Mark nichts bringt, versucht die Stadt es mit Zwang: In vielen Straßen rund ums Münster werden nächtliche Parkverbote erlassen. Die Leute, die einen Strafzettel bekommen, bezahlen das Verwarnungsgeld aber nicht – im Nachtbriefkasten des Rathauses landen wieder insgesamt mehr als 50 Strafzettel.

1980

Im Jahr 1980 beginnt die politische Karriere eines Mannes, der erstmals als Kandidat für den Bundestag nominiert wird.

Horst Seehofer und Franz Josef Strauß am 17. Mai 1980 im Stadtheater in Ingolstadt.

Horst Seehofer heißt der groß gewachsene, 31 Jahre junge Mann, den die CSU ins Rennen schickt. Seehofer steigt schon bald die Karriereleiter hoch, bis er 1992 Bundesminister für Gesundheit wird. 1998 scheidet er aus der Regierung aus, 2002 erkrankt er so schwer, dass sein Leben am seidenen Faden hängt. Er erholt sich wieder, doch 2004 scheint seine politische Karriere endgültig vorbei. Nach Differenzen um die von ihm abgelehnte Gesundheitsprämie in der Krankenversicherung tritt Seehofer als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück

Aber Seehofer ist ein wahres Stehaufmännchen und schafft erneut ein Comeback. 2005 wird er Bundeslandwirtschaftsminister in der großen Koalition unter Angela Merkel. Dieses Amt gibt er am 27. Oktober 2008 auf, um Bayerischer Ministerpräsident werden zu können. Zum „Alleinherrscher“ der CSU wird er spätestens 2013, als er für seine Partei die absolute Mehrheit im Bayerischen Landtag zurückerobern kann.

1981

Mehr Fußgänger und weniger Autos – und das in der ganzen Altstadt: Mitte September startet die Verkehrsberuhigung. In die verkehrsberuhigte Zone dürfen ab sofort nur noch Anwohner fahren, die einen Parkausweis bekommen haben sowie im Notfall Krankenwägen. Alle anderen Fahrzeuge müssen ab sofort draußen bleiben.

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Plötzlich überall Verbotsschilder: Von einem Tag auf den anderen ist die gesamte Innenstadt Ingolstadts für den Durchgangsverkehr gesperrt.
So viele grinsende und lachende Fußgänger wie heute habe ich noch nie gesehen Polizist Manfred Kosiol

Das Konzept für die Verkehrsberuhigung, das Professor Schaechterle entwickelt hat, spaltet Ingolstadt vor der Umsetzung in zwei Lager. So waren die Altstadtbewohner vom baldigen Ende des Lärms und Gestanks, dem sie täglich ausgesetzt gewesen waren, begeistert. Allerdings waren auch neun von zehn Bewohnern der Meinung, dass das Konzept keine spürbare Entlastung bringen würde.

Die Umsetzung läuft dann aber friedlicher ab, als von Seiten der Stadt erwartet. Nur die wenigsten Autofahrer haben geflucht – lediglich die Aussage eines Auswärtigen ist bekannt, der dreimal im Kreis gefahren ist: „Das müssen Vollidioten gewesen sein, die das gemacht haben.“ Insgesamt befindet die Polizei die Verkehrsberuhigung nach den ersten Erfahrungen als gelungen: „Die Autofahrer haben sich im großen und ganzen recht ordentlich verhalten“, sagt Kosiol. Und der Rest wird sich schon daran gewöhnen.

1982

Da steht es. Von Wiesen und Äckern umgeben. Monumental und verheißungsvoll. Ein Koloss am Horizont: das neue Klinikum.

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Klinikum Ingolstadt, Postkarte zur Eröffnung.
Beispiel für Bayern Franz Josef Strauß

Tausende Bürger besichtigen das mächtige Gebäude an den Tagen der offenen Tür vor der Einweihung voller Staunen. Für viele Kinder wird der Besuch zum Urerlebnis von Modernität und Größe; ein Ensemble aus voluminösen Baukörpern mit bis zu acht Stockwerken. 1050 Betten. 1250 Mitarbeiter. Die gesamte Ausstattung auf dem neuesten Stand. Freundliche Patientenzimmer mit maximal vier Betten sind jetzt Standard. Die Zeit der Schlafsäle ist in der Ingolstädter Medizinalgeschichte endlich vorbei. Und noch vieles mehr.

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Krankenzimmer im neuen Klinikum mit Oberschwester Helga Huber (Mitte).

In seiner Rede zur Einweihung am 9. Juli spricht OB Peter Schnell von einem „Jahrhundertbauwerk“, das erfreulicherweise mit 395 Millionen Mark auch im Kostenrahmen geblieben sei. Ministerpräsident Franz Josef Strauß würdigt das Haus als „Beispiel für Bayern“.

Bereits 1969 begannen die Planungen für ein Klinikum. Dass es bis zur Vollendung so lange dauert, liegt vor allem an der Kehrtwende 1974. Eigentlich soll das Krankenhaus auf dem Volksfestplatz und im nördlichen Glacis 60 Meter in die Höhe ragen. Alles läuft darauf zu. Aber dann überwerfen sich die Architekten wegen verschiedener Auffassungen über das Raumkonzept mit den städtischen Planern. Der Stadtrat beschließt, auf einer Wiese im Westen zu bauen. Ein Glück. Schon bald wächst rund um das Klinikum ein neues Viertel heran.

1983

23 Besitzer hatte das Ickstatthaus seit seiner Erbauung durch den gleichnamigen Gelehrten an der alten Ingolstädter Universität im Jahr 1730. Jeder hat was verändert, ohne sich um Statik oder dergleichen zu kümmern, und im Krieg ist auch noch eine Bombe eingeschlagen. Die Folge: Meterlange Risse durchziehen den Prunkbau mit seiner über 23 Meter hohen Fassade, die als die schönste und höchste in ganz Süddeutschland gilt. Der Schreck ist groß, als sich bei der Sanierung herausstellt, dass das ganze Gebäude sogar akut einsturzgefährdet ist.

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Nur die Fassade ist noch original: Der Rest ist komplett neu.

Dem Wiederbau gehen zähe Verhandlungen mit den Denkmalschützern voraus. Schließlich einigt man sich auf einen Kompromiss: Nur die vordere und die hintere Fassade bleiben stehen, der Rest wird komplett abgetragen und erneuert. Über fünf Millionen Mark lässt sich der damalige Besitzer, die Salamander AG, den Neuaufbau kosten. Gleichzeitig werden historische Bausünden bereinigt,Ende Oktober ist Eröffnung.

Eröffnung des Gartenamts an der Fauststraße. Rechts der Leiter Anton Maier.

1984

Auch für das neue Gartenamt, das Ende Februar 1984 an der Fauststraße eröffnet wird, gilt: „Was lange währt . . .“ Schon bei seinem Amtsantritt vor 33 Jahren sei ihm ein neues Gartenamt versprochen worden, erzählt Amtsleiter Anton Meier. Zur Eröffnung kommt nahezu der gesamte Stadtrat. Der Kostenvoranschlag für den Neubau am südlichen Stadtrand in Höhe von acht Millionen Mark wird übrigens nicht über-, sondern unterschritten.

 
Detaillierte Rückblicke lesen Sie im DONAUKURIER vom 20. November 2015 oder im DK-E-Paper. Weitere Fotos sowie kuriose, spannende oder aufregende Momente aus sieben Jahrzehnten DONAUKURIER finden Sie auf www.donaukurier.de/70JahreDK.

Johannes Schaffer
Veröffentlicht von Johannes Schaffer

Digital-Redaktion DONAUKURIER