500 Jahre Reinheitsgebot: Bier-Jubiläum in Ingolstadt

Dieses Wochenende fließt in Ingolstadt das Bier in Strömen, denn dann feiert die Stadt das 500-jährige Bestehen des Reinheitsgebotes. Während andere Länder geschmackliche Experimente bei ihren Bieren wagen können, bleibt man in Deutschland auf die vier Zutaten Hopfen, Malz, Hefe und Wasser beschränkt. Und dennoch ist die Auswahl an nach Reinheitsgebot gebrauten Bieren groß wie nie. Aber wie entstand diese Vorschrift überhaupt?

Tollkirschen im Bier – Gefahr des Mittelalters

Während man heute mit dem Biergenuss im schlimmsten Fall nur einen Kater riskiert, war er zur Zeit des Mittlealters deutlich gefährlicher. Denn obwohl das Getränk damals noch als Grundnahrungsmittel galt, behandelte man es nicht mit der nötigen Sorgfalt. Die Brauer mischten nicht immer verträgliche Zutaten in ihr Bier. Tödliche Pflanzen wie die Tollkirsche und giftige Pilze fanden des Öfteren ihren Weg in den Sud. Bestenfalls riskierte man beim Trinken eine Magenverstimmung, schlimmstenfalls war der Schluck Bier das Letzte, was man trank.

Besser erging es den Mönchen und Nonnen. Sie galten als Meister der Braukunst. Kein Wunder: Sie durften in der 40-tägigen Fastenzeit nur eingeschränkt essen, der Biergenuss war damals aber nicht engeschränkt. Aus diesem Grund bezeichnete man das Bier damals auch als flüssiges Brot. Da sie die Hauptkonsumenten waren, beherrschten sie auch das Bierbrauen am besten. Sie mischten Hopfen in ihr Bier, der diesem eine bittere Note verlieh und es länger haltbar machte.

Reines Bier – Feste Inhaltsstoffe ab 1516

Doch der Großteil des Volkes hatte keinen Zugriff auf das Klosterbier und musste mit Getränken von mangelnder Qualität vorlieb nehmen. Dementsprechend häuften sich die Klagen des Volkes über ihr flüssiges Brot. Darum wurden in der Bayerischen Landesverordnung zum ersten Mal die Bierpreise sowie seine Inhaltsstoffe reguliert. Die Verordnung wurde am 23. April 1516 in Ingolstadt von den bayerischen Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. erlassen.

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Reproduktion eines Drucks der Urkunde, auf der das bayerische Reinheitsgebot am 23. April 1516 durch den bayerischen Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt festgehalten wurde.
Reproduktion eines Drucks der Urkunde, auf der das bayerische Reinheitsgebot am 23. April 1516 durch den bayerischen Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt festgehalten wurde.
Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Bayerisches Reinheitsgebot

Neben einer besseren Qualität wollte man mit dem Erlass des Reinheitsgebotes aber zudem die Lebensmittelversorgung sichern. Durch die Verordnung blieb der wertvollere Weizen oder Roggen den Bäckern vorbehalten. Die Klarstellung, dass es sich bei der Gerste um Gerstenmalz handelte, fügte man später noch hinzu.

Damals blieb aber ein wichtiger Bestandteil des heutigen Bieres unerwähnt: die Hefe. Das könnte daran liegen, dass zu dieser Zeit meist in Backstuben gebraut wurde, in denen sich sowieso immer viel Hefe befand, die dort ins Bier gelangte. Eine andere Theorie geht davon aus, dass Mikroorganismen wie Hefe und ihre Wirkung bei der alkoholischen Gärung schlichtweg noch nicht bekannt waren. Die Hefe wurde später als wichtige Zutat hinzugefügt.

Bayerns Bier-Philosophie breitet sich aus

Bevor das Reinheitsgebot in Bayern verankert worden war, konnten sich die norddeutschen Brauer mit ihrer Bierqualität brüsten. Nach dem Erlass von 1516 holten die Bayern aber schnell auf – und es dauerte nicht lange, bis ihr Bier das beste und hochwertigste in Deutschland war.

Nachdem man das Reinheitsgebot einige Zeit vernachlässigt hatte, besannen sich die Bayern im 19. Jahrhundert und verankerten die Zutatenvorschrift für Bier wieder im Gesetz. Die Qualität der bayerischen Biere wurde schließlich auch für Brauer in anderen Landesteilen interessant. So verlangten etwa Baden ab 1896 und Württemberg ab 1900 die Einhaltung des Reinheitsgebots. Mit seiner Verankerung im Reichsgesetz wurde die vorgeschriebene Bier-Zubereitung schließlich für ganz Deutschland verpflichtend – und das bis heute.

Bier mit nur vier Zutaten – und trotzdem nie langweilig

Auch mit dem Einsatz moderener Brautechnik hat sich nichts am Reinheitsgebot geändert. In Deutschland braut man das Bier nach wie vor nur mit Hopfen, Malz, Hefe und Wasser, ohne Farbstoffe, Enzyme oder Aromen. Das macht das Brauen deutlicher schwerer und aufwendiger als im Ausland.

Und dennoch kann das Bier der etwa 1300 deutschen Brauereien locker mit der ausländischen Konkurrenz mithalten. Vielfalt und Fantasie sind auch mit vier Zutaten möglich. Es gibt über 100 Hopfensorten, über 40 Malzsorten und über 200 Hefestämme und selbst das Wasser hat Einfluss auf den Geschmack.

Rechnet man das hoch, könnte man allein mit diesen Zutaten 15 Jahre lang jeden Tag ein anderes Bier brauen. Langweilig wird es den Biertrinkern mit dem Reinheitsgebot also so schnell nicht.

Jessica Roch
Veröffentlicht von Jessica Roch

Journalistin in der Digital-Redaktion des DONAUKURIER. Schreibt über Film/TV, gesunde Ernährung, Kabarett, Musik, Kunst, Sport und Fitness. Filmt, schneidet und liebt Digital Storytelling.