50 Jahre erste Mondlandung

Es war ein Tag, der in die Geschichte eingehen sollte. Am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr deutscher Zeit betraten mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin die ersten Menschen den Mond. Die Liveübertragung wurde zum Medienereignis.

Etwa 600 Millionen Menschen weltweit saßen vor den Fernsehgeräten, als die Mondlandefähre Eagle von Apollo 11 auf dem Mond landete – in Deutschland zu nachtschlafender Zeit. Insgesamt dauerte die Mission 195 Stunden und 18 Minuten. Hin- und Rückflug nahmen jeweils rund drei Tage in Anspruch, auf dem Mond selbst verweilte man 21 Stunden und 36 Minuten.

Auf dem Emblem von Apollo 11 ist der Weißkopfseeadler, das Wappentier der Vereinigten Staaten, kurz vor der Landung auf dem Mond zu sehen. Der Olivenzweig in seinen Krallen soll die friedvollen Absichten der ersten Mondlandung verdeutlichen.

Fünf Jahre vor dem Ereignis wurde die Westinghouse Electric Corporation von der NASA (US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft) beauftragt, eine Fernsehkamera herzustellen, die bei Temperaturen zwischen minus 230 Grad und plus 120 Grad Celsius funktioniert. Über 75 Techniker und Ingenieure und über 300 Hersteller tüftelten. Das Ergebnis war eine Schwarzweiß-Kamera namens Westinghouse Apollo Lunar Television Camera mit einem Gewicht von 3,29 Kilogramm und vier wechselbaren Objektiven (Weitwinkel, Tele, Mondtag und Mondnacht).

Ein baugleiches Modell der Apollo Lunar Television Camera. (Wikipedia)

Kurz, bevor die Astronauten den Mond betraten, wurde die Kamera von Buzz Aldrin im Inneren der Mondfähre eingeschaltet. Nachdem Armstrong und Aldrin ihre ersten Schritte auf dem Mond getan hatten, setzte Armstrong die Kamera etwa zehn Meter entfernt auf ein Stativ. Die Kamera war durch ein 30 Meter langes Kabel mit der Mondfähre verbunden und verblieb auf dem Mond.

Die US-Fernsehstationen ABC, CBS und NBC sendeten insgesamt 31 Stunden ohne Unterbrechung. Das deutsche Fernsehen war 28 Stunden mit von der Partie, übertragen wurde aus dem eigens dafür gebauten Apollo-Studio in Köln. In der DDR wurde am Abend noch live berichtet, nachts jedoch das Testbild ausgestrahlt. Viele DDR-Bürger verfolgten die Mondlandung im (verbotenen) Westfernsehen. In der Sowjetunion wurde die Mondlandung nicht live übertragen – wohl deshalb, weil den Sowjets der große Konkurrent in Sachen erste bemannte Mondlandung zuvorgekommen war.

Der Wettlauf ins All zwischen den USA und der Sowjetunion begann bereits in den 1950er Jahren. Am 13. September 1959 schlug der erste von Menschenhand konstruierte Raumflugkörper auf dem Mond auf, die sowjetische Sonde Lunik 2. Die Luna 9 der Sowjets war am 3. Februar 1966 der erste Flugkörper, der kontrolliert auf dem Mond aufsetzte. Der erste US-amerikanische Flugkörper auf dem Mond war Ranger 4, er stürzte allerdings am 26. April 1962 auf der Rückseite des Mondes ab. Mit dem Surveyor 1 gelang einer US-Sonde am 2. Juni 1966 die erste kontrollierte Landung auf dem Mond.

Dem Mond so nah und doch nicht drauf

Der Start der Apollo 11 am 16. Juli 1969 vom Launch Complex 39A des Kennedy Space Centers in Florida. (Foto: NASA/ aufbereitet von Michel Vuijlsteke)

Am 16. Juli 1969 hob die Apollo 11 in Florida ab. An Bord waren die drei Astronauten Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins. Der frühere Kampfflugzeugpilot der US Navy Armstrong war der Kommandant, Aldrin, ein Oberst der US Air Force und wie Armstrong Teilnehmer am Koreakrieg, Pilot der Mondlandefähre und Collins, früherer Kampfjetpilot der US Air Force,  Pilot des Kommandomoduls. Collins musste die Stellung halten – er blieb alleine in der Kommandokapsel Columbia in der Umlaufbahn, als Armstrong und Aldrin den fremden Planeten erkundeten. Das Angebot, Ersatzkommandant von Apollo 14 zu werden mit der Aussicht, als Kommandant von Apollo 17 selbst den Mond betreten zu dürfen, lehnte der gebürtige Römer ab. Immerhin sind nach dem inzwischen 88-Jährigen der Mondkrater Collins und der Asteroid Collins benannt. Die Rockband Jethro Tull („Locomotive Breath“) widmete ihm den Song „For Michael Collins, Jeffery And Me“.

Neil Armstrongs deutsche Wurzeln

Das Team der Apollo 11: Neil Armstrong, Michael Collins, Buzz Aldrin (von links/Foto: NASA)

Neil Armstrongs Mutter Viola Engel war die Tochter des deutschen Auswanderers Martin August Engel. Einer von Armstrongs Urgroßvätern, Friedrich Kötter, stammte aus Nordrhein-Westfalen. Der 1930 im US-Bundesstaat Ohio geborene Astronaut erwarb bereits mit 17 Jahren eine Pilotenlizenz. Im selben Alter nahm er mit Hilfe eines Stipendiums der US-Marine an der Universität in Purdue ein Studium auf mit dem Ziel, Flugzeugingenieur zu werden.

Zwei Jahre später zog ihn die Navy zum Militärdienst nach Florida ein, er wurde zum Kampfpiloten ausgebildet. Ab 1950 nahm er am Koreakrieg teil und zählte mit gerade einmal 20 Jahren zu den Jüngsten seiner Einheit. Im September 1951 hatte er bei einem Aufklärungsflug ein dramatisches Erlebnis. Durch ein quer über ein tiefes Tal gespanntes Seil wurde sein Flugzeug beschädigt, sodass eine normale Landung nicht mehr möglich war. Armstrong schaffte es, das Flugzeug zu einem koreanischen Flugplatz, der unter US-amerikanischer Kontrolle stand, zu fliegen. Dort katapultierte er sich mit dem Schleudersitz aus der Maschine. Im Frühjahr 1952 setzte er sein Studium fort, 1955 erhielt er den Bachelor in Luftfahrttechnik.

„Eine Art glücklicher Umstand“

Im Sommer 1955 trat er eine Stelle als Testpilot bei der High-Speed Flight Station (HSFS) in Los Angeles an. Dort testete er unter anderem Raketenflugzeuge und war dafür zuständig, diese zu verbessern. Im September 1962 wurde er mit acht weiteren künftigen Raumfahrern der Öffentlichkeit vorgestellt. Nachdem er zunächst für verschiedene Gemini-Flüge (der Vorgänger der Apollo-Missionen) vorgesehen war, war er in der zweiten Hälfte der 1960-er Jahre als Ersatzkommandant für den ersten geplanten bemannten Flug zum Mond vorgesehen. Wie üblich, wurde die Ersatzmannschaft als Hauptmannschaft für den drittnächsten Flug eingeteilt – und das war Apollo 11. Wer der Mensch sein werde, der als Erster den Mond betrete, entscheide eine Art glücklicher Umstand, sagte der 2012 verstorbene Astronaut drei Jahre vor der ersten Mondlandung.

Ein kleiner Schritt für den Menschen - ein riesiger Sprung für die Menschheit. Neil Armstrong

Legendär wurde zwei seiner Sätze unmittelbar nach der Mondlandung und seinen ersten Schritten auf demselben. Mit „The Eagle has landed“ gab er die Landung bekannt. „That’s one small step for man… one… giant leap for mankind“ („Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen… ein.. riesiger Sprung für die Menschheit.“) sagte er, nachdem er den Mond betreten hatte.

Nach dem ersten Menschen auf dem Mond wurde der Mondkrater Armstrong und der Asteroid Armstrong benannt. Die Verfilmung seines Lebens ist der 2018 von Regisseur Damien Chazelle inszenierte Film „Aufbruch zum Mond“, in dem Armstrong von Ryan Gosling dargestellt wird. Der Film setzt den Fokus auf die Vorlaufzeit der Mondmission.

Nach der Landung am 24. Juli 1969 mussten die drei Astronauten beim Verlassen der Landekapsel nach außen komplett isolierte Anzüge tragen und sich für 17 Tage in eine Quarantäne begeben. Grund war die Furcht vor unbekannten Mikroorganismen.  US-Präsident Richard Nixon stattete den Astronauten einen Besuch ab.

Mondlandung? Alles Lüge!

Nicht alle waren oder sind fasziniert von der ersten bemannten Mondlandung. Moonhoax nennt man die Verschwörungstheorie, nach der dieses Ereignis niemals stattgefunden hat – jedenfalls nicht auf dem Mond. Die NASA hätte das Spektakel inszeniert, heißt es. Als Argumente werden beispielsweise Bilder auf dem Mond aufgeführt, bei denen die Schatten in unterschiedliche Richtungen zeigen oder verschieden lang sind. Diese hätten nur durch Schweinwerfer entstehen können, die man aber sicher nicht dabei hatte. Auf den Fotos wären außerdem keine Sterne zu sehen. Wer sich mit Fotografie ein bisschen auskennt, weiß woran das liegt: Hierfür wären lange Belichtungszeiten vonnöten, die wiederum alles Umliegende viel zu hell wiedergeben würden. Nächstes Argument: Die amerikanische Flagge flattere, obwohl auf dem Mond kein Wind gehe. Gegenargument: Es wurde eine Querstrebe aus Metall in den Star Spangled Banner eingewebt, um ihn imposanter aussehen zu lassen. Und so weiter, und so fort. Fakt ist: „So ein Ereignis lässt sich nicht inszenieren, zu viele Leute auf der ganzen Welt hätten mitmachen müssen.“ So argumentiert der deutsche Physiker Holm Gero Hümmler in einem Interview mit dem „Spiegel“.

Zwölf Männer auf dem Mond

In der Zeit zwischen der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969 und der bislang letzten am 11. Dezember 1972 gab es sechs Mondlandungen – die Missionen Apollo 11, 12, 14, 15, 16 und 17. Zwölf Astronauten – allesamt Männer – haben den Mond betreten, vier davon leben noch heute. Der Älteste von ihnen ist Buzz Aldrin, heute 89 Jahre alt und nach Neil Armstrong der zweite Mann auf dem Mond. Legendär seine Reaktion auf die Frage des Filmemachers und Verschwörungstheoretikers Bart Sibrel 2002, der ihn aufforderte, auf die Bibel zu schwören, dass er wirklich auf dem Mond gewesen sei. Der rüstige Aldrin (damals 72) verpasste ihm einen Kinnhaken. Der zwölfte und bisher letzte Mann auf dem Mond war Harrison Schmitt, heute 84 Jahre alt. Er verließ den Mond am 14. Dezember 1972.

Uwe Ziegler
Veröffentlicht von Uwe Ziegler
Seit 2001 in der Digital-Redaktion des DK mit einem Faible für Film, Musik, Fußball, Literatur, Digitales und alles, was Bayern ausmacht. Mag besonders gern Interviews mit Menschen jeglicher Couleur.