20 Jahre Netflix – Streaming-Portal revolutioniert Fernsehmarkt

Netflix hat das Fernsehen revolutioniert und verändert unsere Sehgewohnheiten nachhaltig. Was einst als DVD-Lieferservice begann, hat sich mittlerweile zu einem Streaming-Dienst mit über 104 Millionen Kunden weltweit gemausert. Nach der erfolgreichen Eroberung des Fernsehmarktes will Netflix nun das Kino kapern.

Die Erfolgsgeschichte begann mit „House of Cards“. Die Serie über die Machenschaften des skrupellosen Politikers Francis Underwood war die erste Eigenproduktion des Streaming-Dienstes – hochkarätig besetzt mit Kevin Spacey in der Hauptrolle. Statt wie üblich bei Fernsehserien Woche für Woche eine neue Folge zu veröffentlichen, stellte Netflix seinen Nutzern sofort die komplette erste Staffel zur Verfügung.

Serien in Dauerschleife: Netflix ändert Fernsehverhalten

Hauptdarsteller Spacey unterstützte die Veröffentlichung aller Folgen zum gleichen Zeitpunkt. Er war überzeugt, dass sich die Veröffentlichungen von Fernsehserien in Zukunft in diese Richtung entwickeln würden. „Wenn ich meine Freunde frage, was sie am Wochenende gemacht haben, erzählen sie mir, dass sie drei Staffeln von Breaking Bad gesehen haben, oder die bisherigen zwei Staffeln von Game of Thrones“, erklärte er in einem Interview.

Auch Regisseur und Produzent David Fincher gab sich von diesem Konzept überzeugt. „Dienstagabend, 19:30 Uhr – das war einmal. Das Herz dieser Tradition wurde aufgespießt, der Kopf abgetrennt und der Mund mit Knoblauch ausgestopft. Das vom Fernsehen gezwungene Publikum existiert nicht mehr. Wenn man den Leuten die Möglichkeit des Binge Watching (Anm. der Redaktion: Fernsehen in Dauerschleife) gibt, liegt man mit dem Glauben, dass sie es nutzen werden, nicht falsch“, sagte er.

Kunden und Kritiker zeigten sich begeistert – sowohl von der Serie, als auch von dem Konzept dahinter. Netflix sah sich bestätigt und produzierte zahlreiche weitere eigene Formate, wie die vielfach prämierten Serien „Orange Is The New Black“ und „The Crown“ oder die umstrittenen Folgen von „Tote Mädchen Lügen Nicht„. Auch eigene Spielfime wie „Beasts Of No Nation“ oder Dokumentationen wie „What Happenend, Miss Simone?“ wurden ins Repertoire aufgenommen. Allein 2017 gab Netflix mehr als sechs Milliarden Dollar für eigenproduzierte Inhalte aus.

Wichtig ist dabei vor allem, dass die Formate kurzweilig sind und so zum „Binge-Watching“ einladen. Ein weiterer Vorteil: In einer Serie lässt sich ein Charakter viel genauer und vielschichtiger skizzieren. Das lockt immer mehr namhafte Schauspieler an, die sich für ihre Figuren in Serien mehr Tiefgang erhoffen als in einem Kinofilm. Neben den Eigenproduktionen können die Nutzer bei Netflix auch unzählige Fremdproduktionen streamen.

Zahl der Netflix-Abonnenten steigt beständig

Dieses Angebot hat immer mehr Menschen überzeugt: Die Nutzerzahl wuchs in fünf Jahren von knapp über 20 Millionen auf 104 Millionen Nutzer im Jahr 2017 an. In Deutschland liegt die Nutzerzahl aktuell bei fünf Millionen Abonnenten. Hochrechnungen des Statistik-Portals Statista gehen aber davon aus, dass Netflix im Jahr 2020 bei 11,3 Millionen Kunden in Deutschland liegen wird.

Infografik: Netflix knackt die 100-Millionen-Marke | Statista

Fernsehanstalten und Kinobetreibern kommt der Erfolg alles andere als gelegen. Bis heute haben sie Probleme, dem Medien-Giganten etwas entgegenzuhalten. Vor allem für jüngere Generationen – die Digital Natives – hat Netflix sowohl private als auch öffentliche Fernsehsender abgelöst. Denn sie sind es gewohnt, Videoclips bei Youtube anzusehen und können das 20.15-Uhr-Prime-Time-System im Fernsehen bis heute nicht verstehen. Sie wollen ihren Medienkonsum nicht nach dem Fernsehprogramm richten – sondern umgekehrt. Sie wollen Serien komplett an einem Abend und ganz ohne Werbung ansehen, statt eine Woche zu warten, bis die nächste Folge erscheint. Für diese Generation ist Netflix zum geflügelten Wort geworden, wie auch zahlreiche Memes im Internet dazu zeigen.

Netflix startete als DVD-Versand

Was mittlerweile zu einem riesigen Medienimperium angewachsen ist, fing 1997 als kleiner DVD-Verleih an. Zu Beginn hatte Netflix ein Sortiment von 925 Filmen, die von 30 Mitarbeitern an die Kunden verschickt wurden. Die außergewöhnliche Strategie dabei: Gab man seine DVD zu spät zurück, wurde keine Gebühr fällig. Zwei Jahre später führte Netflix sein Flatrate-Modell ein. Bereits zu dieser Zeit analysierte das Unternehmen mit Hilfe von Algorithmen die Vorlieben seiner Nutzer und konnte so Vorschläge für die nächste DVD machen. Bis heute kennt Netflix seine Kunden so gut wie kaum ein anderer Streamingdienst.

Nachdem Netflix in den Vereinigten Staaten mehr als erfolgreich war, begann das Unternehmen im Jahr 2010 mit seiner internationalen Expansion. Im September 2014 bot der Streamingdienst sein Sortiment schließlich auch in Deutschland an. Heute ist Netflix in fast allen Ländern der Welt verfügbar – einzig in China, Nordkorea, Syrien und auf der Krim nicht.

Netflix plant den nächsten Angriff

Dass Netflix fast überall verfügbar ist und das Fernsehprogramm vor allem bei jüngeren Menschen völlig aus dem Alltag verdrängt hat, reicht dem Unternehmenschef Reed Hastings aber noch lange nicht. Als Nächstes will er die Filmindustrie aufmischen – notfalls auch zu Lasten des Kinos. „Wo gab es denn in den vergangenen dreißig Jahren im Filmvertrieb Innovation? Naja, das Popcorn schmeckt besser, aber damit hat es sich auch“, urteilt er.

Um die Innovationen soll sich nun Netflix kümmern: In diesem Jahr sollen 40 Filme veröffentlicht werden, zum Teil mit sehr hochkarätiger Besetzung. So kam etwa im Mai der Kriegsfilm „War Machine“ mit Brad Pitt heraus, im Dezember erscheint der Fantasy-Blockbuster „Bright“ mit Will Smith in der Hauptrolle. So will man den Abonnenten exklusive Inhalte bieten und sie langfristig an sich binden. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Schließlich wollen auch Maxdome, Amazon Video und Sky Ticket ein Stück vom Kuchen abhaben.

Jessica Roch
Veröffentlicht von Jessica Roch

Journalistin in der Digital-Redaktion des DONAUKURIER. Schreibt über Film/TV, gesunde Ernährung, Kabarett, Musik, Kunst, Sport und Fitness. Filmt, schneidet und liebt Digital Storytelling.